Unwetterwarnung in Köln DWD warnt vor starken Gewittern – auch Windböen und Platzregen im Anmarsch

Montag geht's wieder los Kölns Verkehrschaos: Top-Psychologe stellt krasse Diagnose

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Fußgänger, Radler, Autofahrer: EXPRESS nimmt das Verkehrschaos unter die Lupe. 

Köln – Dr. Don DeVol (67) ist Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Verkehrspsychologie. Der renommierte Experte warnt vor einer Verrohung im Kölner Straßenverkehr.


EXPRESS: Tobt auf unseren Straßen ein Krieg?
DeVol: Ich war neulich beim Deutschen Verkehrsgerichtstag. Ein Thema war Aggression im Straßenverkehr. Tatsächlich ist es so, dass gefühlt alles gedrängter, hektischer, aggressiver und egoistischer zugeht. Der Straßenverkehr ist ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Entwicklung: Respekt fehlt vor vielen Autoritäten, vom Bademeister über Busfahrer bis zu Rettungssanitätern und Schiedsrichtern, die verprügelt werden.

Köln: Hass in sozialen Netzwerken

Zeitgleich ist da der Hass in den sozialen Medien. Da ist klar, dass der Straßenverkehr keine Ausnahme ist. Warum sollte gerade hier eine Oase der Besinnlichkeit herrschen? Es gibt einfach generell eine Tendenz zur Rücksichtslosigkeit, um die eigenen Interessen durchzusetzen.

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Welche äußeren Faktoren beeinflussen diese Aggressivität?
Früher war es so: Die Straße gehört dem Auto, dem Kraftfahrzeug. Da gab es überhaupt keine Zweifel. Alle anderen Verkehrsteilnehmer mussten aufpassen und sich unterordnen. Heute bröckelt das Primat des Kraftfahrzeugs, weil nicht nur Radfahrer und Fußgänger zahlenmäßig stark zugenommen haben, sondern neben Motorrollern auch massenweise E-Bikes und E-Scooter unterwegs sind. Und dann noch Paketboten und Lebensmittellieferanten.

Köln: Harter Kampf um öffentlichen Raum

Alles das trägt dazu bei, dass der Verkehrsraum, der endlich ist, immer härter umkämpft ist und alle rücksichtloser werden. Das psychologisch Spannende ist, dass der Straßenverkehr wie das Internet Anonymität bietet. Und es auch deshalb leicht zu Konflikten kommt.

Wie meinen Sie das genau?
Wer im Auto sitzt, sieht die anderen Personen nicht. Insofern ist mein Verhalten, was ich zeige, gefühlt auch anonym. Ich bewege mich selbst als anonyme Person durch den Straßenverkehr. Und das befördert auch ein Stückchen die Wahrnehmung: Mich sieht keiner, mich kriegt keiner. Eigentlich kann ich machen, was ich will. Deshalb überholen die Leute rechts, drängeln sich vor oder beschimpfen die anderen.

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Dr. Don DeVol studierte an der Ruhr-Universität Bochum.

Zu Fuß würde man sich bestimmt zurückhalten. Wenn man sich am Supermarkt in der Schlange vordrängelt, dann sagt heute schon der eine oder andere: Hinten anstellen! Dann kommt sofort eine Kommunikation zustande. Aber dieser Kommunikation kann ich mich im Auto entziehen.

Was sagen Sie zu den Rasern, die kaum in den Griff zu kriegen sind?
Mit geleasten Autos mit 400, 500 PS und 170, 180 Sachen durch die Stadt zu rasen, zeigt eins: Das sind Männer, die hochwahrscheinlich ein Selbstwertproblem haben und das mit Raserei überkompensieren müssen. Interessant ist ja, dass nie eine Frau, eine Raserin gestoppt wird. Es ist eine Männersache.

Experte: Autorasen ist Männersache

Dabei wird ja auch viel diskutiert, ob die Raser überhaupt wahrnehmen, was sie da tun. Ich bin der festen Überzeugung, dass sie genau wissen, worauf sie sich einlassen. Natürlich will niemand vorsätzlich einen anderen Menschen umnieten. Aber dass das passieren kann, darüber ist sich jeder bewusst, der rast.

Sind Autofahrer denn immer die Bösen?
Nein, auch Radfahrer tragen ihren Teil zum Spannungsfeld mit bei. Viele fühlen sich moralisch überlegen, etwa: Wir sind die Grünen, die Ökos. Und der SUV-Fahrer ist der Klima-Zerstörer, der soll mal schön ruhig sein und aufpassen. Und mit diesem Bewusstsein kann man sich über Regeln hinwegsetzen. Auch das gibt es in Köln zuhauf. Es wird also immer deutlicher, dass wir gegenseitige Rücksichtnahme immer stärker einzufordern müssen. Nur so können wir ein angenehmeres Klima im Straßenbild schaffen.

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