Adelheid Streidel wieder frei  Wie gefährlich ist die Lafontaine-Attentäterin?

Die festgenommene Streidel direkt nach dem Messerangriff

Die festgenommene Streidel direkt nach dem Messerangriff

Kleve – Sicherheitskräfte sind alarmiert. Ist die bekannteste Attentäterin der deutschen Nachkriegsgeschichte weiterhin eine Gefahr für Politiker? Adelheid Streidel (67), die 1990 Oskar Lafontaine fast umbrachte. Die Auflagen für sie wurden verschärft.

Am 25. April 1990 hat die psychisch schwer kranke Adelheid Streidel den SPD-Kanzlerkandidaten Oskar Lafontaine (70) in der Stadthalle von Köln-Mülheim niedergestochen und lebensgefährlich verletzt. Im Prozess attestierten ihr die Gutachter eine paranoide Schizophrenie mit einem „geschlossenen Wahnsystem“. Streidel stelle weiterhin eine Gefahr dar, vor allem für Politiker. Sie müsse daher dauerhaft in eine geschlossene Anstalt eingewiesen werden.

Streidel phantasierte auch vor Gericht von „Menschentötungsfabriken“ in der Bundesrepublik, wofür weiterhin Politiker zur Rechenschaft gezogen werden müssten. Lafontaine war ein „Zufallsopfer“, Streidel hatte auch andere Politiker im Visier.

Am 23. Mai 2013 wurde Streidel vom Amtsgericht Kleve in die Freiheit entlassen. In Sicherheitskreisen glaubt man, dass die Frau weiterhin eine Gefahr darstelle. In Wachstuben von Sicherheitskräften, die für den Schutz hochrangiger Politiker zuständig sind, hängen so auch mittlerweile Fotos von Streidel.

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Die NRW-Landesregierung verweist darauf, dass Streidel seit Juli 2013 einer „Führungsaufsicht“ unterstellt sei.

„Zugleich traf das Gericht dezidierte Weisungen hinsichtlich des Aufenthaltes der Verurteilten, ihrer Betreuung in einer forensischen Überleitungs- und Nachsorgeambulanz, ihrer Medikation und entsprechender Kontrollmaßnahmen sowie einer eingerichteten gesetzlichen Betreuung“, heißt es in einer Antwort auf eine kleine Anfrage des CDU-Innenexperten Gregor Golland.

Untergebracht ist sie in einem Pflegeheim nur wenige Kilometer von der Psychiatrie in Bedburg-Hau entfernt, wo sie unter falschem Namen knapp zweieinhalb Jahrzehnte streng bewacht lebte.

Streidels Schwester Irene N. hatte in den letzten Jahren einen deutlich verbesserten Eindruck von Adelheid Streidel bekommen. „Aus meiner Sicht ist sie medikamentös gut eingestellt“ ,sagt die Frau, die südlich von Remagen am Rhein wohnt.

Die 71-Jährige hatte vor dem Attentat auf Lafontaine versucht, die Vormundschaft für ihre Schwester zu erhalten – doch niemand hörte auf ihre Warnungen. Der Fall Streidel war 1990 also auch ein Fall von Behördenversagen.
Als man Irene N. nun die gesetzliche Vertretung angeboten hatte, lehnte sie ab. „Ich habe auch eine Verantwortung gegenüber meiner weiteren Familie: meiner Tochter, ihrem Lebensgefährten und meinem Enkelkind.“

Allen Sicherheitsmaßnahmen zum Trotz sind mit dem Fall betraute Personen angespannt. Es gab Gespräche zwischen Attentäterin und Polizei, Streidel soll unlängst per Brief den Kontakt zu einem prominenten Staatsvertreter gesucht haben.

Die Auflagen für Streidel wurden verschärft. Sie darf kein Parlamentsgebäude betreten. Innenpolitiker Golland: „Die nachträglich verschärften Auflagen zeigen doch, dass die Freilassung im vergangenen Jahr unter nicht ausreichenden Sicherheitsvorkehrungen geschah.“

Über die Freilassung wurde kein Politiker informiert, selbst Attentatsopfer Lafontaine nicht. Innenpolitiker Golland fragt sich: „Muss erst wieder was passieren, bevor gehandelt wird?

Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Information über die Freilassung selbst unter den Sicherheitsbehörden wie eine geheime Kommandosache behandelt wird.“ Die für die Attentäterin zuständige Staatsanwaltschaft Köln hält dagegen die Entscheidung des Landgerichts Kleve für „vertretbar“. Die „Probandin“ habe bisher auch alle „Auflagen und Weisungen beanstandungsfrei erfüllt“.

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