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Riesensee bei Düren „Indesche Ozean“: Freizeit-Paradies oder Risiko?

Im Braunkohlerevier bei Düren entsteht der größte NRW-See.

Im Braunkohlerevier bei Düren entsteht der größte NRW-See.

Düsseldorf  – Der Braunkohle-Abbau im Rheinischen Revier hinterlässt riesige Löcher. Der Tagebau Inden soll nach dem Ende der Förderung mit Wasser befällt werden – dort wird der größte See von NRW (11,6 Quadratkilometer) entstehen. Tourismus-Förderer freuen sich schon auf die Urlauber. Zu früh? Platzt der Traum vom Freizeitparadies?

Die Grünen im Düsseldorfer Landtag schlagen jetzt Alarm. Fraktionschef Reiner Priggen (61) und die Braunkohle-Expertin Gudrun Zentis (59) sind nach Sachsen gereist, haben sich dort über Probleme mit Braunkohleseen informiert. Dort wurden die Abbau-Löcher schon in den 70er Jahren geflutet und sind deshalb ein gutes Anschauungsbeispiel.

„Die Erfahrungen dort sind besorgniserregend“, warnt Priggen. In Nachterstedt (Sachsen-Anhalt) starben 2009 drei Menschen bei einem Hangrutsch. am Concordia See. Die ehemalige Braunkohle-Grube war 1999 geflutet worden.

Auch am Bergener See (Landkreis Bautzen) kam es 2010 zu einem Erdrutsch von 1,8 Kilometer Länge und 600 Metern Breite. Es entstand ein Mini-Tsunami – wie durch ein Wunder starben keine Menschen, aber 84 Schafe verendeten. Vier LKW wurden von der Schlammlawine mitgerissen, ein Fahrer musste mit dem Hubschrauber gerettet werden.

Heute warnen Schilder davor, dem Gewässer zu nahe zu kommen. „Lebensgefahr - Betreten verboten“, steht drauf. Der Grundbruch wurde offenbar durch steigende Grundwasser ausgelöst. Kein Experte hatte damit gerechnet.

In NRW gebe es weitere Risiken, die einen Erdrutsch auslösen könnten. „Das Revier wird immer wieder von Erdbeben erschüttert“, warnt Gudrun Zenits - 1992 gab es eine Beben der Stärke 5,3. Auch Starkregen könnte die Böschungen in die Tiefe reißen.

„Wir sollten den bislang geplanten Abstand der Siedlungen zum Seeufer vergrößern“, fordert Priggen. Richtwert für den Abstand müsse die doppelte Seetiefe sein.

Der Indesche Ozean (wird ab 2030 befüllt) soll 180 Meter tief sein. Wird die Priggen-Formel umgesetzt, könnten Hotels und Feriensiedlungen nicht mehr direkt am Ufer stehen.

Befürworter des Mega-Sees halten die Befürchtungen für Panikmache. „Man kann die Geologie von Sachsen nicht mir der von NRW vergleichen“, sagt der Indener CDU-Politiker Elmar Gasper (43). In NRW sei der Sand nicht so rutschig wie in Ostdeutschland.

Auch Bürgermeister Ulrich Schuster (65, parteilos) glaubt fest an Gutachten, die die Ungefährlichkeit des Projekts bescheinigen.

Die Grünen wollen jetzt den Landtagsausschuss für Bergbausicherheit mit dem Thema beschäftigen.

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