Kölner Zwangsräumung Stadt äußert sich zu Gründen – „wiederkehrende Polizeieinsätze“

Die Kölnerin Jacqueline Winands und ihre fünf Kinder sind seit Dienstagmorgen obdachlos. Die Familie wurde aus ihrer Wohnung in Gremberghoven zwangsgeräumt. Die Stadt äußerte sich zu den Gründen.

Emotionale Momente am Dienstagmorgen (17. Januar 2023) im Kölner Stadtteil Gremberghoven. Jacqueline Winands (34) und ihre fünf Kinder sind nach zweieinhalb Jahren aus ihrer Wohnung zwangsgeräumt worden. Die Familie ist in einer Notunterkunft untergekommen. Eine Lösung könnte jetzt schneller kommen, als sie gedacht haben.

Unter Tränen hat die Kölnerin Jacqueline Winands ihre Wohnung verlassen. Ein Gerichtsvollzieher hat am Dienstagmorgen die Zwangsräumung durchgeführt.

Köln: Familie aus Gremberghoven zwangsgeräumt

Aktivistinnen und Aktivisten des Vereins „Sozialistische Selbsthilfe Mülheim“ (SSM) und der Initiative „Recht auf Stadt Köln“ haben während der Räumung dagegen friedlich, aber lautstark protestiert. Die Polizei war vor Ort, musste aber nicht eingreifen.

Nach der Räumung zogen Jacqueline Winands und ihre Unterstützerinnen und Unterstützer zum Historischen Rathaus. Dort wollten sie Oberbürgermeisterin Henriette Reker sprechen. Doch die OB kam nicht. Dafür aber Sozialdezernent Harald Rau. Er sagte, dass er sich den Beschluss des Verwaltungsgerichts ansehen werde und hat der Familie eine neue Wohnung (41 Quadratmeter) auf der Schäl Sick in Aussicht gestellt.

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Rau stellte auch noch mal klar, dass die Stadt erreicht hatte, den ersten Räumungstermin im Jahr 2022 nach Verhandlungen mit der Vermieter „Vonovia“ zu verschieben. Rau berichtete zudem, dass Vermieter von Belegrechtswohnungen nicht bereit gewesen seien, ihre Wohnungen der Familie anzuvertrauen. 

Ein Interview mit Jacqueline Winands finden Sie oben im Video.

Vor dem Rathaus kritisierte Jacqueline Winands das Vorgehen der Stadt als „menschenunwürdig“ und die mangelhafte Kommunikation zwischen Jugendamt, Wohnungsamt und Jobcenter. „Erst im Nachhinein, wenn die Kinder schon auf der Straße sind, wird das jetzt alles gemacht“, ärgert sie sich.

Eine Menschentraube steht um einen Mann herum.

Sozialdezernent Harald Rau sprach am Dienstag (17. Januar) im Beisein von Medienvertreterinnen und -vertretern mit der zwangsgeräumten Kölner Familie.  

Kritik hatte es auch vom Kölner Verwaltungsgericht mit Blick auf die Praxis der Stadt Köln zur Unterbringung von Obdachlosigkeit betroffenen Menschen gegeben.

Die bisherige Vorgehensweise, Wohnung zu beschlagnahmen, um eine Zwangsräumung zu verhindern und Menschen in Notunterkünften unterzubringen, sei zu wenig. Das Gericht wies die Stadt mit dem Beschluss von Freitag (13. Januar) an, auch Angebote auf dem freien Wohnungsmarkt in Betracht zu ziehen.

Die Stadt Köln prüft derzeit eine Beschwerde gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Köln. Die Stadt erachte es als fraglich, ob tatsächlich alle vorliegenden Merkmale der in Aussicht gestellten Unterbringung hinreichend gewürdigt wurden, heißt es in einer Mitteilung.

Stadt Köln äußert sich zu Gründen für die Kündigung des Mietverhältnisses 

Weiter erklärt eine Stadt-Sprecherin: „Zur Kündigung des Mietverhältnisses trugen nicht bezahlte Mietschulden und auch wiederkehrende Polizeieinsätze bei. Diese Vorkommnisse erschwerten der Klientin und den sie unterstützenden Ämtern und Organisationen das Finden eines Ersatzwohnraums erheblich.“

Die Familie ist mittlerweile in einem Hotel in der Altstadt untergekommen. „Das haben uns die Aktivisten vom SSM vorgeschlagen. Das Hotel bietet einen Schutzraum für Frauen und Kinder. Hier können wir erst mal bis Freitag bleiben“, schildert sie.

Menschen stehen bei einer Demo in einem Garten.

Gegen die Zwangsräumung der Kölner Familie hat es am Dienstag (17. Januar) eine Protestkundgebung gegeben. 

Laut Frau Winands habe das von der Stadt angebotene Hotel an der Hansemannstraße in Ehrenfeld gar nichts von ihrer Ankunft gewusst. „Die Mitarbeiterin sagte mir, dass sie kein Apartment zur Verfügung habe. Da war ich schon geschockt, nachdem, was wir alles heute erlebt haben“, berichtet sie.

Nach ihrer Ankunft in dem Hotel in der Altstadt hat es dann einen Lichtblick für die verzweifelte Familie gegeben. Auf den Bericht von EXPRESS.de über das Schicksal der Kölner Familie hat sich die Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft mit einem Wohnungsangebot gemeldet.

Eine Familie steht vor einer Tür.

Die Kölner Familie ist nach der Zwangsräumung aus ihrer Wohnung in Gremberghoven in einem Hotel in der Altstadt untergekommen. 

Es geht um eine Vierzimmerwohnung im Erdgeschoss mit 92 Quadratmetern in der Stegerwaldsiedlung in Köln-Mülheim. EXPRESS.de stellte Kontakt zwischen der Kölnerin und dem Objektbetreuer her.

Jacqueline Winands hat sich sehr über das Angebot gefreut und angekündigt, Kontakt aufzunehmen, um die Einzelheiten zu besprechen. „Wir haben für 15 Uhr schon einen Besichtigungstermin bekommen. Vielen, vielen Dank!“, sagte sie noch.

Das Angebot muss sie dann auch mit den Kölner Behörden absprechen. Die Wohnung sei „ab sofort“ verfügbar. Ob sie die Wohnung bekommt, ist aber noch unklar. EXPRESS.de bleibt dran an dem Fall der Kölner Familie.

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