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März 2020 ist Schluss: „Lindenstraße“-Urgestein über Serien-Aus: Ende wird furchtbar

Lindenstraße-Star Andrea Spatzek in Köln

Andrea Spatzek sieht das Ende der „Lindenstraße“ im kommenden Frühling gelassen. Jetzt spielt sie erstmal Theater in Düsseldorf und Köln.

Foto:

Alexander Roll

Köln -

Sie hat einen beeindruckenden Teil der deutschen TV-Geschichte mitgeschrieben: Andrea Spatzek (60), die vor 34 Jahren in Folge 1 der „Lindenstraße“ ihren ersten Auftritt als Gabi Zenker hatte, die auch heute noch – 1726 Folgen später – dabei ist (ARD, 18.50 Uhr) und in der allerletzten Folge im März 2020 die Serie mit zu Grabe trägt.

„Lindenstraße“-Urgestein Andrea Spatzek über das Aus der ARD-Serie

Doch sie ist nicht nur im TV präsent. In Düsseldorf und Köln zeigt sie sich auf der Bühne mal von einer ganz anderen Seite – als Partnerin von Peter Millowitsch im legendären Schwank „Opa wird verkauft“.

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Andrea Spatzek und unser Reporter Horst Stellmacher.

Foto:

Alexander Roll

Im März erlischt das Leben in der „Lindenstraße“ nach 34 Jahren. Angst vorm letzten Drehtag?
Andrea Spatzek:
Ja, ich denke, dass das Ende furchtbar wird. Ich bin mehr als die Hälfte meines Lebens dabei, das ist natürlich nicht spurlos an mir vorbeigegangen.

Wie und wo haben Sie erfahren, dass Schluss ist?
Auf einem Golfplatz in Griechenland, mitten in einem Charity-Turnier. Ich hatte gerade auf mein Handy geschaut, um zu sehen, ob es ausgeschaltet ist. War es nicht, da kam die Mail einer Freundin: „Lindenstraße wird eingestellt!“

War’s der Schock fürs Leben?
Ehrlich – so schlimm fand ich es nicht. Irgendwie war ich innerlich drauf vorbereitet. Wir haben uns schon seit Jahren in Zwei-Jahres-Abständen die Frage gestellt, ob es weitergeht oder aufhört. Im Grunde bin ich sehr froh, dass es überhaupt so lang gegangen ist. Es hätte auch schon vor fünf Jahren vorbei sein können.

Welches Serien-Finale würden Sie Gabi Zenker wünschen?
Spezielle Wünsche habe ich da nicht. Das Wünschen habe ich schon früh aufgegeben. So habe ich mir zu Beginn mal gewünscht, dass Gabi Ski fährt – aber dann sind die Beimers auf die Bretter gestiegen. Ich habe mir gewünscht, dass Gabi mal singt – aber dann hat Isolde Pavarotti gesungen. Ich habe so gelernt, den Leuten zu vertrauen, die das schreiben und finde es selbst jedes Mal aufs Neue spannend, wie es für Gabi weiter geht.

Wenn Sie heute kritisch zurück blicken – war für Sie „Lindenstraße“ die richtige Entscheidung?
Ich habe es nie bereut. Im Gegenteil! Irgendwann war sogar der Zeitpunkt erreicht, an dem ich hoffte, unbedingt bis zum Schluss dabei sein zu können, um zu wissen, wie alles ausgeht. Ich bin sehr stolz, ein Teil des Projektes „Lindenstraße“ zu sein. Dass es allerdings ein so großes Projekt wurde, das mein Leben dermaßen beeinflusst und auf den Kopf stellt, konnte ich nicht ahnen.

Andrea Spatzek alias Gabi Zenker in der „Lindenstraße“

Andrea Spatzek alias Gabi Zenker in der „Lindenstraße“ (hier mit Jo Bolling alias Andy Zenker)

Foto:

picture alliance / dpa

Wie hat Ihre Entscheidung Ihr Leben beeinflusst?
Ich habe damals gedacht, dass es nach einem Jahr zu Ende ist. Ich wollte wieder zurück nach Wien ans Volkstheater, wo ich vorher war und wo man mich für ein Jahr frei gestellt hatte. Ich hätte es auch gut für meine Mutter gefunden, die zu der Zeit in Wien lebte. Sie wäre froh gewesen, wenn wir nicht so weit voneinander getrennt gelebt hätten. Damals stand noch die Frage im Raum, ob „Lindenstraße“ in München oder Köln gedreht würde. München wäre für mich angenehmer gewesen, dann wäre ich öfter daheim gewesen. Dann war aber sehr schnell klar, dass es Köln würde...

Sie vollziehen einen Rollenwechsel, haben eine Hauptrolle im Schwank „Opa wird verkauft“ – am 28. August ist Premiere in Düsseldorf, am 8. Januar in Köln. Was reizt Sie?
Es ist meine erste Begegnung mit einem bäuerlichen Schwank. Es ist eine sehr witzige, immer noch aktuelle Geschichte, bei der wir alle ein bisschen über die Stränge schlagen. Das macht uns allen auf der Bühne riesigen Spaß. Ehrlich – ich finde es immer schön, ein bisserl auf die Pauke zu hauen. Es ist herrlich, Leute zum Lachen zu bringen. Theater empfinde ich immer als sehr wohltuend. Mich hat es oft gestört, wenn es hieß, ich sei „Lindenstraße-Schauspielerin“. Das bin ich zwar, aber ich möchte mich nicht darauf reduzieren lassen. Ich habe den Beruf gelernt, bin also eine diplomierte Schauspielerin.

Ist es schwer, gegen ein rheinisches Urgestein wie Peter Millowitsch anzuspielen?
Nein, es ist wunderbar, mit ihm zu spielen. Wir kennen uns schon lange, können gut miteinander. Zudem bin ich ja auch schon lange im Geschäft, so dass ich ihm schauspielerisch Kontra geben kann. Wir begegnen uns auf der Bühne auf Augenhöhe.

Müssen Sie in dem Stück Kölsch sprechen?
Ich möchte diese Sprache des Rheinlandes nicht nachmachen, das würde nicht gutgehen. Deswegen bin ich im Stück zu einer Bayerin geworden, deren Sprache ja eine gewisse Ähnlichkeit mit der einer Österreicherin hat. Die Magd spricht Hessisch, alle anderen Kölsch. Richtig Hochdeutsch redet da keiner.

Wo ist Ihre Herzensheimat – Salzburg oder Köln?
Obwohl ich so viele Jahre meines Lebens in Köln bin und mich hier sehr wohlfühle, ist es Salzburg geblieben, das wird immer so bleiben. Dennoch werde ich weiter in Köln wohnen. Ich habe hier meinen Sohn, meine schöne Wohnung und viele Freunde.

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Ausflug in den bäuerlichen Schwank: Andrea Spatzek spielt mit Peter Millowitsch in „Opa wird verkauft“.

Foto:

Peter Bocklage

Sie sind gerade 60 geworden – ist es schwer, jetzt noch mal neu durchzustarten?
Da habe ich noch keine Ahnung, vertraue aber der alten Weisheit: »Wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her!« Ich habe viele meiner Engagements durch Zufall bekommen, weil ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und denke, es wird schon irgendwie weiter gehen. Aber vieles wird ungewohnt sein. Allein schon, dass ich bisher nie eine Agentur hatte. Jetzt brauche ich eine und weiß gar nicht, wer mich noch nimmt.

Gibt es noch genügend Ü-60-Rollen?
Die Zeit für Liebhaberinnen ist zwar vorbei – aber Großmütter werden immer wieder gefragt (lacht). Rankommen lassen und mal sehen...

Andrea Spatzek war in der Lindenstraße „Stiefmutter“ von Til Schweiger

Andrea Spatzek (geboren am 3. Mai 1959 in Salzburg) machte ihre Schauspielausbildung am Mozarteum in Salzburg. Es folgten Engagements am Oldenburger Staatstheater und am Volkstheater Wien, dazu zahlreiche TV-Rollen.

Sie ist seit der ersten Folge „Lindenstraße“ dabei, spielt die Rolle der Gabriele „Gabi“ Zenker (geborene Skabowski, verwitwete Zimmermann), in der sie u. a. auch „Stiefmutter“ von Til Schweiger war.

Sie wurde mit dem „Bambi“ und der „Goldenen Kamera“ ausgezeichnet. Sie ist Mutter eines Sohnes (24) und lebt in Köln.