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Coca-Cola-Konzern Landrat sauer über Jobabbau bei weltberühmten Mineralwasser

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Apollinaris soll in Zukunft nur noch in der Gastronomie und Hotellerie angeboten werden. Das Foto zeigt Cola- und Wasserflaschen anlässlich der Übernahme durch den US-Konzern im Jahr 2006.

Bad Neuenahr – Es ist weltbekannt, doch nach und nach stirbt das Produkt einen langsamen Tod: das berühmte Mineralwasser Apollinaris aus Bad Neuenahr. Für die Region ein Schock: Mutterkonzern Coca-Cola will mitten in der Corona-Krise 84 Mitarbeiter entlassen. Neben Betriebsrat, Gewerkschaft und Bad Neuenahrs Bürgermeister Guido Orthen hat jetzt auch Landrat Dr. Jürgen Pföhler seinen Unmut geäußert. 

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Landrat Dr. Jürgen Pföhler (2.v.r.) und Tino Hackenbruch (1.v.l.), Leiter der Kreiswirtschaftsförderung, trafen sich mit Volker Daiss (2.v.l.), Geschäftsführer NGG Region Mittelrhein, und Daniele Fiumara, Betriebsratsvorsitzender Apollinaris Bad Neuenahr, um die aktuelle Situation bei Apollinaris zu erörtern. 

Bei einem Gespräch mit Vertretern des Betriebsrats und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sprach er von „einem inakzeptablen Schritt des Konzerns, da Coca-Cola nach wie vor hohe Gewinne erwirtschaftet. Die Kreiswirtschaftsförderung und ich befürchten ein Sterben der ehemaligen Weltmarke Apollinaris auf Raten. Gerade in Zeiten, in der regionale Identität immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist der angekündigte Arbeitsplatzabbau ein Schlag für die Region und die betroffenen Mitarbeiter“, so Pföhler.

Und der NGG-Geschäftsführer Volker Daiss legt nach: „Mit dieser Entscheidung wird deutlich, wie wenig Interesse Coca-Cola an seinen Mitarbeitern hat. Mitten in der Corona-Pandemie langjährig Beschäftigte ohne wirtschaftliche Not auf die Straße zu setzen, ist rücksichtslos und falsch.“

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Jahrzehntelang wurde Apollinaris als „Queen of Tablewaters“ beworben – seit 2006 gehört das Mineralwasser zum weltgrößten Brausehersteller der Welt: Coca-Cola. Doch Spaß hatte das Unternehmen wohl nie richtig am Wässerchen aus der Bonner Region.

84 Arbeitsplätze von 320 Stellen sollen im Werk Bad Neuenahr wegfallen. Hintergrund ist, dass Apollinaris ganz aus den Supermärkten verschwinden wird und nur noch in Gaststätten und der Hotellerie vertrieben wird. Hier hat das Wasser weiterhin einen guten Ruf.

Apollinaris Mineralwasser fiel bei Tests durch

In Tests allerdings fiel das verhältnismäßig teure Produkt gegenüber anderen Markenwassern und Produkten von Discountern jedoch immer mehr zurück. Im letzten Jahr gab es bei Öko-Test sogar ein Ungenügend. Das Unternehmen Coca-Cola setzt in Zukunft mehr auf sein Wasser-Produkt „Vio“.

Wenig erfreut zeigt sich auch Bad Neuenahrs Bürgermeister Guido Orthen vom Stellenabbau in seiner Kommune. „Die Marke Apollinaris blickt auf eine lange Tradition zurück und ist mit dem Heilbad- und der Entwicklung des Gesundheitsstandortes Bad Neuenahr-Ahrweiler untrennbar verbunden. Als einer der größten und namhaften Arbeitgeber der Stadt und als gewichtiger Wirtschaftsfaktor der Region bedeuten die vorgesehenen Veränderungen einen herben Schlag für die Kreisstadt.“

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Bad Neuenahrs Bürgermeister Guido Orthen ist wenig erfreut über den Stellenabbau bei Apollinaris.

Für Orthen war Apollinaris immer ein Imageträger für den Standort Bad Neuenahr-Ahrweiler – und das mit internationaler oder zumindest nationaler Strahlkraft. „Mit der Entscheidung wird nun erneut mehr und mehr die Identifikation mit der Marke und den Coca-Cola Produkten schwieriger“, so der Bürgermeister und sorgt sich um die Zukunft.

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Im Werk Bad Neuenahr sollen 80 von 320 Stellen gestrichen werden. Das Foto zeigt eine Mitarbeiterin in der Abfüllstraße von Apollinaris.

„Dies ist eine unternehmerische Entscheidung des Mutterkonzerns, auf die wir zwar keinen Einfluss haben, die wir jedoch weder verstehen noch gutheißen müssen. Denn zwar bleibt damit Apollinaris noch in der Gastronomie präsent – es stellt sich jedoch die Frage, ob der jetzige Schritt der letzte oder nur der vorletzte ist. Diese Sorge und Verunsicherung, die vor allem für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entsteht, nimmt ihnen und dem Standort im Augenblick niemand. Ob die Maßnahmen und damit die Reduzierung von Arbeitsplätzen betriebswirtschaftlich erforderlich ist, vermag ich an dieser Stelle nicht zu sagen. Bezweifeln darf man dies. Ich appelliere ausdrücklich an die Unternehmensführung, betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen und die soziale Verantwortung, die diese Entscheidung mit sich bringt, wahrzunehmen. Denn, ob für Mitarbeiter aus Bad Neuenahr-Ahrweiler Angebote an anderen Standorten ernstzunehmende Alternativen sind, darf getrost bezweifelt werden.“

Apollinaris: Quellen 1852 durch Zufall entdeckt

Vor mehr als 150 Jahren hat Apollinaris seinen Siegeszug durch die Welt gestartet.

Als der Winzer Georg Kreuzberg 1852 einen Weinberg in der Eifel ersteigerte, ahnte er nicht, was sich unter seinen Rebstöcken befindet. Doch als seine Reben partout nicht gedeihen wollten, ging er der Sache auf den Grund und fand in der Tiefe ein Mineralwasser mit quelleigener Kohlensäure in bester Qualität. Dank der vulkanischen Böden in der Eifel enthielt es wichtige Mineralstoffe. Er ließ die Wasserquellen freilegen und benannte das Mineralwasser nach dem heiligen Apollinaris, einem Schutzheiligen des Weines. Anfangs wurde das Wasser in Bad Neuenahr-Ahrweiler in Steinkrüge gefüllt, die in Handarbeit hergestellt wurden. 

Apollinaris wurde am britischen Königshof getrunken

Da Mineralwasser Mitte des 19. Jahrhunderts als echtes Luxusgetränk galt, schaffte es Apollinaris mit seiner damaligen hohen Qualität bis ins britische Königshaus und das Haus wurde 1897 Hoflieferant bei Queen Victoria und ihrem Sohn Edward.

Ab 1923 erhielt das Unternehmen den neuen Namen Apollinaris Brunnen Actiengesellschaft. Im Jubiläumsjahr 1952 – einhundert Jahre nach Entdeckung der Quelle durch Georg Kreuzberg – nahm Apollinaris die erste moderne Abfüllanlage in Betrieb. (stz)

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