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Extrem hartObdachlose in NRW sind Corona ausgeliefert

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Extrem schwere Zeiten für Obdachlose in NRW: Gogo sitzt mit seiner Freundin Elli an seiner Schlafstelle unter einer Eisenbahnbrücke in Bochum, die sie sich mit Fundstücken gestaltet haben. Viele der Obdachlosen haben ein schwaches Immunsystem und sind dadurch Teil der Corona-Risikogruppe. Betteln und Flaschen sammeln funktioniert aktuell auch nicht, weil niemand draußen herumläuft...

Bochum – Obdachlose sind auch in NRW von der Corona-Pandemie besonders betroffen. Hilfe, die sie sonst bekommen, bricht zunehmend weg. Gleichzeitig müssen die oftmals ohnehin immungeschwächten Menschen eine Ansteckung besonders fürchten. Ein Blick in die Szene zeigt, dass viele dem Virus fast schutzlos ausgeliefert sind...

  • Obdachlose in NRW besonders von Corona betroffen
  • Betteln und Flaschen sammeln nicht mehr möglich – Überleben wird dadurch extrem schwer
  • Viele Obdachlose gehören zur Risikogruppe

Seit zwei Jahren lebt Gogo er auf der Straße. Das Quartier des 59-Jährigen ist unter einem Brückenbogen in Bochum. Aus den Tabakresten weggeworfener Kippen-Stummel, die er den Vormittag über aufgesammelt hat, dreht er sich nun eine Zigarette.

Obdachlose haben es durch Corona extrem schwer: Betteln geht nicht mehr

Seit die Menschen aufgerufen sind, zuhause zu bleiben, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, ist es für Wohnungslose wie Gogo extrem schwer geworden zu überleben. „Bei uns geht gar nichts mehr", sagt seine Freundin Elli. Sie meint das Betteln. „Die Leute machen einen noch größeren Bogen um uns", sagt sie.

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Und Gogo ergänzt: „Es ist gar keiner mehr da, den man fragen kann." Selbst Flaschen sammeln sei mühsamer: „Ist einfach keiner mehr unterwegs, der was wegwirft."

Menschen wie Gogo, deren Lebensmittelpunkt die Straße ist, trifft die Corona-Pandemie mehrfach: Sie können nicht einfach zuhause bleiben, weil genau dieser Rückzugsraum fehlt. Obdachlose haben beispielsweise auch nicht die Chance, sich regelmäßig die Hände zu waschen – Hygiene ist deshalb meist nicht selbstverständlich.

Gleichzeitig bricht das gewohnte Hilfesystem an vielen Orten zusammen: Tafeln, Essensausgaben, Beratungsstellen und ambulante Sucht- und Therapieangebote schließen oder haben nur eingeschränkt geöffnet. Das berichtet etwa Christiane Caldow, Leiterin der Wohnungslosenhilfe der Diakonie Ruhr.

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„Wir sind hier die letzte Bastion", sagt sie und meint damit das Fliednerhaus. Normalerweise ist der Neubau beim Bochumer Ruhrstadion eine Notschlafstelle. Jetzt ist die Einrichtung zur 24-Stunden-Festung für jene Bochumer geworden, die kein Zuhause haben. „Wir definieren uns jetzt als Groß-WG – mit allen Risiken, die das bringt. Aber eine andere Lösung sehe ich nicht", sagt Caldow.

33 Menschen jung wie alt, darunter fünf Frauen, sind jetzt zur Zwangsgemeinschaft auf unbestimmte Zeit geworden. Um etwas mehr Abstand wahren zu können, schlafen zwei statt wie sonst drei Menschen in einem Raum. Außerdem darf kein Besuch kommen und niemand darf ohne Abmeldung und triftigen Grund einfach gehen. Und wie überall gilt: Abstand halten.

Corona-Ausbruch in Notschlafstelle: „Für uns alle hier eine Riesenkatastrophe"

„Wir hatten erwartet, auf viel mehr Ignoranz zu stoßen, aber wir erleben einen ganz, ganz großen Gemeinschaftsgeist", sagt Caldow. Dass sich alle weitgehend an die Regeln halten, liege auch an der alles überlagernden Angst: Eine Ansteckung mit dem Coronavirus.

„Das wäre für uns alle hier eine Riesenkatastrophe, dann würde hier ja zugemach", sagt der Wohnungslose Peter Lahrius, 69 Jahre alt. Er sei krank, habe große Angst allein zu sein. Er wisse dann nicht wohin.

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Peter Lahrius ist obdachlos und lebt in NRW: Auf unserem Bild steht er in der Tür zu seinem Zimmer im Fliednerhaus, der Wohnungslosenhilfe der Diakonie in Bochum. Der 69-Jährige ist krank – und hat große Angst vor einer Ansteckung. Die Infektion mit dem Coronavirus würde er vermutlich nicht überleben...

Vor kurzem, erinnert sich,Lahrius, sei plötzlich ein Lieferwagen vorgefahren: Ein Hotelbetrieb, der schließen musste, spendete kurzerhand die halbe Speisekammer. „Da durften wir auch alle nochmal nachnehmen", sagt Lahrius und lacht. „Ich glaube, die Menschen begreifen, dass wir diese Zeit nur gemeinsam durchstehen", sagt er.

Obdachlose als Risikogruppe: Corona-Infektion nur schwer zu überleben

„Wenn sich einer von den Menschen hier infiziert, haben wir ganz schnell die gleiche Situation wie in Seniorenresidenzen. Das kann zur Katastrophe mit vielen Toten werden", sagt Hans-Gerd Schmitz. Der Arzt im Ruhestand bietet ehrenamtlich seine Dienste in einer Sprechstunde an und ist jetzt besonders gefragt.

Viele Wohnungslose gehören zur Risikogruppe, die fürchten muss, eine Covid-19-Erkrankung nicht zu überleben. Suchtkrankheiten, die Härten der Straße sowie psychische Probleme machen sie besonders wehrlos, sagt Hans-Gerd Schmitz.

Obdachlosen-Statistik: Mindestens 44.000 Menschen in NRW betroffen

Laut Wohnungslosen-Statistik des Landes waren bei der letzten Erhebung im Sommer 2018 über 44.000 Menschen in NRW ohne eigene Wohnung in Notunterkünften untergebracht. Gerade auf engem Raum der zunehmend weniger werdenden Schlafstellen sei das Infektionsrisiko hoch, sagt Hubert Ostendorf, Gründer des Straßenmagazins „fiftyfifty", das in Düsseldorf und weiteren Städten verkauft wird.

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„Unsere Leute meiden jetzt auch die Notunterkünfte. Sie haben viel zu viel Angst, sich anzustecken", sagt er. Er befürwortet deswegen eine andere Strategie und fordert „Maßnahmen der Vereinzelung" zu unterstützen, etwa indem man Schlafsäcke und Zelte verteile. (dpa)