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Forscher mit dringender Warnung „Antarktis-Faktor” viel bedrohlicher als wir dachten

Antarktis_Gletscher_2020

Die Gletscher in der Antarktis schmelzen: Laut einer neuen Studie könnte bis zum Jahr 2100 allein der „Antarktis-Faktor” einen Anstieg um 58 Zentimeter bewirken.

Potsdam – Die Folgen der Eisschmelze in der Antarktis für den Anstieg des Meeresspiegels könnten bereits in diesem Jahrhundert deutlich stärker ausfallen als bisher erwartet.

Laut der neuen Studie eines internationalen Wissenschaftlerteams könnte bis zum Jahr 2100 allein dieser Faktor einen Anstieg um 58 Zentimeter bewirken. Darauf wies am Freitag Leitautor Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hin.

Allerdings gibt es bei den Prognosen der Experten hinsichtlich der Antarktis eine große Bandbreite. Bei unvermindertem Treibhausgasausstoß liege der wahrscheinliche Effekt für den Anstieg des Meeresspiegels zwischen sechs und 58 Zentimetern, heißt es in der Studie.

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„Antarktis-Faktor erweist sich als größtes Risiko für den Meeresspiegel”

Gelinge es dagegen, die Emissionen rasch zu verringern, liege die Spanne zwischen vier und 37 Zentimetern. „Der Antarktis-Faktor erweist sich als die größte Unbekannte, aber dadurch auch als das größte Risiko für den Meeresspiegel weltweit“, erklärte dazu Levermann.

Er betonte, die neuen Forschungsergebnisse lieferten vor allem wichtige Informationen für den Küstenschutz. Eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt es demnach, dass der Wert von 58 Zentimetern nicht überschritten wird.

NASA: „Noch immer große Unsicherheiten”

„Je mehr Computersimulationsmodelle wir verwenden, die alle leicht unterschiedliche dynamische Repräsentationen des antarktischen Eisschildes sind, desto größer ist die Bandbreite der Ergebnisse, die wir bekommen – aber desto robuster sind auch die Schätzungen, die wir der Gesellschaft liefern können“, erklärte Ko-Autorin Sophie Nowicki vom NASA Goddard Space Flight Center.

Zwar gebe es „immer noch große Unsicherheiten“, doch sei es gelungen, das Verständnis des größten Eisschildes der Erde beständig zu verbessern.

Eisschmelze kann auf lange Sicht Meeresspiegel um zehn Meter anheben

Auf längere Sicht, also in den kommenden Jahrhunderten bis Jahrtausenden, hat das Abschmelzen des antarktischen Eisschildes der Studie zufolge das Potenzial, den Meeresspiegel um mehrere zehn Meter anzuheben.

„Was wir mit Sicherheit wissen ist, dass das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas die Risiken für die Küstenmetropolen von New York bis nach Mumbai, Hamburg oder Shanghai weiter in die Höhe treibt“, warnte Levermann.

Bisherige Prognosen zum Anstieg des Meeresspiegels aufgrund der globalen Erwärmung berücksichtigten vor allem die thermische Ausdehnung des sich erwärmenden Meerwassers sowie schmelzende Gebirgsgletscher als wichtigste Faktoren für den Anstieg des Meeresspiegels.

Anteil der Antarktis dürfte zum wichtigsten Faktor werden

Auch das Abschmelzen des grönländischen Eisschilds spielt eine Rolle. Den jetzt in der Zeitschrift Earth System Dynamics der Europäischen Geowissenschaftlichen Union (EGU) veröffentlichten neuen Forschungsergebnissen zufolge dürfte jedoch der Anteil der Antarktis bereits in absehbarer Zeit zum wichtigsten Faktor werden.

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Alle Faktoren zusammen ergeben dann das Gesamtrisiko des Meeresspiegelanstiegs. „Die Einbeziehung der anderen Beiträge zum Meeresspiegelanstieg von Grönland, Gebirgsgletschern und der Ausdehnung der Ozeane kann zu einem Meeresspiegelanstieg bis zu 150 Zentimeter führen“, sagte Levermann der Nachrichtenagentur AFP mit Blick auf den Zeitraum bis Ende des Jahrhunderts.

In den zurückliegenden 100 Jahren hatte es einen Anstieg um insgesamt etwa 19 Zentimeter gegeben.

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Das Oosterschelde-Sperrwerk (niederländisch Oosterscheldekering) ist ein Teil der Delta-Werke, die hauptsächlich in der niederländischen Provinz Zeeland vor Sturmfluten und Hochwasser schützen sollen.

Wissenschaftler spricht von zwei Mega-Dämmen

Und wie kann sich Europa vor dem steigenden Meeresspiegel retten? Mit zwei riesigen Dämmen – einer zwischen Schottland und Norwegen, ein zweiter zwischen Frankreich und England. Das zumindest plant der niederländische Wissenschaftler Sjoerd Groeskamp laut britischem „Guardian”.

Der Ozeanograf am Royal Netherlands Institute for Sea Research schlägt vor, einen gigantischen 480 Kilometer langen Super-Staudamm zwischen Schottland und Norwegen zu bauen – als Wall in der nördlichen Nordsee. Zwischen Frankreich und England plant er einen weiteren 160 Kilometer langen Damm im Westen der Nordsee.

„Wenn wir nichts tun, könnten diese riesigen Dämme die einzige Lösung sein“, erklärte er der dem „Guardian”.

Geschätzte Kosten für die Mega-Deiche: mindestens 250 Milliarden Euro

Die Experten meinen, dass das Projekt (Name: „North Sea Enclosure Dyke”) durchaus realisierbar sei. Die Kosten: zwischen 250 und 550 Milliarden Euro.

Das Problem: Die Nordsee würde zu einem riesigen See werden, das Ökosystem würde sich radikal ändern. „Bei der endgültigen Berechnung müssen wir auch Faktoren wie den Einkommensverlust durch die Nordseefischerei, die erhöhten Kosten für die Schifffahrt durch die Nordsee oder die Kosten für die gigantische Pumpen berücksichtigen, die das gesamte Flusswasser transportieren”, heißt es.

Die Kosten und Konsequenzen des steigenden Meeresspiegels um zehn Meter in den nächsten Jahrhunderten seien aber „um ein Vielfaches höher”.

Wie schützt sich Europa vor dem steigenden Meeresspiegel?

Dass die Idee von einem Niederländer kommt, ist naheliegend: Ungefähr die Hälfte des Landes liegt weniger als einen Meter über, rund ein Viertel des Landes unterhalb des Meeresspiegels. Die Niederländer gelten daher als Meister des Deichbaus und der Landgewinnung.

Die Delta-Werke an der Nordsee schützen Holland seit 50 Jahren vor dem ansteigenden Meeresspiegel. Doch die Schutzanlage könnte nicht ausreichen, wenn das Wasser so sehr ansteigt, wie es die Experten vorhersagen. (afp/mg)

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