Geständnis der Talk-Moderatorin Sandra Maischberger: „Mein Mann hat mehr Mode-Sinn als ich“

Stets schick und adrett, so kennt man Sandra Maischberger. Doch sie selbst macht sich aus Mode nicht viel.

Stets schick und adrett, so kennt man Sandra Maischberger. Doch sie selbst macht sich aus Mode nicht viel.

Charmant, witzig, pointiert – immer ohne Skandale und immer mit diesem gewissen Sex-Appeal: Sandra Maischberger (48), die erste Frau im deutschen TV-Talk.

Vor 25 Jahren begann sie in der BR-Sendung „Live aus dem Schlachthof“ (als Nachfolgerin von Günther Jauch), seit elf Jahren lädt sie ein zu „Menschen bei Maischberger“ (dienstags in der ARD, in der Nachfolge von Alfred Bioleks „Boulevard Bio“).

Sonntag startet eine neue Staffel ihrer Talk-Reihe „Ich stelle mich“ (WDR, 21.45 Uhr). Grund genug, sich mal wieder lange mit ihr zu unterhalten – über Berufliches, Privates , die Vergangenheit in Italien und über den Umgang mit der neuen Bewegung „Pegida“ im deutschen Fernsehen.

Sonntag startet wieder Ihr „Ich stelle mich“. Wenn Sie selbst zu so einer Sendung eingeladen würden - gingen Sie hin?

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Ich würde hingehen, mich aber fragen, ob die, die mich eingeladen haben, noch alle Tassen im Schrank haben. Denn seit ich 19 bin, besteht mein Beruf darin, andere Menschen zu interviewen. Das wird wahnsinnig langweilig, wenn ich dazu befragt werde.

Wer möchte in so einer Sendung jemanden haben, der permanent über andere redet.

Wer ist Ihnen beim Fragen lieber – Menschen, die Sie kennen, oder Ihnen Unbekannte?

Es ist immer am leichtesten, Leute zu befragen, die ich gar nicht mag. Und es ist für mich am schwierigsten, Menschen zu befragen, die ich kenne, weil dann der nötige Abstand fehlt.

Zum Beispiel Barbara Schöneberger: Wir kennen uns, ich mag sie, wir üben einen ähnlichen Beruf aus. Bei ihr fehlten mir erst die Fragen, ich dachte, dass ich schon alle selbst beantworten könnte.

Da war meine fantastische Redaktion eine große Hilfe, und wir haben eine sehr gute Sendung gebaut. Man wird von Barbara Dinge erfahren, die noch nicht so bekannt sind. Und es wird sehr unterhaltsam!

Seit vielen, vielen Jahren Deutschlands beliebteste Talkerin. Welche Themen sind Ihnen unangenehm?

Gespräche über Prostitution, Pornografie, Kindesmissbrauch. Als das Thema Pornografie durch die Rapper-Szene mal sehr präsent war, war ich Gott sei Dank im Mutterschaftsurlaub, und Alice Schwarzer hat das für mich moderiert.

Besser ging es nicht! Aber ich moderiere natürlich auch Themen, die mir nicht angenehm sind.

Im Januar werden wir uns mit Prostitution auseinandersetzen, weil es immer noch eine Debatte über die deutsche Gesetzgebung gibt, die von einigen als das liberalste Gesetz für Freier und Zuhälter kritisiert wird. Das ist ein angemessener Anlass.

Gerade wird in Deutschland über die Behandlung der „Pegida“-Bewegung im TV gestritten. Würden Sie deren Vertreter in Ihre Sendung holen?

Ich hätte »Pegida« zunächst keine so große Aufmerksamkeit gewidmet. Auch wäre es schwer, einen Vertreter zu finden, der für alle spricht. Das scheint eher ein lokales Sammelbecken für diffusen Protest zu sein.

Aber wenn es sich um eine relevante Bürgerbewegungen handelt, muss man sie einladen – auch wenn sie eine radikalere Meinung formulieren. Besser, man redet mit ihnen, als über sie. Dafür kämpfen wir häufig, auch im eigenen Haus.

Ich bin journalistisch in den 80er Jahren geprägt worden. Wir haben uns mit allen Themen und Menschen auseinandergesetzt. Die meisten haben sich dabei selbst entzaubert.

Da haben sich die Zeiten aber etwas geändert…

Wenn wir heute zu politisch korrekt handeln und bestimmte Ansichten gar nicht erst zur Diskussion stellen, wird irgendwann behauptet, wir halten was unter dem Deckel. Das kann sich zur Verschwörung steigern.

Es ist richtig, dass sich das öffentlich-rechtliche Programm mit diesen Strömungen auseinandersetzt. Sonst werden wir auf der Straße „gleichgeschaltete Presse“ genannt.

Bei Ihren Filmen – wie z.B. zuletzt über Alfred Biolek – arbeiten Sie immer mit Ihrem Ehemann zusammen. Keine Probleme?

Kein Problem. Meistens arbeitet er ja ohne mich – und umgekehrt. Da gibt es nur diesen kleinen Bereich des Dokumentarfilms, in dem wir zusammenarbeiten. Ohne ihn bin ich blind, mir fehlt das visuelle Verständnis.

Er kauft mir manchmal auch Kleider. Ich habe keinen Geschmack, er schon. Er bringt sie mir mit, sie passen, und die sehen auch noch toll aus. Er erschließt mir eine Welt, die ich nicht habe.

Sandra Maischberger über ihre Kindheit und ihre Sehnsucht nach Italien – auf der nächsten Seite.

Das heißt, Sie waren vor Weihnachten nicht tagelang im Shopping-Stress?

Ich habe an einem Tag vor Weihnachten fünf Stunden Dauershopping gemacht. Aber ich habe nichts für mich gekauft, ich kaufe fast nie etwas für mich. Es macht mir keinen Spaß. Manchmal habe ich etwas Zeit am Flughafen.

Aber dann stehe ich vor einem Laden, stelle mir vor, wie ich jetzt etwas vom Bügel nehme, mich damit in eine schlecht beleuchtete Umkleidekabine zwänge und vor einem verzerrendem Spiegel stehe – dann lasse ich es bleiben.

Ich kaufe gern andere Sachen: Bücher, Lebensmittel, Klamotten für meinen Sohn, und ich kaufe gerne Geschenke für andere.

Sie haben prägende Jahre Ihrer Kindheit – vom dritten bis zum achten Lebensjahr – in Italien gelebt. Wie war es mit der Sprache, dem großen Kapital, das Sie jetzt haben, als Sie zurückkamen?

Mein Deutsch war hundsmiserabel, ich konnte viel besser Italienisch. Als ich zurückkam, musste ich alles neu lernen.

Große Probleme hatte ich auch mit der Grammatik. Ich bin aus gutem Grund keine schreibende Journalistin, weil ich in der Schriftform grammatikalisch immer noch viele Fehler mache. Ich war zu faul, alles nachzuholen.

Spüren Sie Sehnsucht nach Italien?

Ich habe es vergraben, weil es am Anfang wirklich schmerzhaft war, in Deutschland zu sein. Die ersten Jahre hatte ich Migräne-Anfälle und fühlte mich hier überhaupt nicht wohl. Meine Eltern haben mich in den großen Ferien ins Flugzeug gesteckt und nach Italien geschickt, wo meine Freunde lebten.

Ich habe lange gedacht, mit 18 sage ich »Tschüss, Deutschland!« und kehre zurück. Später habe ich mich eingelebt. Aber wenn ich heute nach Italien komme, denke ich immer: »Was bin ich bescheuert, dass ich nicht in Italien lebe – hier gibt es doch ein viel schöneres Lebensgefühl.«

Sie könnten immer noch zurückgehen…

Man schafft sich immer irgendwelche Traumwelten und denkt, es gibt noch eine Alternative, noch ein zweites Leben, das man führen könnte.

Mein Mann und ich denken manchmal drüber nach, mit unserem Sohn für eine Weile woanders zu leben, vielleicht in einem Land, in dem der Sommer deutlich länger ist als der Winter.

Vielleicht nicht Italien, sondern Amerika, am Pazifik. Aber das bleibt eine Traumwelt.

Ich glaube, es ist nicht gut, sich ein starres Ziel zu setzen, sondern eher, eine Idee zu haben, die es erlaubt, mal links und rechts ein paar Umwege zu nehmen.

Findet man in Ihrer Traumwelt auch den Wunsch, mal Bücher zu schreiben?

Ja, in diesen Vorstellungen kommt es vor. Obwohl ich weiß: Ich kann es nicht mehr. Ich rede zu viel. Menschen, die zu viel reden, können nicht mehr schreiben.

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