WDR-Eklat Riesen-Ärger um Karnevalssendung: Kölner Sender mit drastischem Schritt

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Der WDR erntet Kritik für Blackfacing in Karnevalssendung. Unser Foto zeigt das Sender-Gebäude in Köln.

Köln – Erneute Rassismus-Kritik am WDR! Am Samstagabend (23.15 Uhr) strahlte der Sender ein Karnevalsspecial aus. Titel: „Jet zo fiere! Das Beste aus der Verleihung des Ordens 'Wider den tierischen Ernst'“. Darin sind zwei weiße Personen zu sehen, deren Gesichter und Körper schwarz angemalt wurden. Auf Twitter hagelt es Kritik – die Rede ist von einem neuen Fall von Blackfacing. Jetzt reagiert der WDR.

  • WDR zeigt Blackfacing-Szene in Karnevalssendung
  • Twitter-User beschweren sich
  • Der Sender reagiert mit Hinweis und entschuldigt sich

Der Ausschnitt stammt aus einer Übertragung von 2010, in der Désirée Nick die Büttenrede hielt. Dabei ist Nick als ägyptische Pharaonin verkleidet. Begleitet wird sie von drei Personen: einer Frau mit übergroßem Palmenblatt und zwei schwarz angemalten Männern. Rund vier Minuten dauert die Szene.

Twitter-User beschweren sich über Blackfacing in Karnevalssendung

Die Folge: Mehrere Twitter-Nutzer beschwerten sich. So heißt es beispielsweise: „Hey WDR, ihr wollt halt auch einfach nichts lernen oder? Rassistische Sprache diskutieren und jetzt Blackfacing ausstrahlen? Und jetzt kommt mir nicht mit Wiederholung und Entschuldigungen!“

Erst kürzlich stand der WDR in der Kritik und handelte sich mit der Wiederholung „Die letzte Instanz“ Ärger ein. Zwar hatte sich der Sender danach entschuldigt, doch nun der nächste Fauxpas.

Am Montag (15. Februar) hat der WDR nun reagiert und zwar gleich in doppelter Hinsicht: In der Mediathek ist während der umstrittenen Passage nun eine Hinweistafel zu sehen, die die Bilder überdeckt.

Karnevalssendung: WDR entschuldigt sich für Blackfacing

Auf der Tafel steht: „In diesem Video ist ein Ausschnitt aus 2010 enthalten, den wir entfernt haben. Er zeigt Personen mit 'Blackfacing' auf der Bühne. Blackfacing wird mittlerweile im Karneval zurecht kritisiert und verpönt. Die Szene hätte nicht in den Zusammenschnitt aufgenommen werden dürfen.“

Auch auf die erneute Kritik in den sozialen Netzwerken reagierte der Sender und entschuldigte sich bei Twitter: „So etwas darf uns nicht passieren – erst recht nicht nach den Diskussionen der vergangenen Wochen. Und es zeigt: Wir haben hier noch viel zu tun.“

Blackfacing: Désirée Nick über die WDR-Szene

Derweil hat sich Désirée Nick gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) zu der Szene von 2010 geäußert: „Der Auftritt wurde vom WDR konzipiert, ich kannte die beiden Jungs nicht, die da plötzlich auf der Bühne standen. Der WDR hat sich das ausgedacht, auch den Text, und war weisungsbefugt.“

Dabei geht es in der Büttenrede gar nicht um Ägypten. Vielmehr rechnet Nick mit den damals in Berlin aktiven Politikern ab. So werden Philipp Rösler (Gesundheitsminister von 2009 bis 2011) oder Karl-Theodor zu Guttenberg (Verteidigungsminister von 2009 bis 2011) auf die Schippe genommen.

Was bedeutet Blackfacing?

Von Blackfacing spricht man, wenn sich weiße Menschen schminken, um schwarze Menschen stereotyp darzustellen und die Hautfarbe zu einer Verkleidung degradieren. Brownfacing wäre ein entsprechendes Wort, wenn es um Inder geht, Yellowfacing, wenn es um Menschen aus China, Thailand oder anderen Ländern Asiens geht.

Blackfacing ist insbesondere in den USA umstritten, weil dort lange Zeit ein Bühnenverbot für schwarze Menschen herrschte und Weiße an der systematischen Unterdrückung auch in der Kunst Geld verdienten. (mt, tw)

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