OB Reker unter Zugzwang Kölner NSU-Mahnmal: Schlägt jetzt ein Investor zu?

Denkmal Keupstraße

So soll das Mahnmal zum Gedenken an die Opfer des NSU-Nagelbombenanschlags in der Keupstraße aussehen

Köln – Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat auf der Kölner Keupstraße große Hoffnungen geweckt. In einem Brief an die IG Keupstraße hatte sie im Juni in Aussicht gestellt, dass die Stadt das zum Verkauf stehende Grundstück an der Ecke Schanzenstraße in Mülheim erwerben will, damit dort das von den NSU-Opfern seit Jahren ersehnte Mahnmal errichtet werden kann. Ob es zu dem Kauf aber kommt, ist fraglich. Offenbar schlägt ein anderer Investor zu.

Das Mahnmal, das an den NSU-Nagelbombenanschlag vom 9. Juni 2004 mit 22 Verletzten erinnern soll, könnte schon längt stehen. Etliche Fehler und Missverständnisse verhindern das auch 16 Jahre nach dem rechtsextremen Anschlag immer noch.

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Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker

Die Initiative „Platz für alle“ fordert OB Reker jetzt zum Handeln auf. In einem Brief an Reker heißt es: „Frau Reker hatte zum Jahrestag des Nagelbombenanschlags in der Keupstraße angekündigt, das Gelände zu kaufen. Nun stellt sich heraus, dass, das Grundstück zum Verkauf steht. Jetzt kann Frau Reker beweisen, dass sie ihren Worten Taten folgen lässt und durch den Kauf des Geländes das Mahnmal endlich realisiert wird. Wir bitten Oberbürgermeisterin Reker, jetzt das Vorkaufsrecht auszuüben.“

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Vermögensverwalter und Grundstückseigentümer Bernd Odenthal

EXPRESS fragte bei Bernd Odenthal, dem Sprecher der Eigentümergemeinschaft, der das Grundstück gehört, nach. Odenthal erklärt kurz und knapp: „Wir suchen Investoren, die hier bauen wollen.“ Ob das Grundstück zum Verkauf steht, lässt er offen. Das würden die Gespräche zeigen, sagt er.

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Bezirksbürgermeister Norbert Fuchs (3.v.l.) mit dem türkischen Generalkonsul Ceyhun Erciyes (4.v.l), NSU-Opfer Özcan Yildirm (3.v.l.) und Vertretern der IG Keupstraße beim 16. Jahrestag des NSU-Nagelbombenanschlags auf der Kölner Keupstraße.

Mülheims Bezirksbürgermeister Norbert Fuchs wird auf EXPRESS-Anfrage deutlicher: „Es gibt einen potentiellen Investor für dieses Grundstück, das seit Oktober 2019 zum Verkauf steht. Er hat mir versichert, dass das Mahnmal auf diesem Grundstück platziert werden soll. Allerdings nicht auf der Ecke, sondern etwa in Höhe des Pförtnerhäuschens an der Schanzenstraße.“ Die Verkaufsgespräche seien fortgeschritten, aber noch nicht abgeschlossen, so der Bürgermeister.

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Künstler Ulf Aminde zeigt, wie es funktioniert: Vor Ort sieht man „real“ nur die 24 x 6 Meter große Betonplatte im Boden. Über eine App sieht man sie dann Filme und Fotos von Anwohnern, Schulkassen und anderen über Rassismus und den Anschlag in der Keupstraße.

Ursprünglich wollten Ulf Aminde, der Künstler, der mit seinem Entwurf eines multimedialen Mahnmals den Wettbewerb gewonnen hatte, Anwohner und die IG Keupstraße, dass die Erinnerungsstätte mit Blick auf den Anschlagsort, einem Friseurgeschäft, platziert wird. Also genau an der Ecke.

Stadt prüft Vorkaufsrecht für Grundstück für Kölner NSU-Mahnmal

Ob die Stadt jetzt zuschlagen wird? Stadtsprecher Jürgen Müllenberg erklärt auf EXPRESS-Anfrage: „Hinsichtlich eines möglichen Ankaufs des Grundstücks beziehungsweise der Ausübung eines Vorkaufsrechts durch die Stadt sind die verwaltungsinternen Abstimmungen noch nicht abgeschlossen. Sicher ist: Die Stadt wird den Umstand, dass das Grundstück anscheinend zum Verkauf angeboten wird, wohlwollend prüfen.“ Die Ergebnisse würden dann der Öffentlichkeit mitgeteilt werden.

Prominente Gäste auf der Kölner Keupstraße

Auf diese Ergebnisse sind auch die NSU-Opfer, Initiativen, Anwohner und Bürger gespannt. Die Aktivisten von „Platz für alle“ setzen sich weiter ein. Bei ihren „Live Acts gegen Rassismus“ waren bislang prominente Unterstützer aus Köln wie Sänger Henning May (AnnenMayKantereit), Autor Dogan Akhanli oder Pfarrer Hans Mörtter von der Lutherkirche dabei.

Für den 23. August haben sie den Kabarettisten Fatih Cevikkollu auf die Keupstraße eingeladen. Am 13. September soll die Rap-Gruppe Microphone Mafia mit der Sängerin und KZ-Überlebenden Esther Bejarano (95) auftreten.

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