Ausblick auf 2021 Kölner Philharmonie-Chef: Diese Veränderung bei Konzerten freut ihn

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Louwrens Langevoort vor dem Dom.

Köln – Er ist der Mr. Philharmonie der Stadt. Seit Jahren eine Institution in der Kölner und insgesamt deutschen Kulturszene.

Und als Intendant von der Corona-Krise in Köln genauso getroffen.

Kulturmanager Louwrens Langevoort (64) hat viel Arbeit hinter und vor sich.

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Wie der Mann, der zuverlässig Klassik-Weltstars an den Rhein holt und die Domstadt in die Champions League der Musikwelt geführt hat, das neue Jahr angeht - das aktuelle Interview.

Herr Langevoort, mit welcher Prognose, welchen Träumen, wie prinzipiell gehen Sie ins neue Jahr 2021 für die Kölner Kultur- und Musikszene?

Hoffnungsvoll. Wir haben ein schlechtes Jahr hinter uns, was wir noch nie erlebt hatten. Das mussten wir meistern. Mit Fallen und wieder Aufstehen. Es galt etwas einzuschätzen, das man nicht kennt.

Klar ist noch immer: Man kann in unserer Branche nichts live machen. Weil man die Angst hat, dass die Zahlen wieder hochgehen. Es ist mittlerweile bewiesen, dass das bei uns im Saal nicht so ist, aber die Regierungen haben das anders entschieden und es ist ein demokratisches Prinzip.

Doch nun ist der Impfstoff da, jetzt haben wir Hoffnung. Wir werden immer mit diesem Virus leben, aber wenn man einen Impfstoff hat, ist es eine andere Geschichte.

Das heißt?

Wir müssen uns anpassen. Wir haben keine Konzerte bis zum 31.1.Ich persönlich glaube auch nicht, dass vor Ende Karneval etwas gelockert wird. Dann hoffe ich aber, dass wir wieder kleine Konzerte machen können, im Laufe des März. Und spätestens ab August wieder vollere Säle haben, das ist mein Wunsch, mein Traum.

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Seit 2005 Intendant der Kölner Philharmonie: Louwrens Langevoort

War 2020 das schwierigste Jahr Ihrer Karriere?

Es ist das unerwarteste Jahr gewesen. Jedes Jahr hat seine Schwierigkeiten. Sicher ist die Arbeit nicht weniger geworden, das kann ich sagen.

Wie muss man sich Ihre Planung in diesem Chaos vorstellen? Sie können z.B. einem Ausnahme-Virtuosen wie Lang Lang ja nicht sagen, kommste heut nicht, kommste morgen…

Wir hatten ein Konzert mit Lang Lang im November 2020 geplant, das ist jetzt für 2021 vorgesehen. Natürlich war unser Kalender für die Spielzeit 21/22 längst fertig, der steht noch immer. Allerdings haben bereits amerikanische Orchester abgesagt, dazu stellt sich die Frage was noch durch den Brexit geschieht? Das muss man alles abwarten, aber ich finde: Auch da muss man optimistisch sein! Im Moment verkaufen wir keine Karten für Konzerte.

Erst dann, wenn eine größere Sicherheit da ist, dass sie stattfinden, werden wir das tun. Es war ein Albtraum, die Zurückerstattung von Tickets für Konzerte, die ausgefallen sind. Weil man nicht daran gewöhnt ist. Die Maschine arbeitete ja sonst nur in die eine Richtung.

Kann das digitale Streaming im Netz den Saal ersetzen?

Ein dreifaches Nein.

Wieso?

Es ist so wie früher, wie vor 70 Jahren. Da kam die Langspielplatte, dann vor 40 Jahren die CD. Du brauchst Waren, damit man die Musik zu Hause genießen kann. Aber das alles ersetzt nicht das Erlebnis, dabei gewesen zu sein. Die Schwingungen zu erleben, den Ton, der anders ist. Ich liebe viele Aufnahmen! - aber ein Konzert im richtigen Saal ist nicht wiederholbar,

Kann einem der große Beethoven leid tun, da sein Jubiläumsjahr quasi ins Wasser gefallen ist?

Nein. Beethoven ist ein toller Komponist und wird immer gespielt. Ok, er wäre in 2020 mehr gespielt worden. Doch das er wird noch in 21, 22 , und 2153. Da muss man nicht sagen: Da hat man was nachzuholen.

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Eine Statue von Ludwig von Beethoven in Bonn.

Wird sich das Verhalten der Konzertbesucher im Saal durch die Pandemie verändern?

Das hat es schon. Es wurde in den Live-Konzerten, die wir veranstalten durften, nicht mehr gehustet, das war unglaublich schön. Ich habe selten so ein konzentriertes Publikum gesehen, das hat uns begeistert.

Wenn wieder vollere Säle erlaubt sind, denke ich, wird das auch noch erst mal so bleiben. Aber ich fürchte, dass es nach einiger Zeit wieder so sein wird, wie zuvor. Was ist eigentlich das Problem dabei, im Konzert eine Maske zu tragen? Die Ärzte machen das seit Ewigkeiten bei ihrer Arbeit.

Lässt die Politik die Künstler im Stich?

Die Politik hat sich nicht wirklich um die Kunst gekümmert, nur durch das Aufblühen von Protesten wurden ein paar Fonds aufgelegt, aber da ist noch viel Luft nach oben.

Denn wie können die freiberufliche Künstler leben wenn es keine Konzerte geben kann? Da muss man an sie denken und sich fragen: Was können wir für sie tun?

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