Kölner ,,Anpfiff"-Ikone TV-Star Ulli Potofski: Warum ich bald Schluss mache

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Ulli Potofski wie man ihn kennt - immer am Ball.

Köln – Er ist ein Gesicht der Bundesliga. ,,Anpfiff"-Ikone Ulli Potofski begleitet seit mehr als drei Jahrzehnten das Fussball-Geschäft.

Eine lange Zeit. Im EXPRESS-Interview kündigt der beliebte Moderator seinen Abschied an und gibt nachdenkliche Einblicke in die sich verändernde Branche.

Wie haben Sie den Wandel des Fussballgeschäfts in drei Jahrzehnten grob gesagt erlebt?

Potofski: Eine spannende Zeit. Alles ist noch professioneller, aber auch teurer geworden. Fußball ist sehr gutes Entertainment im Sportbereich geworden. Neue Stadien und die ungeheure Aufrüstung im TV-Bereich haben dazu geführt.

Was bereitet Ihnen Sorge? Die Gewalt? Die Gier der Vereine?

Manchmal nehmen wir Fußball einfach viel zu ernst. Gruppen, die Gewalt in die Stadien bringen sind so überflüssig wie ein Kropf. Allerdings fühle ich mich im Stadion immer noch sicher.

Die Vereine möchte ich nicht als gierig bezeichnen – die müssen den Betrieb ja aufrecht erhalten. Manchmal wirken eher Berater und Spieler gierig. Aber der Markt scheint es ja her zu geben...

Wie finden Sie als Schalker das Verhalten von Herrn Tönnies?

Traurig, dass einem solchen Mann derartiges passiert. Die Formulierungen waren mehr als unglücklich. Ich glaube aber, dass er absolut kein Rassist ist  – und fordern wir nicht alle für uns eine zweite Chance im Leben? Er kann mit seinem Geld noch viel Gutes bewirken.

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Das waren noch Zeiten: Auch Tennis-Fans ist Ulli Potofski ein Begriff, hier 1997 in Wimbledon für RTL.

Wie ist der Umgang mit Spielern und Funktionären heute im Vergleich zu früher, als es ja noch keine sozialen Medien oder eigene Klub-Homepages und TVs gab? 

Es ist alles etwas aufgeregter geworden. Schneller, vorsichtiger, nur nichts Falsches sagen. Die Reaktionen können gewaltig ausfallen. Unter den Kollegen ist das Verhältnis sicher immer noch gut – wobei auch der Kampf um die Mikrofone und eine gewisse Präsenz vor der Kamera härter geworden ist.

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Potofski ist stolz auf seinen neuen Podcast.

Sind Sie langsam aber sicher „amtsmüde“?

Amtsmüde ist sicher das falsche Wort. Ich liebe meine Arbeit bei Sky unverändert sehr - aber in zwei Jahren werde ich Schluss machen – man muss einfach für junge Menschen die Arbeitsplätze irgendwann auch frei geben. Wenn ich hier und da noch einige „Weisheiten“ über den Beruf weiter geben kann – würde mich das aber freuen.

Warum machen Ihnen andere Projekte, wie etwa Kinderbücher schreiben, mehr Spaß?

Na, sagen wir mal gleich viel Spaß! Aber meine Vorlesungen bei den Kindern dieser Welt sind etwas ganz anderes, als im Fernsehen zu arbeiten. Da kommt mir tatsächlich manchmal „echte Liebe“ entgegen. Die Kinder haben ungeheuer viel Spaß dabei und sehr egoistisch betrachtet: Ich auch – und diese Tätigkeit kann ich bis an mein Lebensende machen. Fantasie stirbt nie!

Aber: Ich starte jetzt bald auch etwas sehr modernes. Mein Podcast „Herz, Seele, Ball“ wird sich sehr von herkömmlichen Podcasts unterscheiden, und ich bin gespannt, wie die Szene es aufnehmen wird. Ich glaube unverändert an die Menschlichkeit – auch oder gerade im Profifußball – weil viele eigentlich auch eine Vorbildfunktion einnehmen könnten.

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