„Zerfällt in alle Richtungen” Neue Satelliten-Aufnahmen jagen Experten Schrecken ein

Thwaites-Gletscher

Der bedrohte Thwaites-Gletscher auf einem Nasa-Satellitenbild vom Jahr 2018.

Der westantarktische Thwaites-Gletscher ist einfach nur gewaltig: Er ist in etwa doppelt so groß wie Österreich. Und ist nicht nur der wichtigste, sondern für viele Experten auch der gefährlichste Gletscher der Welt. Nicht umsonst wurde er von Glaziologen auch „Doomsday Glacier“ getauft – der „Weltuntergangs-Gletscher“.

Der Grund für den martialischen Namen: Zusammen mit dem benachbarten Pine-Island-Gletscher wirkt er als eine Art Bremsklotz für den viel größeren westantarktischen Eisschild. Sollte dieser eines Tages schmelzen, könnten zahlreiche Küstenstädte wegen eines Meeresspiegelanstiegs von weit mehr als einem Meter überflutet werden.

Diese Gefahr droht zwar noch nicht, allerdings bröckelt und bröckelt der Gletscher immer weiter. Innerhalb der vergangenen drei Jahrzehnte hat sich die Eismenge, die vom Gletscher ins Meer fließt, verdoppelt. Und neue Satellitenfotos und Expeditionsergebnisse lassen vermuten, dass sich die Lage verschärfen wird.

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Und so blicken die Experten mit Sorge auf das Naturwunder: Ein Satellit der Nasa hat die Region Ende des vergangenen Jahres fotografiert und die Aufnahme mit älteren Bildern verglichen (hier die Fotos aus der Seite der Nasa ansehen).

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Die Antarktis und der besonders bedrohte Thwaites-Gletscher

Das Ergebnis: Der Gletscher hat sich bereits weit zurückgezogen, im Osten gibt es keinen Kontakt mehr zum auf dem Meer treibenden Schelfeis. Dort treiben nur noch zahlreiche Eisbrocken. Der Eis geht verloren.

Schwimmt der Gletscher auf, schmilzt er noch stärker

Das Problem: Verliert der Gletscher auf der gesamten Fläche des Rückens den Bodenkontakt und schwimmt auf, wird seine Fließgeschwindigkeit beschleunigt. Er schmilzt noch stärker. Anfang 2020 nahmen Forscher der „International Thwaites Glacier Collaboration (ITGC)“ Messungen vor, um Szenarien für die Zukunft des Gletschers zu entwickeln und den Zeitraum für einen möglichen Zusammenbruch zu prognostizieren.

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Ihr Ergebnis: Die Auflösung des Gletschers durch erwärmtes Ozeanwasser scheint stärker als erwartet. An der Grundlinie des Wassers liegt seine Temperatur bereits mehr als zwei Grad über dem Gefrierpunkt.

Kann der Thwaites-Gletscher noch gerettet werden?

„Was uns die Satellitenbilder zeigen, ist ein Gletscher, der in alle Richtungen zerfällt“, erklärte Ted Scambos von der Universität von Colorado laut Nasa. „Alle paar Jahre scheint sich ein neues Gebiet zu lösen und die Flussgeschwindigkeit des Eises weiter zu erhöhen.“

Ob der Gletscher seinen Kipppunkt überschritten hat, bei dem ein Schmelzen nicht mehr aufzuhalten ist, ist den Forschern noch nicht klar. Weitere Forschungen am Thwaites sollen Antworten bringen. (mg)

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