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Schöne Kölner Sterneköchin Julia Komp: So veränderte Corona die Vorlieben der Kölner

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Die Kölner Sterneköchin Julia Komp

Köln – An diesem Montag (22. März) hätte es die große Party sein können! Dann hätte die Kölner Spitzenköchin Julia Komp (32) den ersten Geburtstag ihres Herzensprojektes feiern können, ihres Restaurants „Lokschuppen“ an der Mülheimer Hafenstraße 7. Doch die Eröffnung am 22. März 2020 wurde abgesagt, alles andere verschoben – Corona! Julia, die mit 27 Deutschlands jüngste Sterneköchin geworden war, musste nach neuen Wegen suchen, um wirtschaftlich zu bestehen. Jetzt bietet sie ihre Menüs „to go“ an, verkauft nebenan im „Anker7“ Snacks und hofft auf eine Zeit mit eingedampften Corona-Vorschriften. Im EXPRESS zieht sie ihre Ein-Jahr-Corona-Bilanz.

  • Kölner Sterneköchin Julia Komp im EXPRESS-Interview
  • Sie leitet das Restaurant „Lokschuppen“ in Mülheim
  • So erlebte sie die Corona-Krise als Gastronomin

EXPRESS: Was bleibt in Erinnerung an das erste Corona-Jahr?

Julia Komp: Dass es ein Jahr der Torturen war. Ich war ja bis Februar noch auf Weltreise und wollte dann am 22. März eröffnen. Das Opening war schon geplant, alles war geregelt und perfekt – und dann habe ich eine Woche vorher alles absagen müssen.

Es folgte ein Auf und Ab in der Politik, keiner wusste, wie es weitergeht...

...und mit jedem Lockdown wurde es schlimmer. Dann, im Dezember, ein Monat, in dem die Restaurants normalerweise pickepacke voll sind, tat es besonders weh, dass keine Gäste da waren. Wir konnten uns nur mit dem To-Go-Geschäft und den Snacks über Wasser halten. Ich war total frustriert, schließlich ist Köchin zu sein für mich nicht nur Beruf, sondern Berufung – ich war wirklich traurig, dass ich das nicht richtig ausleben durfte.

Wie haben Sie sich in dieser Zeit motiviert?

Wir sind trotzdem kreativ geblieben. Ich habe mich auch anderen Projekten gewidmet, wie zum Beispiel meinem eigenen Bio-Olivenöl „Kenzolie“. Und als dann das Wetter an einigen Wochenenden wieder besser wurde und man schon den Frühling ahnen konnte, hat das meine Stimmung aufgehellt.

Es gab viele Aufrufe, die Gastronomie zu unterstützen. Haben Sie gemerkt, dass die Kölner denen gefolgt sind?

Das hat geholfen! Wir haben uns nie allein gelassen gefühlt. Es gibt sogar Gäste, die sich drei bis vier Mal pro Woche was zu essen holen, auch um uns zu unterstützen. Das hat uns gutgetan. Danke, liebe Kölner. Auf Euch ist Verlass.

Glücklicherweise gab es 2020 auch Wochen, in denen der Betrieb fast wie gewünscht lief, und Sie verkaufen auch jetzt „außer Haus“. Haben Sie festgestellt, dass sich in der Corona-Zeit die Essens-Gewohnheiten der Kölner geändert haben?

Ja. Ich merke, dass mehr Wert auf die Herkunft der Zutaten gelegt wird. Weil vieles nicht verfügbar war, ist den Gästen bewusst geworden, wie viel davon aus China oder sonst woher kommt. Und seit Corona achten viel mehr Leute auf Regionalität und Nachhaltigkeit. Produkte vom Hof um die Ecke gewinnen an Relevanz.

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Die Kölner Sterneköchin Julia Komp im Gespräch mit EXPRESS-Reporter Horst Stellmacher. Das Foto wurde am 29. November 2020 aufgenommen.

„Lokschuppen“ ist Ihr erstes eigenes Restaurant. Unabhängig von Corona - glauben Sie, dass Köln die richtige Wahl ist?

Definitiv. Es gibt in der Stadt wunderbare Restaurants, die in normalen Zeiten gut besucht sind. Und es kommen immer neue coole und frische Konzepte auf gehobenem Niveau dazu. Das zeigt, dass die Kölner interessiert sind und Freude an guter Küche haben. Ihnen ist gutes Essen sehr wichtig.

Ehe Sie im „Lokschuppen“ landeten, waren Sie ein Jahr auf Weltreise. Haben Sie in diesem Urlaub Kraft für Ihren Köln-Start gesammelt?

Urlaub kann man das nicht nennen. Ich bin von einem Restaurant zum nächsten gereist, habe überall oft bis zu 14 Stunden täglich gearbeitet, und dann ging‘s gleich weiter in die nächste Stadt. An einem Tag war ich zum Beispiel in einem 3-Sterne Restaurant in Tokio, und nächste Station war dann eine Nudelbude in Vietnam. Ich wollte die Techniken von 2- und 3-Sterne-Restaurants und die traditionelle Küche des jeweiligen Landes kennenlernen.

Schmeckt Ihr Essen heute anders als vor der Reise?

Auf jeden Fall. Unser Menü im „Lokschuppen“, auch das, was wir außer Haus verkaufen, ist immer eine Weltreise. Ich habe diese Reise ja nicht gemacht, um danach regional zu kochen. Natürlich kaufen wir das, was es im Rheinland gibt. Doch darüber hinaus beziehe ich gern Lebensmittel von Herstellern, die ich auf meiner Weltreise kennengelernt habe – allerdings weiß ich immer, wo sie herkommen.

Julia Komp: Lokschuppen in Köln-Mülheim

Ist es Ihr Ziel, einen Stern im Lokschuppen zu erkochen?

Unbedingt. So eine Auszeichnung ist pure Motivation und Belohnung für die harte Arbeit. Um das zu erreichen, müssen wir aber endlich richtig durchstarten können. In den letzten Monaten hat sich das Team geformt, und jetzt warten wir nur noch darauf, Gas zu geben.

Wie sind Sie als Gast? Gehen Sie auch mal „um die Ecke“ essen?

Natürlich, auch aus diesem Grund hoffe ich, dass es endlich bald wieder losgeht. Ich bin Grill-Fan, esse mega-gern Gyros oder Cevapcici, und wenn es schnell gehen muss, erlaube ich mir auch mal einen Döner. Allerdings würde ich gern mal wieder das eine oder andere Sterne-Restaurant meiner Kollegen besuchen.

In vielen TV-Shows sieht es aus, als ginge es in den Küchen leicht und locker zu. Ist das so?

Viele, die den Beruf ergreifen wollen, denken, es sei wie im Fernsehen. Aber wenn sie dann täglich mehr als acht Stunden arbeiten und anschließend noch das Kühlhaus säubern müssen, merken sie, dass es doch anders ist. Zum Job in der Küche gehören viele Stunden Konzentration, Stress und harte körperliche Arbeit. Deswegen ist ein sportlicher Ausgleich super wichtig – ich gehe zum Beispiel gerne joggen.

Sind in Ihrem „Lokschuppen“ wirklich mal Lokomotiven gewartet geworden?

Natürlich. Er steht auf einem Fabrikgelände in Mülheim, auf dem früher die Ware vom Hafen auf die betriebseigene Eisenbahn verladen wurde. Die Atmosphäre ist ganz besonders: direkt am Hafen und an einer belebten Wiese. Und dazu ein toller Blick von der Terrasse auf den Dom. Als ich zum ersten Mal hier war, habe ich mich sofort darin verliebt. Von da wollte ich nie mehr weg!

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