Überraschende Worte in der Krise Merkel: Nicht nur Corona ist für uns große Bedrohung

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), bei ihrer Rede beim Petersberger Klimadialog auf dem Videoschirm.

Berlin – Überraschende Worte von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mitten in der Krise: Sie hat nun einen stärkeren Schutz der natürlichen Lebensräume angemahnt und deutlich gemacht, dass dies auch im Interesse der Menschen liege. Denn nicht nur das Coronavirus sei eine große Bedrohung für uns alle, machte sie klar.

Die Lebensräume für Tiere und Pflanzen schrumpften, sagte Merkel am Dienstag, 28. April, beim Petersberger Klimadialog. „Das hat gravierende Auswirkungen auf die Artenvielfalt. Und das ist dann auch für uns als Menschen wiederum eine Bedrohung.“

Merkel wies auf die Erkenntnisse von Wissenschaftlern hin, dass in den vergangenen Jahrzehnten 60 Prozent aller Infektionskrankheiten von Tieren auf Menschen übertragen worden seien. „Und das ist insbesondere auf die verstärkte Nutzung bislang ungestörter Lebensräume und der damit verbundenen Nähe zu wilden Tieren zurückzuführen.“

Angela Merkel: „Es führt kein Weg am Schutz der Biodiversität vorbei”

Es führe also kein Weg vorbei, „dass wir beim internationalen Schutz der Biodiversität und der Wälder vorankommen“, betonte die Kanzlerin. Bis zur 15. UN-Konferenz zur Umsetzung der Biodiversitätskonvention im kommenden Jahr brauche man einen neuen Rahmen für den Schutz der Artenvielfalt.

Als eine mögliche Quelle für die aktuelle Corona-Pandemie gilt ein Wildtiermarkt in der chinesischen Stadt Wuhan (hier lesen Sie mehr). Von dieser Metropole aus verbreitete sich das Virus um die Welt.

EU-Kommission will bis 2030 mehr CO2-Einsparen, Merkel zieht mit

Die EU-Kommission will bis 2030 deutlich mehr CO2-Einsparen, als die EU-Staaten sich bisher vorgenommen haben. Schon lange fordern Klimaschützer, dass die Bundesregierung mitziehen soll. Nun hat auch Kanzlerin Angela Merkel Position bezogen.

Sie befürwortet eine deutliche Anhebung des EU-Klimaschutzziels für das Jahr 2030. Sie begrüße Vorschläge der EU-Kommission, eine Treibhausgas-Minderung von 50 bis 55 Prozent anzustreben im Vergleich zu 1990, sagte die CDU-Politikerin beim Petersberger Klimadialog. Derzeit gilt ein Ziel von 40 Prozent Minderung.

Angela Merkel: Es brauche ein „umfassendes Maßnahmenpaket“

Merkel sagte, bis zur angestrebten Klimaneutralität 2050 sei es ein langer Weg. Daher begrüße sie den Vorschlag der EU für ein ehrgeizigeres Zwischenziel. Dafür brauche es ein „umfassendes Maßnahmenpaket“ mit Investitionen in klimafreundliche Infrastrukturen und auch eine „angemessene CO2-Bepreisung“. Merkel sagte, trotz Corona-Krise bleibe die Aufgabe bestehen, „mit Ernsthaftigkeit und Leidenschaft“ das Pariser Abkommen zum Klimaschutz umzusetzen.

Hier lesen Sie mehr: Die aktuellen Entwicklungen der Corona-Krise auf der ganzen Welt im Ticker

Offiziell hatte Deutschland zu dem neuen EU-Klimaschutziel bisher keine Position. Die Kommission will es bis September festlegen, der Zeitplan soll trotz Corona-Krise aufrecht erhalten werden.

Treibhausgase in der EU bis 2030 um 55 Prozent senken

Für Deutschland gilt bereits ein 55-Prozent-Ziel für 2030. Was eine Anhebung des EU-Ziels für die einzelnen Mitgliedsstaaten genau bedeuten würde, ist Verhandlungssache – es könnte unter Umständen bedeuten, dass Deutschland sein Ziel noch einmal anheben muss.

Das Klimapaket, das gerade umgesetzt wird, ist am 55-Prozent-Ziel ausgerichtet.

EU-Ratspräsidentschaft: Klimafragen „genauso auf der Tagesordnung“ wie Gesundheitsfragen

Bereits vergangenen August hatte Merkel gesagt, sie könne den niederländischen Vorschlag, die Treibhausgase in der EU bis 2030 um 55 Prozent gegenüber 1990 zu senken, „sehr gut mittragen“.

Deutschland übernimmt in der zweiten Jahreshäfte die EU-Ratspräsidentschaft. In ihrem am vergangenen Wochenende veröffentlichten Podcast hatte Merkel gesagt, dass man Klimafragen während der deutschen Ratspräsidentschaft „genauso auf der Tagesordnung“ haben werde wie Gesundheitsfragen. (dpa/mg)

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