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Johannes und Nikos sind fast blind Wie Menschen mit Sehbehinderung Köln erleben

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Nikos (23) hat eine schwerwiegende Diagnose bekommen, will aber positiv durchs Leben gehen.

Köln – Sind Sie schon einmal im strömenden Regen Auto gefahren und die Scheibenwischer gingen nicht? Sich da in den Straßen zu orientieren, wäre ganz schön schwierig, oder?

So ähnlich, nur viel krasser, ergeht es Menschen mit einer Sehbehinderung. Wie meistern Menschen mit Sehbeeinträchtigung ihren Alltag in Köln? EXPRESS hat nachgefragt.

Wenn die Welt plötzlich anders aussieht

Nikos (23) ist Student, liebt das Reisen und Musik ist seine größte Leidenschaft. Vor drei Jahren verlor er innerhalb eines Jahres den größten Teil seines Sehvermögens.

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Heute sieht Nikos seine Welt nur noch verschwommen, Farben verblassen und Gesichter kann er nicht mehr deutlich erkennen. Was Andere aus zehn Metern Entfernung erkennen können, sieht Nikos nur noch aus 50cm Entfernung.

Auch Johannes ist sehbehindert. Der 30-Jährige absolviert ein duales Wirtschaftsinformatik-Studium bei der Deutschen Post. In seiner Freizeit ist er gerne in der Natur unterwegs, programmiert und macht Musik.

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Johannes ist extrem eingeschränkt in seinem Sehen, aber bewältigt seinen Alltag in Köln mit Bravour.

Ähnlich wie Nikos ist Johannes nicht von Geburt an sehbehindert. Bei ihm begann es vor etwa zehn Jahren mit dem Ausbruch einer Makula-Degeneration, also einer Schädigung des Punktes des schärfsten Sehens. Daher kann Johannes vor allem die Dinge gut erkennen, die sich am Rande seines Gesichtsfeldes befinden.

„Schilder lesen und so fällt mir schwer, aber für die Orientierung reicht mein Sehrest meistens noch“, erklärt Johannes.

Fast blind: Gute Kontraste sind besonders wichtig

Anders als blinde Menschen sind Sehbehinderte wie Nikos und Johannes weniger auf ein Leitsystem oder Informationen in Blindenschrift angewiesen. Für sie sind gute Kontraste besonders wichtig.

„Für mich sind die Kontraste eigentlich nie ausreichend“, sagt Johannes. So seien Ampellichter besonders blass und auch die Beschriftungen auf den Bahnen hätten quasi keinen Kontrast.

„Für mich ist es auch schwierig zu erkennen, wo ein Fahrradweg verläuft, bei den vielen Fahrradfahrern hier in Köln ist das nicht ganz ungefährlich“, schildert Johannes.

Für Nikos sind vor allem Kontraste an Treppen besonders wichtig. „Treppen sind mein größter Feind“, erklärt der 23-Jährige und lacht. „Da gibt es oft keinen Kontrast zur nächsten Stufe und oft fehlt auch ein Handlauf, wie zum Beispiel an der Treppe auf der Domplatte zum Dom hoch“, fügt Nikos hinzu.

Besonders schwierig werde es, wenn es dann zusätzlich noch dunkel ist, so Nikos.  

Johannes aus Köln: „Ich glaube, die meisten denken nicht nach“

Was die Reaktionen der Kölner angeht, haben Nikos und Johannes überwiegend positive Erfahrungen gemacht. Die allermeisten würden jedoch nicht über Menschen mit Behinderung nachdenken, findet Johannes. 

„Viele merken gar nicht, dass ich sehbehindert bin, weil ich mich auch nicht mit einem Stock oder so kennzeichne“, erklärt Nikos. Deshalb sei es auch ab und an zu komischen Reaktionen gekommen.

Auch Johannes ist tagsüber ohne Stock unterwegs. „Viele sind einfach unsicher im Umgang mit Menschen mit Behinderung“, sagt er. Dennoch bekommen beide häufig Unterstützung angeboten - vor allem dann, wenn sie danach fragen. „Beim Bäcker sind die immer ganz cool und sagen mir, was die so haben“, erzählt Nikos.

Johannes hat einmal sogar in besonderem Maße Hilfe angeboten bekommen: „Einmal wollte ich einen Brief zum LVR bringen und bin im Winter schon im Dunkeln in Deutz ausgestiegen und vor dem Bahnhof über die Straße gegangen. Als ich dann mein Navi am Handy anmachen wollte, kam eine Frau und fragte, ob sie mich wo hinbringen kann. Sie ist dann mit mir bis zum LVR, hat eine Stelle zum Abgeben für Briefe gesucht und hat mich wieder zurück zu der Ampel am Bahnhof gebracht“, erzählt er.

Kontraste, Ansagen und Ampeln: Das wünschen sich Sehbehinderte in Köln

Dennoch gibt es einige Dinge, die sich sehgeschädigte Menschen wie Johannes und Nikos wünschen würden. „Ich fände besser verständliche Ansagen toll. Meistens ist es entweder zu laut oder die Ansagen sind zu leise“, sagt Johannes.

Außerdem wünsche er sich eine zentrale, gut erreichbare  Anlaufstelle für Menschen mit Behinderung, denn es sei sehr schwierig, den richtigen Ansprechpartner zu erreichen. Selbst bei der Schwerbehindertenstelle in Köln Kalk hatte er keinen Erfolg.

„Deshalb bin ich dann hingefahren, aber der Automat zum Nummern ziehen war dort auch nicht barrierefrei“, beschwert sich der 30-Jährige. Dort könne man doch einfach eine Hilfsperson oder einen sprechenden Automaten aufstellen, schlägt Johannes vor.  

Sowohl Nikos als auch Johannes würden sich auch über mehr und bessere Ansagen freuen - nicht nur an Haltestellen. „Ansagen oder hörbare Informationen in Behörden wären auch cool“, meint Nikos.

Nikos würde auch gerne mehr darüber aufklären, dass es Menschen mit Sehbehinderung gibt. „Denn nur so kann man Barrieren in den Köpfen abbauen“, findet er.

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