Kölner Oberstadtdirektor Nazi-Vergangenheit enthüllt: Stadt zieht Konsequenzen

Ein Aufmarsch der SA an der Trankgasse am Hauptbahnhof

Ein Aufmarsch der SA an der Trankgasse am Hauptbahnhof

Köln – Entscheidende Wendung im Streit um die Benennung des Platzes am ehemaligen Kölner Kinderheim in Sülz: Die Stadt Köln empfiehlt der Bezirksvertretung Lindenthal, den 2011 nach dem ehemaligen Oberstadtdirektor Prof. Dr. Heinz Mohnen (1914-2005) benannten Platz umzubenennen. 

Dass einem derart hohen Repräsentanten der Stadt Köln eine erfolgte Ehrung nachträglich versagt wird, ist einmalig in der Nachkriegsgeschichte Kölns. 

Heinz Mohnen

Heinz Mohnen (1914-2005) war Jurist und zwischen 1965 und 1977 Oberstadtdirektor von Köln.

EXPRESS hatte 2019 enthüllt, dass Mohnen Mitglied der NSDAP und der SA war. Nach dem Krieg wurde Mohnen Mitglied der SPD (die Enthüllung und der Schock im Kölner Rathaus – hier lesen Sie mehr).

In Mohnens Ära als Chef der Kölner Verwaltung fiel die Umsetzung vieler Großprojekte, wie der Bau des Römisch-Germanischen Museums, des Müngersdorfer Stadions und auch die kommunale Gebietsreform.

Zentrales Namensarchiv: Heinz Mohnen stellte sich aktiv in den Dienst des NS-Regimes

Grundlage der nun erfolgten Entscheidung ist eine nach dem EXPRESS-Bericht eingeleitete Untersuchung des Falls durch das NS-Dokumentationszentrum, die zu folgendem Ergebnis kommt: „Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Heinrich Mohnen sich aktiv in den Dienst des NS-Regimes gestellt hat. Er gehörte nicht nur formal mehreren NS-Organisationen (SA, NSV, NSDStB und NSDAP) an, sondern engagierte sich auch durch die Bekleidung von Ämtern (Blockwalter, Blockleiter) politisch im Sinne des Regimes …“

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Der 2011 von der Bezirksvertretung Lindenthal so benannte Heinz-Mohnen-Platz in Sülz. Auf dem Gelände des ehemaligen Kölner Kinderheims entstand eine neue Wohnsiedlung.

Die Zugehörigkeiten von Mohnen zu mehreren NS-Organisationen und seine Übernahme von verantwortlichen Positionen drückten nach außen einen Konsens mit dem Regime aus, so die Stadt weiter.

In ihrer Mitteilung vom Dienstag, den 10.März 2020, informiert die Stadt nun außerdem auch offiziell über ein bislang nicht aufgeklärtes Versäumnis. Beim Namensbeschluss der Bezirksvertretung Lindenthal im Jahr 2011 (Bezirksbürgermeisterin war und ist Helga Blömer-Frerker, CDU) „war von Seiten der Verwaltung zuvor keine Stellungnahme des NS-Dokumentationszentrums eingeholt worden.“ Warum das sonst übliche Verfahren nicht eingehalten wurde, ist unklar. 

Auf der Grundlage der Stellungnahme des NS-DOK empfiehlt die Verwaltung der Bezirksvertretung Lindenthal (BV) nun, den Heinz-Mohnen-Platz umzubenennen. Sollte die BV Lindenthal dies zustimmend zur Kenntnis nehmen, wird die Verwaltung der BV für eine der nächsten Sitzungen eine Beschlussvorlage zur Umbenennung des Platzes zur Entscheidung vorlegen. Gleichzeitig macht die Stadt einen Vorschlag für eine Neubenennung.

Ehemalige des Kölner Heims wollen „Platz der Kinderrechte“

Ausgangspunkt der Kontroverse um den Heinz-Mohnen-Platz war der Protest Ehemaliger des Kinderheims. Noch vor Bekanntwerden der NS-Vergangenheit Heinz Mohnens hatten sie die Benennung des historischen Areals nach einem Politiker und Spitzenbürokraten als unangemessen kritisiert.

Der EXPRESS-Bericht, mit dem im Februar 2019 alles begann– hier lesen Sie mehr

Die Ehemaligen fordern, das gesamte Gelände in „Platz der Kinderrechte“ umzubenennen. Nur so werde man dem Andenken Zehntausender Kinder und Jugendlicher, die im ehemals größten Kinderheim Deutschlands lebten, gerecht. 

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