Comedian im Interview Bernd Stelter über Liebe, Sex und Fesselspiele

Was eine gute Ehe ausmacht, verrät Bernd Stelter im EXPRESS-Interview.

Was eine gute Ehe ausmacht, verrät Bernd Stelter im EXPRESS-Interview.

„Wer Lieder singt, braucht keinen Therapeuten“, heißt sein neues Album. Da scheint was dran zu sein. Einen Eheberater brauchen die Stelters, die im November Silberne Hochzeit feiern, bestimmt nicht. Bernd Stelter (54) ist immer noch verrückt nach seiner Anke. Im Interview mit uns verrät er, was eine gute Ehe ausmacht, welchen Stellenwert Sex dabei hat – und wozu „Shades of Grey“ ihn inspiriert hat.

Silberhochzeit – ein seltenes Fest in ihrer Branche, besonders, wenn man im Karneval unterwegs ist. Klappt das nur mit selbst auferlegtem Flirt-Verbot?

Ach was, Flirten macht doch Spaß. Ich glaube, wenn ich in einer Session ganz ohne Glitter im Gesicht nach Hause käme, würde meine Frau mich zur Notschlachtung vorschlagen. Sie weiß nur zu gut, dass sie sich keine Sorgen machen muss.

Dabei heißt Ihr neues Programm „Wer heiratet, teilt sich Sorgen, die er vorher nicht hatte“– als da wären?

Na, meine Frau musste sich sicher daran gewöhnen, dass vor dem Schrank immer ein Kleiderhaufen liegt, wo man sich morgens rauszieht, was man anziehen will. Und ich kapier langsam, dass da jeden zweiten Tag irgend eine Chor- oder Theaterprobe ist, die ganz wichtig für sie ist.

Ist eine gute Ehe harte Arbeit?

Ja, natürlich. Die Ehe ist wie ein Schweizer Uhrwerk, wie die „Grande Complication“. Da sind ganz viele kleine Zahnrädchen, die zusammengeschraubt werden müssen. Einmal niesen – und du kannst von vorne anfangen. Mein Vater sagte immer, es gibt vier Grundpfeiler. Liebe, Vertrauen, Sex und Treue. Wenn einer wackelt, wird’s brenzlig, bei zweien geht’s den Bach hinunter.

Okay, picken wir uns mal den Sex raus, wie Sie in dem Song „Schnall mich fest, mein lieber Mann“ – »Shades of Grey« lässt grüßen. Gibt’s auch bei Stelters neuerdings Fesselspiele?

Hat nicht jeder schon allen Blödsinn ausprobiert? Aber mal im Ernst: Wenn du 20 Jahre mit deinem Partner zusammenlebst, und plötzlich kommt der mit Nietentanga und Halsband um die Ecke, was passiert denn dann? Du lachst dich scheckig. Also mich hat „Shades of Grey“ zu einem sehr lustigen Lied inspiriert.

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Was also tun, um in der angeblichen Norm zu bleiben, also dreimal pro Woche...

Echt, das ist der Schnitt? Den hab ich den letzten Jahren aber weit runtergedrückt. Vor 20 Jahren hätte ich das vermutlich nicht gesagt: Sex ist nicht mehr das Wichtigste in der Beziehung. Doch ich glaube, wenn Intimitäten ganz ausbleiben, dann sieht es nicht gut aus um die Ehe. Es ist ja nach wie vor schön.

Auch ohne „Wackelwürmer“, wie Sie Vibratoren in Ihrem Lied nennen, im Nachtkonsölchen?

Herrlicher Begriff, den ich da in dem Song verwende, oder? Den hab ich von meiner Schwester. Die leitete einen Kindergarten und fragte die Kleinen, was in den Kleiderschrank gehört. Bluse, Hose... Meldet sich ein Mädchen: »Meine Mutter hat da ganz viele Wackelwürmer drin«. Das musste ich einfach einbauen.

Sie singen »Ich bleib immer neugierig auf dich«. Was für ein schönes Kompliment an Ihre Frau.

Es ist wirklich so. Ich denke, sie zu kennen, und dann reagiert sie wieder ganz anders als erwartet. Das ist spannend. Wir Männer sind glaube ich viel durchschaubarer.

Auf dem neuen Album singen Sie im Duett mit ihrer Tochter Judith darüber, wie Sie mit 18 den ersten Typen nach Hause brachte. War das echt so hart?

Da sucht sich die eigene Tochter einfach so einen Mann! (Ich war sowas von auf eifersüchtiger Papa gepolt), und dann stand der da und war auch noch nett!

Ehevorbilder gibt’s bei den Stelters ja zur Genüge. Ihre Eltern waren fast 60 Jahre verheiratet – Ihnen widmen Sie das anrührendste Lied auf dem Album.

Zwei Jahre habe ich mir Zeit gelassen für das Lied. Die beiden waren so sehr eins geworden. Als mein Vater starb, folgte meinem Mutter ihm im selben Jahr. Sie wollte einfach nicht mehr, starb an einem gebrochenem Herzen.

Wie reagiert das Kabarett-Publikum auf solch ernste Kost?

Ich singe meine Geschichte, jeder ist bei seiner Geschichte. Da fließen natürlich schon mal Tränen. Aber ich finde, Kabarett ist ermüdend und langweilig, wenn man nur lacht.

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