Lage angespannt Bundesweite Proteste und Blockaden vor Aldi-Lagern

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Landwirte stehen mit ihren Traktoren vor einem Aldi-Betrieb. In der Gemeinde Seevetal (Landkreis Harburg) fuhren nach Polizeiangaben am Sonntagabend (8. März 2020) 250 Traktoren an einem Aldi-Lager vor. 

Lingen – Mehrere hundert Landwirte haben in der Nacht zu Montag (9. März 2020) unter anderem vor dem Zentrallager der Firma Aldi Nord in Lingen (Niedersachsen) demonstriert. Mit ihren Zugmaschinen blockierten sie dabei zwischen etwa 20 und 6.45 Uhr die Zu- und Abfahrtswege zum Firmengelände.

Grund für die Proteste sind die vom Discounter angekündigten Milchpreissenkungen. Es stehen Verhandlungen über die Milch-Einkaufspreise zwischen Aldi und den Molkereien an. Der Discounter hatte kürzlich angekündigt, Preise für Milchwaren für Aldi Nord und Aldi Süd durch die Konzentration der Nachfrage senken zu wollen.

„Ausbaden müssen das dann wieder die Viehbetriebe“, sagte ein Sprecher des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Die Lage sei angespannt, viele Landwirte sind wegen der Preispolitik verärgert. Die Spontan-Demonstrationen vor den Aldi-Lagern seien nicht vom Verband organisiert gewesen.

Landwirte protestieren vor Aldi-Lagern

Die Demonstranten übergaben den Verantwortlichen der Aldi-Niederlassung ein Erklärungs- und Forderungspapier. Im Rahmen mehrerer Kooperationsgespräche unter Teilnahme der polizeilichen Einsatzleitung wurde an einer Kompromissfindung gearbeitet.

Die Landwirte in Lingen kündigten an, die Blockade so lange aufrechterhalten zu wollen, bis man die Möglichkeit bekäme, Gespräche mit der obersten Führungsebene der Aldi-Zentrale in Essen zu führen.

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Nachdem man sich von dort aus bereit erklärt hatte, die Demonstranten am Montagnachmittag (9. März 2020) in Essen zu einem Gespräch zu empfangen, wurde die Blockade gegen 6.45 Uhr aufgelöst. Auf dem Gelände war es zwischenzeitig zu einem aufwachsenden Stau von etwa 40 auslieferungsbereiten Lkw der Firma Aldi gekommen.

Milchpreis-Senkungen: Bundesweite Bauern-Proteste gegen Aldi

Aber nicht nur in Lingen demonstrierten Bauern am Wochenende vor Aldi-Zentrallagern. Bundesweit verschafften Landwirte ihrem Ärger gegen den Discounter Luft.

Die Bauern hätten „dem Discounter einen Denkzettel verpassen” wollen, wie das Portal „topagrar.com” berichtet. Die geplante Milchpreissenkung sei für sie sehr bedrohlich. Aus Sicht der Landwirte stünden sie „mit dem Rücken zur Wand”.

Neben Lingen gab es auch vor anderen Aldi-Lagern in Niedersachsen Proteste, in Weyhe (Landkreis Diepholz), Hesel (Landkreis Leer) sowie in Ohlendorf (Landkreis Harburg) und Salzgitter.

NRW: Bauern-Proteste in Werl, Schloß Holte-Stukenbrock und Radevormwald

Auch in NRW gab es Demonstrationen gegen Aldi, aus Werl und Schloß Holte-Stukenbrock wurden Blockaden gemeldet. Vor dem Zentrallager von Aldi-Nord in Werl haben bis zum Montagmorgen Landwirte mit ihren Traktoren demonstriert.

Etwa 80 Traktoren hatten in der Nacht die Zufahrt versperrt, wie ein Sprecher der Polizei sagte. Die Demonstration sei nicht angekündigt gewesen, gegen sieben Uhr am Morgen hätten die letzten Landwirte die Zufahrten des Lagers aber wieder freigegeben.

Aldi_Bauernproteste

Vor dem Zentrallager von Aldi-Nord in Werl (NRW) haben bis zum frühen Montagmorgen Landwirte mit ihren Traktoren demonstriert. 

Auch vor anderen Aldi-Lagern haben Bauern am Sonntagabend demonstriert. In Radevormwald bei Wuppertal hätten etwa 250 Landwirte mit rund 50 Traktoren bis in die Nacht vor einem Zentrallager gestanden, sagte eine Polizeisprecherin. Es hätte jedoch keine größeren Verkehrsstörungen gegeben. 

Laut „topagrar.com” demonstrierten allein in Rheinland-Pfalz in der Nacht auf Montag 1000 Bauern mit 650 Traktoren vor allen vier Aldi-Zentrallagern in Rheinland-Pfalz. 

Ebenso waren in Pönitz (Schleswig-Holstein) und im baden-württembergischen Donaueschingen Bauern auf der Straße.  

Julia Klöckner trifft sich mit Landwirten

Wie der „Bayerische Rundfunk” berichtet, will sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner am Montagabend (9. März 2020) mit etwa 50 Landwirten verschiedener Gruppierungen aus der Region Hof (Bayern) zum Fachgespräch treffen.

Die Veranstaltung findet im Rathaus von Töpen (Landkreis Hof) statt. Die Gruppierung „Land schafft Verbindung” nimmt den Termin als Anlass, um gegen die aktuelle Landwirtschaftspolitik der Bundesregierung zu demonstrieren. Es werden etwa 100 Traktoren erwartet. 

Julia Klöckner

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) spricht im November 2019 vor dem Parteitag der rheinland-pfälzischen CDU in Neustadt an der Weinstraße (Rheinland-Pfalz) mit protestierenden Bauern. 

Der Sprecher von „Land schafft Verbindung” der Region Hof sieht die Landwirtschaft nur noch als „Spielball”, es fehle die Wertschätzung gegenüber den Bauern.

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Die sehen die Zukunft der deutschen Landwirtschaft bedroht, mitunter durch die geplante Veränderung der Düngeverordnung und durch internationale Freihandelsabkommen.

Außerdem stehe die Politik in Konflikt mit den Klimaschutzzielen und gefährde die Versorgungssicherheit mit kontrolliert erzeugten und regionalen Nahrungsmitteln, heißt es in einer Pressemitteilung von „Land schafft Verbindung”.

Bauern demonstrieren in ganz Deutschland 

Zuletzt waren Bauern am 5. März 2020 in ganz Deutschland auf die Straße gegangen, um gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung zu demonstrieren. 

Zur Zentralkundgebung in Dessau vor dem Umweltbundesamt waren 500 Teilnehmer gekommen, wie ein Sprecher der Polizei der Nachrichtenagentur AFP sagte. Sie seien mit 300 Traktoren in die Stadt in Sachsen-Anhalt angereist. (dpa/afp/jba)

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