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„Besorgniserregend”: Chinesen entdecken neues Virus und warnen vor weiterer Pandemie

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Möglicher Corona-Ursprungsort Wuhan: Medizinisches Personal in Schutzanzügen schiebt im April einen Covid-19-Patienten in einem Bett über eine Straße, um ihn in die Intensivstation zu verlegen. Chinesische Forscher warnen vor einer neuen Pandemie.

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picture alliance/dpa

Peking -

Die Welt steckt noch mittendrin in der Corona-Pandemie, da veröffentlichen chinesische Wissenschaftler die nächste besorgniserregende Meldung: Sie haben eine neue Art der Schweinegrippe entdeckt, die eine weitere Pandemie auslösen könnte, heißt es.

In der US-Wissenschaftszeitschrift PNAS ist am Montag ein Artikel veröffentlicht worden, der das Virus mit dem Namen G4 näher beschreibt. Es besitze „alle wesentlichen Eigenschaften, um Menschen infizieren zu können“, schrieben die Forscher mehrerer chinesischer Universitäten und des chinesischen Zentrums für Krankheitsbekämpfung und -prävention.

Das neue Virus G4 stamme vom H1N1-Virus ab, erklären die Wissenschaftler in dem Beitrag weiter. H1N1 löste 2009 eine Pandemie aus. Im April 2009 warnte die WHO vor der Gefahr, hatte aber einen Monat später bekanntgegeben, dass das Virus eine geringe Pathogenität besitze – also eine geringe Fähigkeit, im menschlichen Organismus Krankheiten hervorzurufen.

G4 ähnelt der Schweinegrippe, weist aber neue Eigenschaften auf

Die Schweinegrippe war weniger gefährlich als befürchtet, auch weil ältere Menschen eine gewisse Immunität dagegen hatten, vermutlich aufgrund der Ähnlichkeit mit anderen Grippeviren.

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Krankenschwestern auf einer Isolierstation im Krankenhaus in Dorsten im April 2009: Damals grassierte die Schweinegrippe in Deutschland: Ein sechsjähriges Mädchen mit dem Schweinegrippe-Virus ist in Köln gestorben, auch in der Essener Uniklinik starb ein mit dem Virus infizierter 57-jähriger Mann.

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picture alliance / dpa

Der neuartige H1N1-Subtyp verursachte damals eine Epidemie mit etlichen Todesfällen. Ihren Ursprung hatte sie in Mexiko. Das Robert Koch-Institut schätzt, dass damals in Deutschland rund 350 Menschen wegen der Pandemie sterben. Heute ist die Schweinegrippe Teil der saisonalen Grippe, für die es Impfungen gibt.

Diese Eigenschaft des Virus könnte sich nun geändert haben, wie die Studie nahelegt.

Die Forscher haben zwischen 2011 bis 2018 30.000 Nasenabstriche von Schweinen in Schlachthöfen in zehn chinesischen Provinzen genommen. Dabei konnten 179 verschiedene Schweinegrippe-Viren isoliert werden. Schweine gelten als wichtige Zwischenwirte für die Verbreitung pandemischer Influenzaviren. Die Überwachung solcher Schweine sei daher von großer Bedeutung, wie die Wissenschaftler erklären.

Menschen haben keine Immunität vor G4

Die meisten dieser Viren waren von der neuen Art G4, die seit 2016 vermehrt bei Schweinen auftritt. Anschließend führten die Forscher unter anderem Experimente an Frettchen durch, auf die in Grippestudien zurückgegriffen wird, weil sie ähnliche Symptome wie Menschen aufweisen. Dabei wurde beobachtet, dass G4 hochinfektiös ist, sich in menschlichen Zellen vermehrt und bei den Frettchen schwerwiegendere Symptome verursacht als andere Viren. Ähnlich wie das neuartige Coronavirus scheint sich auch G4 vor allem in den Atemwegen zu vermehren.

Tests zeigten auch, dass jegliche Immunität, die Menschen durch die saisonale Grippe gewinnen, keinen Schutz vor G4 bietet. Den Wissenschaftlern zufolge waren bereits 10,4 Prozent der Schweinehalter infiziert. Insbesondere bei Menschen im Alter von 18 bis 35 Jahren habe G4 eine erhöhte Infektiosität beim Menschen erworben. „Eine solche Infektiosität erhöht die Möglichkeit zur Virusanpassung beim Menschen erheblich“, heißt es in dem Artikel.

Mutation des Virus könnte zu leichterer Übertragung von Mensch zu Mensch führen

Die Hauptsorge der Wissenschaftler ist, dass das Virus mutiert und sich damit leichter von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Die Entwicklung sei besorgniserregend, weil sich damit das Risiko einer Pandemie beim Menschen erhöht, schrieben die Forscher.

Prof. Kin-Chow Chang, der an der Nottingham University in Großbritannien arbeitet, sagte gegenüber der „BBC“: „Im Moment sind wir zu Recht vom Coronavirus abgelenkt. Aber wir dürfen potenziell gefährliche neue Viren nicht aus den Augen verlieren.“

Noch stelle dieses neue Virus kein unmittelbares Problem dar, sagt er. Aber: „Wir sollten ihn nicht ignorieren.”

Forscher: „Sind ständig dem Risiko neuer Krankheitserreger ausgesetzt”

James Wood, Leiter der Abteilung für Veterinärmedizin an der Universität Cambridge in Großbritannien, erklärte, die Studie sei „eine Erinnerung daran, dass wir ständig dem Risiko des erneuten Auftretens zoonotischer Krankheitserreger ausgesetzt sind und dass Nutztiere, mit denen der Mensch mehr Kontakt hat als mit Wildtieren, als Quelle für wichtige Pandemieviren dienen können.“

Hier lesen Sie mehr: Hunderte neue Viren in Insekten entdeckt: „Wir werden jetzt häufiger Epidemien erleben

Eine zoonotische Infektion wird durch einen Erreger verursacht, der von einem Tier auf einen Menschen übergesprungen ist. Auch bei SARS-CoV-2 wurden bereits verschiedene Tiergruppen als Ursprung oder Überträger des Erregers diskutiert.

Auch Ebola, HIV und Pest haben ihren Ursprung bei Tieren

SARS-ähnliche Coronaviren wurden etwa in Schuppentieren wie dem Pangolin aber auch bei Fledermäusen gefunden. Fachleute vermuten, dass das Virus seinen Ausgang auf einem Markt in Wuhan hatte, wo derlei Wildtiere zum Verzehr gekauft werden.

Nicht nur SARS, auch HIV, Ebola oder die Pest sind Krankheitserreger, die im Laufe der Evolution vom Tier auf den Menschen übergesprungen sind. Im Mai 2005 gelang einem internationalen Forscherteam beispielsweise der Nachweis, dass der Ursprung von HIV beim Affen liegt.(mg/AFP)