16 Jahre nach Anschlag Streit um NSU-Mahnmal in Köln-Mülheim gelöst

Denkmal Keupstraße

So soll das Mahnmal zum Gedenken an die Opfer des NSU-Nagelbombenanschlags in der Keupstraße aussehen

Köln – Wichtige Entscheidung in Köln-Mülheim: Der Streit um das geplante Mahnmal für die Opfer der NSU-Anschläge in Köln scheint gelöst. Der neue Eigentümer des Areals hat der Stadt zugesagt, das Mahnmal an der geplanten Stelle zu platzieren.

In den vergangen Jahren waren die Errichtung der Gedenkstätte in immer weitere Ferne gerückt, da sich Stadt und Investoren nicht einig werden konnten. Jetzt wurde offenbar eine Lösung gefunden.

Es ist eine Entwicklung auf die viele in Köln gewartet haben. Etliche Fehler und Missverständnisse verhinderten das auch 16 Jahre nach dem rechtsextremen Anschlag ein Mahnmal errichtet werden kann. Doch jetzt die Wendung.

Investor und Stadt einigen sich auf Standort für Mahnmal für NSU-Opfer

Oberbürgermeisterin Henriette Reker veröffentliche am Samstag (5. Dezember) eine Mitteilung in der es heißt: „Ich bin sehr froh darüber, dass es nun endlich zur Realisierung des Mahnmals nach den Entwürfen von Prof. Ulf Aminde kommen kann. Es ist mir überaus wichtig, hier das notwendige Zeichen zu setzen, auf das die Opfer der abscheulichen NSU-Terrorakte und deren Familien nun schon so lange warten. Der Standort ist genau da, wo er immer geplant war.“

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Künstler Ulf Aminde zeigt, wie es funktioniert: Vor Ort sieht man „real“ nur die 24 x 6 Meter große Betonplatte im Boden. Über eine App sieht man sie dann Filme und Fotos von Anwohnern, Schulkassen und anderen über Rassismus und den Anschlag in der Keupstraße.

Ursprünglich war das Mahnmal an der Ecke Keupstraße und Schanzenstraße mit Blick auf den Anschlagsort – einem Friseursalon – geplant. Dort soll es jetzt realisiert werden.

Mahnmal für NSU-Opfer in Köln soll in Mülheim platziert werden

Dem Bauaufsichtsamt liegt nun für das Grundstück eine Bauvoranfrage des neuen Eigentümers, der „gentes Gruppe“, vor. Für die Errichtung des geplanten Mahnmals zur Erinnerung an die Opfer der NSU-Anschläge in der Keupstraße und der Probsteigasse ist das ein bedeutsamer Meilenstein, heißt es in einer Mitteilung der Stadt.

Stadt Köln und Investor vereinbaren Standort für Mahnmal für NSU-Opfer

Die Bereitstellung der benötigten Grundstücksfläche für die Errichtung des Mahnmals ist eine feste Vereinbarung zwischen der Stadt Köln und der "gentes Gruppe". Damit ist man der Realisierung des Mahnmals einen großen Schritt nähergekommen, heißt in einer Mitteilung der Stadt.

Zuvor hatten sich schon Hinweise verdichtet, dass der ehemalige Eigentümer das Grundstück an der Ecke Keupstraße verkaufen will. Mehrere Initiativen, darunter die Initiativen „Keupstraße ist überall“ und „Ein Platz für alle“ hatten sich seit Jahren für die Errichtung des Mahnmal eingesetzt.

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Die Kölner Keupstraße nach dem Nagelbomben-Attentat des NSU am 9. Juni 2004.

Da ist die Freude jetzt groß. Kutlu Yurtseven, Sprecher der Initiative „Ein Platz für alle“ sagte dem EXPRESS: „Wir begrüßen, dass das Mahnmal jetzt an den Platz, für den sich viele eingesetzt hatten, hinkommen soll. Bei der weiteren Planung müssen aber die Anwohner, Opfer und Betroffenen mit einbezogen werden.“

Neubau in Köln-Mülheim: Neue Wohnungen und Gewerbe an der Keupstraße

Die neue Bebauung sieht vor, das Quartier mit bis zu 80 Prozent Wohnnutzung, davon 30 Prozent im öffentlich geförderten Wohnungsbau, sowie mit bis zu 20 Prozent gewerblicher Nutzung, wie beispielsweise Handel, Büro, Gewerbe, zu entwickeln. Dabei entspricht das aktuell vorliegende Konzept der Eigentümerin laut Stadt den städtischen Zielsetzungen für diese Fläche.

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Der Entwurf  zeigt den Platz Keupstraße, Ecke Schanzenstraße, auf dem das Denkmal zukünftig stehen könnte. 

Der Entwurf sieht vor, in denselben Ausmaßen der Bodenplatte des Gebäudes Keupstraße 29, wo der Anschlag 2004 stattgefunden hatte, eine Fläche auf dem Neubauareal an der vorzusehen. Die dort entstehende Bodenplatte soll dann eingebettet werden in einen Platz, der Raum für Begegnungen bieten soll. Das begrüßen auch die Initiativen, die sich für die Errichtung des Mahnmals eingesetzt hatten.

Bei dem Nagelbombenanschlag des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) auf der Keupstraße am 9. Juni 2004 wurden 22 Personen verletzt. Der NSU hatte auch am 19. Januar 2001 einen Sprengstoffanschlag in einem Geschäft an der Probsteigasse verübt, bei dem die Tochter des deutsch-iranischen Inhabers verletzt worden war.

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