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Razzia in Pulheim: Drogen-Boss gaukelte heile Welt vor: Ermittlungen gegen Polizisten

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Ermittler vor dem Pizzeria-Gebäude in Pulheim

Foto:

Thomas Banneyer

Pulheim/Köln -

Es ist ein rührendes Bild. Ein Mann gibt seinem kleinen Töchterchen die Milchflasche, die Mama schaut freudig zu. Eine kleine heile Familie, deren Glück am Mittwoch durch Beamte der Kölner Polizei gesprengt wurde. Denn der Mann auf dem Foto ist Luigi G. (45, Name geändert). Der Gastronom gilt als Kopf des Mafia-Clans 'Ndrangheta.

Größte Ermittlung in der BKA-Geschichte

Es war die größte Ermittlung in der Geschichte des Bundeskriminalamtes (BKA). Zeitgleich schlugen in Europa und Südamerika um sechs Uhr morgens Ermittler zu, nahmen knapp 90 Personen wegen Drogenhandels und Geldwäsche fest (hier mehr dazu lesen).

Schwerpunkt in NRW waren Köln, Leverkusen, Aachen, Rhein-Erft-Kreis, Ennepe-Ruhr-Kreis, Düren, Heinsberg, Rhein-Kreis Neuss und Recklinghausen. Laut BKA seien 65 Wohnungen und andere Objekte – Eisdielen und Restaurants – durchsucht worden.

Tonnenweise Kokain nach Europa geordert

In Pulheim holten Ermittler des Kommissariats 23 (Organisierte Kriminalität) den dicksten Fisch aus dem Bett: Luigi G. (45). Ohne Gegenwehr ließ er sich festnehmen. Während er in Handschellen abgeführt wurde, schliefen seine beiden Kinder. Der unscheinbare Italiener soll Koks tonnenweise aus Südamerika nach Europa geordert haben.

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Unter anderem wurde diese Pizzeria in Pulheim durchsucht.

Foto:

Thomas Banneyer

Die Ware kam im Hafen von Rotterdam per Schiff an und wurde dann in einem speziell umgebauten Pferdetransporter weiter transportiert. Einen dieser Transporte (80 Kilo) fing die Polizei vor zwei Jahren ab – und startete die Ermittlungen im Rheinland gegen den Mafia-Clan unter dem Decknamen „Falabella“ (eine argentinische Miniaturponyrasse).

Luigi G. mimte den braven Familienvater

Die Ermittler hörten monatelang Handys ab, tauschten sich mit Kollegen in ganz Europa aus, um den größten Schlag gegen die Mafia vorzubereiten.

Luigi G., der auch in Köln in der Gastro-Szene bekannt ist, mimte nach außen hin den braven Familienvater. Erst vor vier Monaten war er erneut Papa geworden. Vor einem Jahr ließ er sein Restaurant in Geyen aufwendig sanieren.

Ermittlungen gegen Polizisten und Nachbarn

Das gute italienische Essen lockte auch Bergheimer Polizeibeamte an. Wie EXPRESS erfuhr, wird gegen mehrere Beamte wegen Verrats von Dienstgeheimnissen ermittelt. Sie sollen Luigi G. gewarnt oder auch Personen für ihn im Polizeicomputer überprüft haben.

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Die Kurierfahrten wurden mit diesem speziell präparierten Pferdetransporter durchgeführt.

Foto:

Polizei Köln

Auch gegen einen Regierungsbediensteten der Polizei Köln wurde ein solches Verfahren eingeleitet. Auch der Nachbar von Luigi G. wurde festgenommen – der Betreiber eines Fitnessstudios, dem das Haus gehört, in der die Pizzeria untergebracht ist. Es kam später wieder auf freien Fuß, die Ermittlungen gegen ihn gehen weiter.

Verdacht des Wirtschaftsbetrugs 

Luigi G. war bereits vor Jahren wegen Drogenhandels aufgefallen. Er soll mit Komplizen internationale Firmen gegründet haben – mit dem Ziel des Wirtschaftsbetrugs. In 166 Fällen wird nun ermittelt.

Ein Kölner Bekannter von Luigi G. ist geschockt: „Das hätte niemand von ihm gedacht. Aber wer die Finger nicht von solchen Geschäften lassen kann, muss irgendwann dafür bezahlen.“

Zahlreiche Beweismittel sichergestellt

Die Europäische Justizbehörde Eurojust teilte am Mittwoch bei einer internationalen Pressekonferenz in Den Haag mit, man habe 4000 (!) Kilogramm Kokain sowie 140 Kilo Extasy-Pillen beschlagnahmt.

Insgesamt seien Vermögenswerte in Höhe von fünf Millionen Euro (darunter zwei Millionen Euro Bargeld) beschlagnahmt worden. Die Ermittlungen dauern an, die Auswertung der beschlagnahmten Beweismittel wird Monate dauern.