Experte Sauren im Interview Finanzindustrie trifft Russland hart, Kleinanleger sollen ruhig bleiben

Eckhard Sauren (1. FC Köln) redet bei der Mitgliederversammlung.

Mitgliederversammlung des 1. FC Köln: FC-Vizepräsident Eckhard Sauren am 6. November 2021 in der Lanxess-Arena.

Russland im Krieg gegen die Ukraine. Die westliche Welt reagiert mit Sanktionen. Wie diese wirken, erklärt Finanzexperte Eckhard Sauren im Interview.

Russland führt Krieg und die Welt fragt sich: Wer kann Wladimir Putin (69) beim Einmarsch in die Ukraine stoppen? Die Hebel, die international angesetzt werden, um Russland zu isolieren, sind vielschichtig. Eine Branche leistet dabei einen riesigen Beitrag: die Finanzindustrie.

Im Interview mit EXPRESS.de spricht einer der führenden Finanzexperten weltweit über die Auswirkungen des Krieges auf die Finanzmärkte und die Wirkungen der Sanktionen gegen Russland. Eckhard Sauren (50) führt seit über 25 Jahren als Fondsmanager die Sauren Fond-Service AG, zudem ist er Vizepräsident des 1. FC Köln und Präsident des Kölner Rennvereins (Galopp).

Herr Sauren, wie reagiert die Börse auf die russische Invasion in die Ukraine? Müssen sich Kleinanleger Sorgen machen um ihre Anlagen in Aktien?

Eckhard Sauren: Natürlich beobachtet jeder aktuell die Lage in der Ukraine und die Auswirkungen des Krieges auf die Börse. Wer breit aufgestellt ist und eine langfristige Anlagestrategie hat, sollte aber die Ruhe bewahren.

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Was bedeutet das genau für Menschen, die um ihre Altersvorsorge bangen?

Sauren: Mein Rat ist: momentan sollte keiner versuchen, ganz besonders schlau zu sein. Das heißt, wenn ich Geld anlege, sollte mein Portfolio grundsätzlich breit gefächert sein und die Strategie langfristig sein. Es muss ein guter Mix aus Aktienfonds mit defensiveren Anlagen sein. Und die Aktien sollten breit über alle Länder und viele Branchen gestreut werden.

Viele russische Unternehmer, Funktionäre und Politiker haben ihr Geld auch an den Finanzmärkten platziert. Wie wirken die internationalen Sanktionen? Wie hart trifft das die Russen?

Sauren: Es trifft die russische Wirtschaft massiv. Die Finanzindustrie leistet derzeit einen erheblichen Beitrag, um Russland zu bekämpfen. Der russische Aktienmarkt hat sich mehr als halbiert, der Rubel hat ein Viertel eingebüßt und die Zinsen sind massiv gestiegen. Das alles führt dazu, dass die russische Wirtschaft sich aktuell kaum refinanzieren kann.

Sanktionen gegen Russland zeigen Wirkung: Rubel eingebrochen

Welche Sanktionen gab es schon und welche sind noch denkbar?

Sauren: Die Russen wurden teilweise vom Bankennetzwerk Swift ausgeschlossen. Stellenweise wird Vermögen im Ausland eingefroren und es ist verboten, russische Anlagen zu erwerben. Der russische Aktienmarkt ist aktuell ausgesetzt. Russland ist somit vom Markt abgekoppelt. Und es wird weiter enorm Druck auf die Wirtschaft ausgeübt. Dabei muss man den Spagat schaffen: Auf der einen Seite will man die Banken und die Wirtschaft treffen, auf der anderen Seite muss die Versorgung von Rohstoffen gesichert bleiben.

Wie sieht es aktuell in Russland aus?

Sauren: Der Druck auf Russland zeigt Wirkung, das war der Plan. Einige Banken stehen kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Kaum ein Anleger investiert mehr in Russland. Das Land ist kaum mehr in der Lage, sich zu refinanzieren. Das ist schon gravierend.

Wie lange hält Russland das aus? Wie lange hält Putin das aus?

Sauren: Natürlich fragen sich immer mehr Menschen auch in Russland: Macht es so Sinn? Weil der Rubel massiv eingebrochen ist, müssen die Menschen wesentlich mehr bezahlen, wenn sie Waren aus dem Ausland kaufen. Das sind die finanziellen Themen, hinzu kommen die Konsequenzen auf anderen Ebenen. Die Russen werden bei allen Sportveranstaltungen ausgesperrt und auch aktuelle Hollywood-Filme laufen dort nicht mehr. Da fragt sich die Bevölkerung schon bei aller Propaganda: Was ist hier los? Es wird immer mehr klar, dass Russland isoliert ist.

Hat Putin das alles unterschätzt?

Sauren: Wie es in Putins Kopf aussieht, ist reine Spekulation. Es ist schwer einzuschätzen: Was ist seine Strategie, seine Idee am Ende? Das kann momentan keiner sinnvoll beantworten.

Kann Druck auf russische Wirtschaft den Krieg beenden?

Wer verdient am Krieg? Gibt es auch Branchen, die jetzt Gewinne machen?

Sauren: Das spielt momentan keine Rolle. Durch das Säbelrasseln der Russen sind die Öl- und Gaspreise vorher gestiegen, das hat den Russen geholfen. Aber jetzt hilft das auch nicht mehr. Die Schäden, die nun entstanden sind, sind unvergleichlich größer. Es gibt eigentlich nur Verlierer. Die Wirtschaft in Russland geht in die Binsen. Und je größer der Druck auf Russland wird, desto größer ist die Chance, dass der Krieg endlich beendet wird.

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