30 Mitarbeiter entlassen Kölner Fall zeigt, wer die größten Corona-Verlierer sind

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Eine Servicekraft zapft ein Bier. Minijobber gibt es besonders häufig in der Gastronomie. Das Symbolfoto wurde 2013 in Kiel aufgenommen.

Köln – In Köln verdienen sich 103.839 Menschen als Minijobber etwas dazu (Stand 31. März 2020). Die Corona-Krise hat diese Gruppe hart getroffen. Geringfügig Beschäftigte waren die Ersten, die von Betrieben wegen der Corona-bedingten Schließungen entlassen worden sind. So wie bei der Kölner Strandbar „Playa in Cologne“ in Müngersdorf. Dort wurden auf einen Schlag 30 Aushilfen nach Hause geschickt.

Der Fall aus Müngersdorf zeigt exemplarisch, in welches Dilemma die Corona-Krise sowohl Minijobber als auch deren Arbeitgeber gebracht hat. Auf der einen Seite ist etwa die Kölner VWL-Studentin Michelle S. (22), die seit fünf Jahren dort arbeitete und, wie ihre Kollegen, jetzt ohne Einkommen dasteht. Da für Minijobber keine Abgaben für die Arbeitslosenversicherung abgeführt werden, können sie nur Hartz-IV als Absicherung beantragen.

„Playa in Cologne“: Kölner Aushilfen per WhatsApp gekündigt

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Der Betrieb hat sich mit einer Nachricht in einer Whatsapp-Gruppe, in der die Aushilfen organisiert waren, bedankt und ihnen mitgeteilt, dass sie nicht weiter beschäftigt werden können.

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Mit dieser Nachricht in der Whatsgruppe von „Playa in Cologne“ wurde den Aushilfen mitgeteilt, dass sie nicht mehr beschäftigt werden.

„Leider kam vom Playa-Führungspersonal nie eine Information, wann wir wieder arbeiten können. Nach einer Weile stellte sich heraus, dass die Playa neues Personal anstellt und das alte Personal nur auf Anfrage und mit billigen Ausreden abspeiste. Wir finden, ein solcher Umgang mit seinem Personal, gerade in so einer schwierigen Zeit, ist wirklich eine absolute Frechheit“, so die frustrierte Studentin.

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Die „Playa in Cologne“ in Köln-Müngersdorf ist bei Beachvolleyballern beliebt. Die Anlage hat auch einen Biergarten. Das Foto wurde im Juni 2015 aufgenommen.

Auf der anderen Seite steht der Playa-Geschäftsführer Lars Meyer: „Tatsächlich haben wir dieser Gruppe eine Nachricht geschrieben, als wir aufgrund von Corona den Betrieb für fast zwei Monate komplett schließen mussten. Es ist ein normaler Vorgang für einen Betrieb, der in einer solchen Zeit mit der Existenz ringen muss, nicht fest angestellte Mitarbeiter, also freie Aushilfen, nun vorerst nicht weiter zu beschäftigen. Dafür sichern wir auch die Jobs unserer festen Mitarbeiter.“

Kölner Playa: Umsatz soll sich halbiert haben

Der Playa-Chef weiter: „Aus betriebswirtschaftlicher Sicht haben wir das einzig Mögliche getan, unseren Betrieb durch diese Krise zu führen. Die Playa in Cologne wird durch die Krise dieses Jahr laut Plan nicht einmal die Hälfte des Umsatzes aus den Vorjahren erreichen. Die ehemaligen Aushilfen, die sich bei Ihnen gemeldet haben, scheinen für diesen Fall und für diese Krise kein Verständnis zu haben.“

In NRW gibt es über 1,5 Millionen Minijobber

Diese Entwicklung hat es aber nicht nur bei der „Playa“ gegeben. Bundesweit gibt es 6.378.538 Minijobber, in NRW sind es 1.506.787 (Stand: 31. März 2020). Diese Zahlen erhebt die Minijobzentrale mit Sitz in Essen, die bei der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See angesiedelt ist.

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Dr. Wolfgang Buschfort, Sprecher der Minijobzentrale

Sprecher Dr. Wolfgang Buschfort sagt: „Ein Großteil der Minijobber sind Rentner, Berufstätige und Studenten, die sich etwas dazuverdienen wollen. Es gibt sehr viele Menschen, die auf ihren Minijob angewiesen sind. Nur von einem Minijob kann kaum jemand seinen Lebensunterhalt finanzieren.“

Die Zahlen seit der Corona-Krise hat die Minijobzentrale noch nicht veröffentlicht. Dr. Buschforts Prognose: „Die Zahl der Minijobber ist seit der Corona-Krise deutlich gesunken.“

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