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„Unverantwortlich und total verrückt“ Doc Esser erklärt Kölner Impf-Phänomen

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Der Kölner Lungenfacharzt Doc Esser ordnet ein aktuelles Impf-Phänomen ein. Auf dem Foto warten Kölner im Impfzentrum am 22. Dezember 2020 auf ihren Termin.

Köln – „Unverantwortlich und total verrückt“, so nimmt der renommierte Lungenfacharzt Dr. Heinz-Wilhelm Esser (47) die aktuelle Lage in Köln gerade wahr. Denn bei den Astrazeneca-Impfterminen stellt die Stadt ein Absagen-Phänomen fest. 

  • Terminabsagen und zurückhaltende Kölner bei Astrazeneca-Impfstoff
  • Kölner Lungenfacharzt Dr. Heinz-Wilhelm Esser ordnet Fakten ein
  • Doc Esser mit klarem Appell an alle, die sich impfen lassen können

Alleine am Montag (22. Februar) wurden von 500 Terminen nur 115 wahrgenommen. TV-Arzt Doc Esser ordnet im EXPRESS-Interview das Verhalten der Kölner und die Berichte rund um den Astrazeneca-Impfstoff ein.

Viele Kölner sagen ihren Astrazeneca-Impftermin gerade ab – wie ordnen Sie dieses Verhalten ein?

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Doc Esser: Das kann ich gar nicht nachvollziehen. Das ist verrückt und dieses Verhalten ist total unverantwortlich. Das Problem ist, dass selbst manche aus dem professionell medizinischen Bereich einfach nicht die Wirksamkeit von diesem Impfstoff verstehen und was es bedeutet, wenn ein Impfstoff mit 70 Prozent Wirksamkeit greift. Viele denken, dass der Impfstoff bei ihnen nur zu 70 Prozent wirkt, das stimmt so aber nicht. Der Astrazeneca-Impfstoff ist sehr sehr wirksam.

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Der Kölner Lungenfacharzt Dr. Heinz-Wilhelm Esser erklärt das aktuelle Impf-Phänomen in Köln.

Denn: Mit der 70%-prozentigen Wirksamkeit ist gemeint, um wie viel Prozent sich das Erkrankungsrisiko in einer Gruppe Geimpfter im Vergleich zu einer Gruppe Ungeimpfter verhindern lässt. Das heißt, es geht um das relative Risiko, um wieviel Prozent die Impfung das Erkrankungsrisiko verhindert. Wie sehr der Astrazeneca-Impfstoff aber bei einem Menschen anschlägt, das ist bei jedem Menschen individuell und die Wirksamkeit des Impfstoffs ist viel höher zu bewerten.

Die aktuelle Studienlage zeigt, dass die geimpften Patienten, die sich dennoch mit SARS-COV2 infizierten durchweg einen leichteren Verlauf zeigten und beispielsweise nicht stationär behandelt werden mussten. Ganz im Gegensatz zu denen, die eben nicht geimpft waren. Das ist ein sehr gutes Zeichen.

Gerade wird der Astrazeneca-Impfstoff von manchen Kölnern wohl als Impfstoff zweiter Klasse wahrgenommen. Wie hoch ist denn die Wirksamkeit des Impfstoffs?

Diesen Ruf des Astrazeneca-Impfstoffs muss man im Keim ersticken! Der Impfstoff ist alles andere als ein Impfstoff zweiter Klasse, sondern hochwirksam. Der Impfstoff ist hocheffektiv! Die Impfstoffe von Biontech und Astrazeneca unterscheiden sich nur darin, wie viele Neuinfektionen verhindert werden können. Hier kann der Astrazeneca-Impfstoff nicht immer die Infektion mit SARS-Cov2 komplett verhindern, aber er mildert den Krankheitsverlauf maximal ab. Sodass schwere Verläufe damit nicht zu erwarten sind, das ist ein ganz großes Ziel.

Und zum Beispiel unsere Grippe-Impfstoffe, die wir jedes Jahr anbieten, die auch ganz viel Gutes tun und ebenfalls viele schwere Krankheitsverläufe verhindern, die sind in manchen Jahren nicht ansatzweise so wirksam wie der Astrazeneca-Impfstoff. Wenn da eine Effektivität von 70% erreicht wird, sind wir Mediziner schon glücklich. Also von daher ist das ein sehr sehr guter Impfstoff, der unbedingt verimpft werden sollte und jeder der kann, sollte ihn dringend annehmen. Das sieht man auch an England, hier sind schon viele auch über 65-Jährige geimpft worden – mit guten Resultaten.

Auf welcher Grundlage wurde der Astrazeneca- Impfstoff zugelassen?

Die Daten zur Impfstoff-Wirksamkeit, die wir bekommen haben, reichen völlig aus, um den Impfstoff als effektiven und guten Impfstoff zuzulassen. Die Zulassungsbeschränkung für SARS-COV2-Impfstoffe in Deutschland liegt bei kleiner 50 Prozent. Der Astrazeneca-Impfstoff liegt mit 70 Prozent weit darüber! 

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Hier impft der leitende Arzt Dr. Jürgen Zastrow Kölns älteste Bürgerin Elisabeth Streubesand (105) am 8. Februar im Kölner Impfzentrum. 

Es kann gut sein, dass der Impfstoff sich in Nachfolge-Studien, die ja aktuell auch laufen, noch weiter verbessern wird; insbesondere was die Wirksamkeit bei älteren Menschen betrifft. Der Astrazeneca-Impfstoff ist definitiv kein Impfstoff zweiter Klasse, sondern er ist ein Impfstoff der sehr einfach zu verarbeiten ist und gut gelagert werden kann. Der Impfstoff ist mit den anderen beiden Impfstoffen (Biontech und Moderna) absolut gleichzusetzten und ich kann nur immer wieder sagen, wenn Patienten die Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen, dann sollen die sich impfen lassen! Sie sollten nicht darauf schauen, was das für ein Impfstoff ist. Aktuell sind alle drei Impfstoffe absolut empfehlenswert.

Skepsis könnte bei älteren Kölnern aufgekommen sein, weil der Astrazeneca-Impfstoff in Deutschland nur für die unter 65-Jährigen zugelassen ist. Was hat es damit auf sich?

Die STIKO (Ständige Impfkommission)  und andere deutschen Fachgesellschaften haben diese Empfehlung ausgesprochen, weil zu wenige über 65-Jährige in der Studie getestet worden sind. Es gab also bisher zu wenige Probanden, die älter als 65 Jahre alt waren. Und da immer die Angst besteht, dass die Immunantwort bei Älteren nicht ganz so gut ausfallen könnte, wie bei jüngeren Patienten, ist man hier bei der Empfehlung auf Nummer sicher gegangen.

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Doc Esser beobachtet die Engländer ganz genau. Hier wird der Astrazeneca-Impfstoff auch an über 65-Jährige verimpft. 

Das Schlimmste, was passieren könnte wäre, dass der Astrazeneca-Impfstoff bei den über 65-Jährigen gar nicht so gut wirkt. Kurzum: So lange wir da keine verlässlichen Daten haben, nutzen wir den Impfstoff nur bei den unter 65-Jährigen, wo uns verlässliche Daten vorliegen.

Die Engländer sehen die aktuellen Zahlen beispielsweise anders. Ihnen reichen die bisherigen Daten aus und sie verimpfen Astrazeneca auch an die über 65-Jährigen, bisher mit guten Ergebnissen. Hier scheinen auch die Älteren einen guten Schutz zu bekommen – durch Astrazeneca. Das zeigen die Zahlen in UK. Deswegen glaube ich, dass wir hier in Deutschland nachrücken, sobald die Substudien abgeschlossen sind.

Manche Patienten, die mit Astrazeneca geimpft wurden, klagen über Impfreaktionen, manche haben sich krankgemeldet. Was ist der Unterschied zu Nebenwirkungen und wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Es ist nicht immer so eindeutig, was Nebenwirkungen und was Impfreaktionen bei geimpften Patienten auslöst. Alle Impfungen, die wir bekommen lösen eine Impfreaktion aus und haben auch kleine Nebenwirkungen. Es kann schon mal zu Muskelschmerzen kommen, an der Stelle, wo geimpft wurde. Es kann auch schon mal vorkommen, dass der Körper grippale Symptome zeigt, wie Fieber, Gliederschmerzen und Abgeschlagenheit. Das kann auch mal für einige Stunden oder einen Tag lang so bleiben, da muss man auch keinen Arzt aufsuchen.

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Doc Esser mit Rat zu Impfreaktionen: „Man sollte sich schonen und im schlimmsten Fall einfach mal zu Hause bleiben.“ Hier sind wartende Kölner im Impfzentrum am 22. Dezember 2020 zu sehen. 

Man sollte sich dann einfach schonen und im schlimmsten Fall einfach mal zu Hause bleiben. Das ist recht individuell. Aber, diese Symptome sollten nach 24 bis 48 Stunden abklingen.

Wenn es länger dauert, sollte man sich beim Arzt vorstellen. Das ist dann aber häufig nicht der Impfung geschuldet, sondern dann ist es oft zeitnah eine andere virale oder bakterielle Infektion. Wir dürfen nicht vergessen, dass aktuell an die 300 verschiedene Viren in der Luft liegen, die alle einen grippalen Infekt verursachen können. Das kann man ja durch die Impfung nicht verhindern, die ist nur gegen das SARS-COV-2-Virus oder sorgt für eine Abmilderung der Symptome.

Außerdem: Wer sich mit dem Coronavirus infiziert, kann deutlich schlimmere Symptome und diese auch länger zu spüren bekommen – das steht fest. Die stehen in keinem Verhältnis zu möglichen Impfreaktionen oder Nebenwirkungen einer Impfung.

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