Sie erlebte dramatische Umstände Kölner Pflegerin erhält besondere Auszeichnung

Pflegerin des Jahres Team

Die Kölner Pflegerin Sarah Hupperich (l.) mit ihrem Team in Sierra Leone.

Köln – Sie gehören aktuell zu den viel zitierten Helden und Heldinnen des Alltags und leisten eine enorm wichtige Arbeit in der Coronakrise: die Pfleger und Pflegerinnen Deutschlands. Der Kölner Intensiv-Krankenschwester Sarah Hupperich (27) wurde jetzt eine besondere Ehre zu teil. Die gebürtige Troisdorferin wurde als Deutschlands Pflegerin des Jahres ausgezeichnet.

Das aber nicht etwa wegen ihres Einsatzes auf der Lungenintensivstation des Krankenhauses Köln-Merheim, sondern wegen eines anderen Herzensprojekts.

Kölner Pflegerin in der humanitären Hilfe in Sierra Leone

Im August 2019 machte sich Sarah Hupperich mit der Hilfsorganisation Cap Anamur auf den Weg nach Sierra Leone, ein Land, das vom jahrelangen Bürgerkrieg und dem Ebolavirus gezeichnet ist. Hier arbeitete sie sechs Monate im einzigen Kinderkrankenhaus des Landes in der Hauptstadt Freetown. Da sie bereits viel Erfahrung mit künstlicher Beatmung mitgebracht habe, wurde sie auf der Intensiv-und Notfallstation eingesetzt.

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Krankenhaus Sierra Leone

Ein Blick in das Kinderkrankenhaus in Sierra Leone.

Auch wenn sie schon „immer mal in die humanitäre Hilfe wollte“, habe auch sie sich erst richtig vorstellen können, wie dramatisch die Lage teilweise sei, als sie vor Ort war. „Von der Hygiene bis zur Versorgung ist es natürlich komplett konträr, zum Beispiel zu Deutschland“, berichtet Hupperich gegenüber EXPRESS. Es gebe beispielsweise nur circa 180 Betten, obwohl meist über 300 Kinder stationär da seien, weswegen sich Kinder sogar oft Betten teilen müssten.

Kölner Pflegerin berichtet von dramatischen Umständen

„Es gibt zum Beispiel keine invasiven Maßnahmen wie Beatmung. Das heißt, Kinder sind dort teilweise eigentlich beatmungspflichtig, können aber nicht beatmet werden“, beschreibt sie die Situation. Auch wenn die Kinder mit Antibiotika und medikamentöser Therapie abgedeckt seien, käme man vor Ort ganz schnell an seine Grenzen. Gerade wegen der begrenzten Behandlungsmöglichkeiten sei die Letalität – also die Wahrscheinlichkeit, an einer Krankheit zu sterben – bei Malaria oder Atemwegsinfektionen sehr hoch.

Hupperich Station Sierra Leone

Sarah Hupperich (u.2.v.l) wollte schon immer in den humanitären Dienst.

„Die Ressourcen für die Beatmung der Kinder sind äußerst begrenzt. Täglich standen wir vor der schweren Entscheidung, welches Kind die größten Überlebenschancen hat, und eines der fünf Atemhilfen bekommen soll“, verdeutlicht Hupperich die gravierenden Umstände.

Kölner Pflegerin ist Deutschlands Pflegerin des Jahres

Für diesen bemerkenswerten Einsatz wurde die Kölner Pflegerin jetzt als Deutschlands Pflegerin des Jahres gekürt. Der von „Jobtour medical“ ins Leben gerufene Pflege-Award ist mit insgesamt 10.000 Euro dotiert und wurde zum insgesamt vierten Mal, wie jedes Jahr passend zum Internationalen Tag der Pflege am 12. Mai, vergeben.

Insgesamt 3.000 Pflegerinnen und Pfleger sollen dieses Jahr von Angehörigen, Patienten und Kollegen vorgeschlagen worden sein. Die Fachjury entschied sich dieses Jahr, den beeindruckenden Einsatz von Sarah Hupperich auszuzeichnen.

Sarah_Hupperich_Preis (1)

Die Kölner Pflegerin Sarah Hupperich wurde als Deutschlands Pflegerin des Jahres ausgezeichnet.

Hupperich wurde von der ebenfalls in Sierra Leone tätigen Krankenschwester Maren Jesske nominiert, mit der sie aktuell schon über eine Idee philosophiert, die Prämie von 5.000 Euro sinnvoll in das Projekt in Sierra Leone zu investieren. „Wir überlegen derzeit noch, wie die Spende etwas wachsen kann, um das Krankenhaus auch langfristig unterstützen zu können“, erklärt Hupperich das Vorhaben.

„Die größte Belastung ist das Leid der Eltern mit anzusehen, wenn sie ihr Kind verlieren“, erklärt Maren Jesske und sagt weiter: „Da die Eltern bei längeren Krankenhaus-Aufenthalten oftmals nicht in der Lage sind, für Essen und Windeln aufzukommen, hat Sarah häufig die Eltern unterstützt.“

Ob sie so einen Einsatz nochmal machen würde? „Auf jeden Fall!“, entgegnet die gebürtige Troisdorferin überzeugt.

Coronakrise sei nur schwer zu vergleichen

Anfang des Jahres kehrte Hupperich nach Deutschland zurück und begann kurze Zeit später ihren Dienst im Krankenhaus Köln-Merheim. Hier erlebte sie als Intensiv-Krankenschwester auf der Lungenintensivstation nun eine auch für sie neue Krise: die Coronakrise. Diese könne man jedoch nicht mit dem Leid in Sierra Leone vergleichen.

„Wer die Bedingungen in Sierra Leone gesehen hat, weiß umso mehr die hohen medizinischen Standards in Deutschland und die Qualität unseres Gesundheitssystems zu schätzen“, erläutert sie ihre Aussage. 

Auch wenn die ganze Isolation das Arbeiten nochmal anstrengender gemacht habe, halte es sich im Großen und Ganzen jetzt im Rahmen. Gerade die Rekrutierung von viel Personal von Zeitarbeitsfirmen und vom Kinderkrankenhaus habe enorm geholfen.

Pflegerin über Wertschätzung: „Worte sind das eine ...“

Mirjam Rienth, Inhaberin von Jobtour medical, hofft, „dass es auch in der Zeit nach der Coronavirus-Pandemie im Bewusstsein der Politik und Gesellschaft verankert bleibt, wie existenziell wichtig die Arbeit der Pflege ist.“ Es müsse immer wieder laut gesagt werden, dass „in der Pflege viele Tausend hervorragend qualifizierte, hoch motivierte und empathische Menschen tagtäglich einen gesellschaftlich unverzichtbaren Beitrag leisten.“

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Auch Sarah Hupperich sieht, dass es aktuell viel Wertschätzung für ihren Beruf von der Politik und der Bevölkerung gebe, sich aber erst in ein paar Monaten zeigen werde, was davon hängen bleibt. „Es ist schön, wenn man das mit Worten schätzt, aber die Umsetzung ist das andere. Dann sollte man auch mal wirklich zeigen: Danke dafür.“ (cho) 

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