„Schaden unbekannten Ausmaßes“Bonns Stadtdechant nimmt Kölns Kardinal ins Visier

Woelki Predigt

Die Missbrauchsfälle und das Verhalten der Kirchenoberen bringt Kardinal Rainer Maria Woelki, hier beim Ostergottesdienst im Kölner Dom, in Bedrängnis.

Köln/Bonn – Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki steht weiter in der Kritik – auch in den eigenen Reihen. Der Missbrauchsskandal, das seltsame Gezerre um ein zweites Gutachten, immer neue seltsame Vorfälle um Geistliche, die nach und nach bekannt werden: Das Kölner Erzbistum kommt nicht zur Ruhe.

  1. Kölner Kardinal weiter in der Kritik
  2. Deutliche Worte aus den eigenen Reihen
  3. Kölner Erzbistum kommt nicht zur Ruhe

„Die Krise im Erzbistum Köln nimmt kein Ende“, sagte der oberste katholische Repräsentant in Bonn, Stadtdechant Wolfgang Picken, der Deutschen Presse-Agentur. Seit Januar seien im Erzbistum Köln schon mehr Menschen aus der Kirche ausgetreten als sonst in einem ganzen Jahr.

Kölner Kardinal Woelki: Beförderung sorgt für Wirbel

Woelki hatte in den vergangenen Tagen eine Personalentscheidung aus dem Jahr 2017 verteidigt. Damals hatte er einen Pfarrer zum stellvertretenden Stadtdechanten von Düsseldorf befördert, der zuvor zugegeben hatte, zusammen mit einem 17 Jahre alten Prostituierten masturbiert zu haben.

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Picken ernst

Bonns Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken kritisiert das Erzbistum.

Der Pfarrer habe Reue gezeigt und deshalb eine zweite Chance verdient gehabt, hatte dazu Woelkis Stellvertreter, Generalvikar Markus Hofmann, in einem Interview im WDR gesagt.

Kölner Kardinal Woelki: Deutliche Worte des Bonner Stadtdechanten

„Der Schock über die Aussage des Generalvikars sitzt tief, weil sie befürchten lässt, man würde Ähnliches wieder tun und Missbrauchstäter in leitende Kirchenpositionen befördern, um ihnen eine Chance zu geben“, sagte Picken. „Das empört viele und lässt vermuten, dass man wenig dazugelernt hat.“

Der Missbrauch von Minderjährigen liege fast immer in der Persönlichkeitsstruktur begründet. „Hier in den alten sakralen Terminologien von Reue, Beichte oder Umkehr zu sprechen, ist völlig unangemessen – als ob Bedauern etwas an der Veranlagung eines Missbrauchstäters ändern würde.“

Kölner Kardinal Woelki: Fehler soll zugegeben werden

Woelki und Hofmann müssten zugeben, dass die Beförderung des Pfarrers ein Fehler gewesen sei, forderte Picken. Ob dieses Signal allerdings ausreiche, um das Erzbistum aus seiner derzeitigen Krise herauszuführen, sei fraglich.

„Wenn die Bistumsleitung nicht schnell zu klaren Konsequenzen bereit ist, dann steht ein Schaden ungekannten Ausmaßes für das Erzbistum Köln und die Kirche in Deutschland zu befürchten“, sagte Picken. (dpa)