Welt könnte sich verändern Darum kann die Corona-Krise mehr als eine Katastrophe sein

Eine undatierte elektronenmikroskopische Aufnahme des Coronavirus (SARS-CoV-2).

Eine undatierte elektronenmikroskopische Aufnahme des Coronavirus (SARS-CoV-2).

Köln – Wird die Welt nach Corona wieder wie vorher sein? Birgt die Krise nicht sogar die Chance für eine bessere Zukunft? Im EXPRESS schreibt der bekannte Redner, Autor und Investor Karl-Heinz Land (58).

Coronavirus, Kontaktsperren, Überlastung des Gesundheitssystems, Absturz der Börsen, Angst um Arbeitsplätze, geschlossene Läden und Restaurants und eine wachsende Anzahl von Toten. Die Lage ist ernst – vieles ist bedrohlich – und existenzbedrohend.

Der Klimawandel und Greta sind fast vergessen. Was der Klimawandel in seiner existenziellen Bedrohung der Menschheit bisher nicht geschafft hat, hat das Coronavirus nun innerhalb weniger Tage und Wochen erreicht. Es hat unser Verhalten grundlegend verändert. Die globale Wirtschaft steht fast still. Ausgehverbote, wir reisen und fliegen nicht mehr. Bei vielen Menschen macht sich die Angst breit. Jetzt ändern wir Dinge, die vorher unmöglich schienen.

Coronavirus: Wie sieht die Welt nach der Krise aus?

Ja, es ist zu vermuten, dass die Welt nach Corona eine andere sein wird. Könnte es sein, dass die Corona-Krise und der Klimawandel auch eine Chance für uns Menschen sein könnten? Wie könnte unsere Welt denn nach der Krise aussehen?

Karl-Heinz Land

Karl-Heinz Land (57) ist Autor, Redner und Investor. Er hat in Führungspositionen bei Unternehmen wie „Oracle“ und „Business-Objects“ gearbeitet und als Experte des digitalen Wandels innovative Strategien entwickelt.

Richtig ist in jedem Fall: Es geht jetzt darum, unsere Zukunft zu gestalten. Jeder einzelne sollte jetzt für sich entscheiden, was ihm wirklich wichtig ist.  Jetzt haben wir die Zeit, viele Dinge in der Gesellschaft neu zu denken.

Klar scheint schon jetzt: Unsere Kultur, unsere Kommunikation, unsere Werte, die Bildung, Politik und Wirtschaft – alles wird anders sein.

Auch bedingt durch Corona: Der „Effizienz-Glaube“ wackelt

Der reine „Effizienz-Glaube“ scheint schon länger zu wackeln. Bereits mit dem Klimawandel, gestützt durch Gesichter wie die junge Greta Thunberg, in einer überdrehten „Burnout-Gesellschaft“, in der es zuletzt scheinbar nur noch um „höher, schneller weiter und größer“ ging.

Erfahren wir jetzt mit Corona die Grenzen der Globalisierung?

  • Wenn Medikamente und Schutzmasken fehlen, weil wir ihre Produktion nach Asien verlagert haben, um ein paar Cent pro Maske und Medikament zu sparen.
  • Wenn eine deutsche Kartoffel mit dem Lkw zum Schälen nach Holland gefahren wird, um dann in Bayern gekocht und frittiert zu werden, um dann in ganz Deutschland in den Handel verteilt zu werden.
  • Wenn Autos nicht mehr produziert werden können, weil wichtige Teile aus weit entfernten Ländern fehlen und bei uns die Fließbänder stehen.

Auf einmal können wir auf Reisen verzichten, statt für jedes Meeting durch die Welt zu fliegen. Videokonferenzen und Konferenz-Telefonate machen es möglich. Unterricht findet auf einmal zu Hause statt. Hausaufgaben kommen per E-Mail.

Hier lesen Sie mehr: So cool wird die Schule der Zukunft

Technologischer Fortschritt, Digitalisierung und das Netz als große Chance? Das Telefon erfährt eine Renaissance – es darf wieder lange und ausführlich telefoniert werden.

Auf einmal wird verstanden, dass Arbeiten von Zuhause eine Alternative zur Arbeit im Büro ist. Auf einmal zahlen wir vermehrt mit unserer EC- oder Kreditkarte – oder ohnehin bereits mit dem Handy. Jetzt rächt sich natürlich, dass der Ausbau unseres Mobilfunk- und Glasfasernetzes bisher keine besonders hohe Priorität besessen hat. Es wurde in der Vergangenheit nicht verstanden, dass das Netz die Infrastruktur unseres zukünftigen Wohlstandes sein wird, so wie in der Vergangenheit Straßen, Flüsse, Schienen und Flughäfen.

Digitalisierung als Treiber für mehr Nachhaltigkeit

Die Digitalisierung könnte aber auch das Werkzeug und der Hebel zu mehr Nachhaltigkeit für uns alle sein: Plattformen werden uns helfen, uns Dinge zu teilen statt zu besitzen – Car-Sharing statt dem eigenen Auto. Künstliche Intelligenz wird uns helfen, unsere Städte zu Smart Cities zu machen, die 70-90 Prozent weniger Verkehr, Feinstaub und weniger Energie verbrauchen werden.

Hier lesen Sie mehr: Wie Sharing unsere Städte grüner machen wird

Wenn wir das Bahn- oder Flugticket nicht mehr ausdrucken, sondern nur noch als QR-Code auf unserem Handy haben, brauchen wir weder den Drucker, noch die Energie und das Papier für das Ticket zu produzieren.

Technologischer Fortschritt hilft beim Klimawandel

Video-Konferenz statt Flug- oder Bahnfahrt zum Meeting. Weniger Dinge heißt auch weniger Rohstoffe, weniger Energieverbrauch, weniger Umweltbelastung. Wenn wir Digitalisierung und den technologischen Fortschritt zu Ende denken, könnten wir auch die Thematik des Klimawandels, der Ressourcenknappheit und der zunehmenden Umweltzerstörung mit neuem Denken in den Griff kriegen.

Hier lesen Sie mehr: Corona-Krise, aber die Luft in Köln ist besser

Die gute Nachricht: Die Luft über China war seit Jahren nicht mehr so gut wie jetzt, da die Fabriken und das öffentliche Leben und die Produktion stillstehen. Damit bliebe dann auch die Hoffnung, dass die Corona-Krise nicht als Katastrophe – als Vernichtung verstanden wird, sondern als wichtiger Wendepunkt in unserer Ökonomie, Ökologie und unserer Gesellschaft.

Nach der Corona-Krise: Kommt jetzt das bedingungslose Grundeinkommen?

Jetzt wäre die Zeit, auch andere Dinge neu zu denken. Zum Beispiel das bedingungslose Grundeinkommen. Es könnte 5.000.000 Solobeschäftigten in Deutschland helfen, über die nächsten sechs bis zwölf Monate mit extremem Einkommensausfall hinwegzukommen, ohne ständig an die Miete oder den Einkauf von Morgen denken zu müssen.

Hier lesen Sie mehr: Werden wir bald Geld ver­die­nen, ohne zu arbeiten?

Die Initiative #WirBleibenZuhause zeigt, wie wir alle solidarisch bleiben können für die, die besonders gefährdet sind. In Italien singen sie von den Balkonen, und in Köln klatscht man aus Solidarität für die, die nicht zu Hause bleiben können.

Wir klatschen für die Krankenschwestern und Pfleger, Ärzte, Verkäuferinnen und Verkäufer, die Lkw-Fahrer- und Fahrerinnen, die Mitarbeiter in unseren Lagern, Speditionen, der Post und der Müllabfuhr, der Feuerwehr oder der Polizei.

Dank der Corona-Krise: Neue Form von Respekt und Empathie

Es zeigt sich eine neue Form von Respekt, Mitgefühl, Empathie und Solidarität. Es scheint als könnten wir gerade jetzt in der Krise Eigenschaften wie: Freundlichkeit, Mitgefühl, Improvisationstalent, Humor, Zuversicht, und Mut gut gebrauchen.

Die freundliche Verkäuferin beim Lebensmittelhändler, die das Regal mit dem Toilettenpapier und den Spagetti, zum zehnten Mal an diesem Tag geduldig auffüllt. Die Programmierer und Programmiererinnen, die beim Hackathon der Bundesregierung an neuen Techniken und Services arbeiten, um das Leben in der Krise erträglicher zu machen und neue Lösungen zu entwickeln.

Bleiben Sie gesund, bewahren Sie den Blick für Positives. Jeder einzelne von uns entscheidet nun, wohin die „Reise“ gehen wird. Solidarität wird vermutlich einer der wichtigsten Werte sein in der nahen und fernen Zukunft. Für uns alle.

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.