„Wut, Enttäuschung“ Kölner Pfarrei: Volle Breitseite gegen Erzbischof Woelki

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Die Pfarrkirche Sankt Severin in der Kölner Südstadt

Köln – Die Diskussion um Erzbischof Rainer Maria Woelki nimmt nicht ab. Im Gegenteil. Auch aus der Südstadt-GemeindeSt. Severingibt es energischen Protest.

  • Kölner Pfarrer: Offener Brief gegen Kardinal Woelki
  • Die Geistlichen beklagen die Zustände im Erzbistum
  • Verfasser erklären, das Vertrauen verloren zu haben

Worum es seit Wochen  geht: Weder Woelki selbst noch sein Vorgänger, Kardinal Joachim Meisner, hätten versucht, den Vorwurf der Vergewaltigung eines Kindergartenkinds in den 1970er Jahren aufzuklären, die das Opfer 2010 angezeigt hatte.

Mit einem echten Brandbrief zur Sache melden sich nun Pfarrer Quirl und seine Mitarbeiter zu Wort. Diesen hat St. Severin im Netz ab Montag (18. Januar) zum Download bereitgestellt.

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Bekannter Turm: Die Pfarrkirche Sankt Severin in der Kölner Südstadt

Er beginnt wie folgt: „Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben“, heißt es in der Apostelgeschichte (Apg 4,20). Seit vielen Wochen sind zwei Themen im gesamten Erzbistum Köln und auch in unserem Veedel ständig präsent: der hilflose und skandalöse Umgang mit den Opfern sexualisierter Gewalt durch katholische Geistliche sowie der sogenannte „Pastorale Zukunftsweg“. (...)

Über der gesamten Kirche von Köln liege eine bleierne Schwere, verstärkt durch die ohnehin schwierige Situation aufgrund der Corona-Pandemie: „Uns begegnen täglich vielfältige Kritik und mehr noch Unverständnis, Wut, Enttäuschung, Trauer, Verärgerung sowie Resignation.“

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Rainer Maria Kardinal Woelki, hier bei der Deutschen Bischofskonferenz 2020, sieht sich heftigen Vorwürfen ausgesetzt. 

Fast schon resignativ fragen die Verfasser: „Lohnt sich ein seel-sorgliches, caritatives, ehrenamtliches Engagement in dieser Kirche überhaupt noch? Ist es sinnvoll und vertretbar, wenn unser Bemühen durch die Vorgänge im Bistum konterkariert wird und so an Glaubwürdigkeit verliert?“

Kölner Kirche St. Severin: Vertrauen in moralische Instanz verloren

Und weiter: „Die Menschen wenden sich trotz unserer engagierten Arbeit vor Ort in Scharen ab. Dafür können wir nur verzweifeltes Verständnis aufbringen. Auch wir haben Vertrauen in unsere Kirchenleitung als moralische Instanz verloren und distanzieren uns von allen Versuchen, keine Verantwortung für Notwendendes Handeln zu übernehmen.“

Rumms! Was für deutliche Worte.

Die Kernbotschaft gegen Ende: „Wir missbilligen aufs Schärfste die Art und Weise, wie man an entscheidenden Stellen des Erzbistums Köln bis heute immer wieder mit Opfern von institutioneller Macht und sexualisierter Gewalt durch Kleriker umgeht und die Interessen der Kirche als Institution über die der Menschen stellt.“

Ob der Brief Konsequenzen haben wird? Für den Dormagener Pfarrer Koltermann jedenfalls droht die Woelki-Kritik Folgen zu haben ...

EXPRESS hakte bei Pfarrer Johannes Quirl selbst nach. Ihm sei es wichtig, dass es sich bei dem Brief nicht um einen Alleingang handle. Es sei eine gemeinsame Aktion der drei Leitungsgremien Pfarrgemeinderat, Seelsorgeteam und Kirchenvorstand.

Brandbrief an Woelki: Pfarrer erklärt EXPRESS die Hintergründe

Der Geistliche freut sich über das immense Echo: „Die Reaktionen sind überwältigend. Es ist so, wie wenn man einen Stein ins Wasser wirft – die Wellen sind bis in die Schweiz und an die deutsch-dänische Grenze geschwappt. Ich kann im Augenblick nur schätzen. Aber die Rückmeldungen gehen so langsam an die 100.“

Quirl weiter: „Sie zeigen, dass Menschen sich Zeit nehmen, sich hinsetzen und uns länger an ihren Gedanken teilhaben lassen. Wir scheinen zur richtigen Zeit den richtigen Ton getroffen zu haben. Und die Reaktionen sind durch die Bank positiv, lobend und ermutigend.“

Doch was genau war der Anlass, sich zum Schritt der Veröffentlichung zu entschließen?

Quirl: „Uns geht es darum, verloren gegangenes Vertrauen wiederzugewinnen, klar und authentisch zu sein und Menschen Beheimatung zu schaffen.“

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