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Nach Gift-Alarm auf Kölner Spielplätzen: Heftige Kritik der Anwohner im Veedel

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Die Spielplätze am Rathenauplatz sind abgeriegelt, die Stadt hat die Spielgeräte abgebaut.

Foto:

Grönert

Köln -

Auf dem Rathenauplatz im Kwartier Latäng wurde eine zu hohe Konzentration von Schadstoffen im Boden festgestellt. Die Stadt Köln reagiert: Die beiden Spielplätze wurden Freitag abgeriegelt und müssten samt aller Spielgeräte wie Rutschen und Wippen abgebaut werden.

Kölner Spielplätze: Belastung durch Blei im Boden

Nach EXPRESS-Informationen ist die obere Bodenschicht der Wege mit Schwermetallen, insbesondere Blei, belastet.

Die Stadt bestätigte die Schadstoff-Belastung: Anwohner hatten Hinweise auf Schlacken bei der Stadtverwaltung gemeldet. Die Spielflächen des Platzes wurden daraufhin auf Schadstoffe überprüft. „Die Untersuchungen haben gezeigt, dass die obere Bodenschicht der Wegeflächen teilweise aus aufgefülltem Material besteht, welches mit Schwermetallen, insbesondere Blei, belastet ist“, so die Mitteilung.

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Anwohner stehen vor dem abgeriegelten Spielplatz am Rathenauplatz. 

Foto:

Grönert

Anwohner und Bürgermeister kritisieren Stadt

Die „Informationspolitik“ der Stadt stößt im Viertel auf heftige Kritik. „Die Verunsicherung ist groß“, so Klaus Adrian, Vorsitzender der Bürgergemeinschaft Rathenauplatz. Er berichtet, dass Anwohner mitbekommen hätten, als zweimal Bodenproben genommen und Messungen gemacht wurden. „Das war bereits im Dezember beziehungsweise im Januar“, so Adrian. „Die Experten vor Ort hätten damals den fragenden Nachbarn mitgeteilt: »Das sieht hier nicht gut aus«.“

Doch monatelang herrschte dann Funkstille. Der Chef der Bürgergemeinschaft hätte eigentlich von der Verwaltung erwartet, dass die Anwohner zeitnah und gründlich informiert werden – „und zwar nicht per Pressemitteilung.“

Eilige Bürgerversammlung

Das sieht auch Bezirksbürgermeister Andreas Hupke so: „Da kann man nur den Kopf schütteln. Das ist Preußen, eine bürgernahe Verwaltung geht sicherlich anders.“

Das Informationsdefizit soll auf Druck der Bürgergemeinschaft und der Politik nun behoben werden: Am Dienstag, 2. April, 18 bis 19.30 Uhr, lädt die Stadt in der Aula des Berufskollegs an der Lindenstraße zu einer Bürgerversammlung ein. Experten des Gesundheitsamts, des Umweltamtes und des Jugendamtes informieren über die Situation am Rathenauplatz und stehen für Fragen zur Verfügung.

Die Messergebnisse

Die Stadt teilte Freitag zu den Messergebnissen mit: „Die Detailuntersuchungen (Resorptionsuntersuchungen) haben ergeben, dass die Schadstoffkonzentrationen zwar über den Grenzwerten für Spielplätze, aber unter den Grenzwerten für Park- und Freizeitanlagen liegen. Bei oraler Aufnahme des belasteten Materials kann die menschliche Gesundheit beeinflusst werden.“

Vorsorglich werden deshalb die Spielplatzbereiche abgebaut, um die Kontaktmöglichkeit für Kleinkinder beim Spielen zu unterbinden.

Die betroffenen Bereiche werden laut Stadt saniert und komplett neu gestaltet. Die restliche Platzfläche steht Besuchern nach wie vor zur Verfügung.

Neue Spielplätze geplant

Die Platzfläche wurde vermutlich mit der Schlacke befüllt, bevor darüber die Spielplätze entstanden. Da zudem ein Großteil der Spielgeräte bereits in die Jahre gekommen ist, soll der Platz nicht nur saniert, sondern zeitgleich auch umgestaltet werden. Weiter kündigt die Stadt an: Für den Sommer ist eine Beteiligung für Kinder und Jugendliche geplant, um deren Wünsche und Bedürfnisse zu erfragen und die neue Planung passgenau gestalten zu können.

Der Rathenauplatz ist eine beliebte Park- und Freizeitanlage. Von der benachbarten Grundschule wird die Anlage für die „aktive Pause“ genutzt. Kindergärten, Krabbelgruppen und Pänz aus dem Veedel toben bei gutem Wetter dort immer herum.

Das empfiehlt die Stadt

Jetzt werden die beiden Spielplätze auf dem Rathenauplatz abgebaut. Das rät die Stadt: Familien, Kindern und Betreuungen von Kindergruppen können in dieser Zeit auf die Spielflächen auf dem Brüsseler Platz, im Inneren Grüngürtel auf den Hiroshima-Nagasaki-Park, am Paula-Kleinmann-Weg und der Schmalbeinstraße, sowie Waisenhausgasse und Rothgerberbach ausweichen. Alle genannten Plätze sind in den vergangenen zwei Jahren mit neuen Spielgeräten ausgestattet worden.

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Die Stadt hat die Spielgeräte am Rathenauplatz abgebaut.

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Grönert

Wie sicher sind die 700 Spielplätze in Köln?

Fast 700 Spiel- und Bolzplätze gibt es in Köln. Wie sicher sind sie?

„Nach derzeitigem Kenntnisstand sind die Belastungen an den beiden Spielplätzen am Rathenauplatz ein Sonderfall“, sagt Nicole Trum vom Presseamt. Dort seien nicht die Spielplätze das Problem, sondern die Platzfläche drumherum. Vermutlich vor Jahrzehnten wurde eine Splittart beim Aufbau des Platzes verwendet, die mit Schwermetallen belastet ist. Um die Möglichkeit auszuschließen, dass der belastete Splitt in die Nähe der spielenden Kinder gelangen könnte, hat das Gesundheitsamt die Schließung der Spielplätze empfohlen.

So wird kontrolliert

Generell gelten für öffentliche Spielplätze strenge Vorschriften. So wird kontrolliert:

In einer Sichtprüfung, die mindestens einmal wöchentlich, bei stark frequentierten Spielplätzen täglich stattfinden soll, wird der Spielplatz auf offensichtliche Unfallgefahren kontrolliert – etwa Glassplitter, abgerissene Teile, Fäkalien. Dies wird von geschulten Hausmeistern, Erziehern oder Spielplatz-Paten erledigt.

Bei der „operative Prüfung“, die im Abstand von spätestens drei Monaten erfolgt, wird die Funktionsfähigkeit der Geräte von Fachleuten kontrolliert.

Die Jahreshauptprüfung des Spielplatzes entspricht etwa der Hauptuntersuchung beim Auto. Hier sollen „sachkundige Prüfer“ auch versteckte Mängel aufdecken, indem Fundamente überprüft oder Rohrgestänge mittels Endoskop auf Korrosion untersucht werden.

„Bodenproben werden bei Spielplätzen bei der Abnahme genommen“, so die Stadtsprecherin. Und wenn Auffälligkeiten von Bürgern gemeldet werden – wie im Fall vom Rathenauplatz.

Infos und Beschwerde-Service zu Spielplätzen gibt's hier!