Geschmacklos oder witzig? „Emma“ zeigt Sexist-„Trophäe“ für Kollegah

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Kollegah gibt am Dienstag ein Konzert im E-Werk.

Köln – Die „Emma“-Redaktion hatte Kollegah vor einer Woche mit dem „Emma-Award“ als „Sexist Man Alive“ ausgezeichnet (Sexist Kollegah: so kam es zur PR-Aktion der Emma). Kollegah dankte und reagierte auf Instagram mit einer amüsanten „Korrektur“ (Kollegahs Antwort auf die „Ehrung“ aus Köln). Am Dienstagnachmittag nun teilte die Redaktion mit, man wolle versuchen, Kollegah den Award im Vorfeld seines Konzertes am Dienstagabend im Kölner E-Werk zu überreichen.

„Emma“ präsentiert die Auszeichnung

Gleichzeitig verbreitete „Emma“ ein Foto der „Trophäe“. Es handele sich um eine Nachbildung der Stinkmorchel (eine Pilzart). Im Begleittext heißt es: „Sie rappen „Leute verwechseln öfter meinen Genitalbereich mit der Frontansicht eines Elefantenbabys.“ Tatsächlich? Und scheint die Stinkmorchel Ihrer Realität doch etwas näher zu kommen.“

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Der erstmals verliehene „Sexist Man Alive“-Award geht an Kollegah. 

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Natürlich dürfe über all das „auch gelacht werden. Gleichzeitig aber ist es ernst. Denn Sie bekommen diesen Award für den Hass, den Sie in Ihren Songs propagieren. Hass auf Frauen. Hass auf Juden. Hass auf Homosexuelle. Und das ist eine bitterernste Sache.“

OB Henriette Reker warnt Kollegah

Kritik an Kollegah kam auch von höchster Stelle. Wenn manche Stadtoberhäupter Reden halten, die traditionell jedes Jahr stattfinden, dann plätschert es manchmal vor sich hin. Nicht aber beim Sessionsauftakt im Kölner Rathaus: Da knöpfte sich Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker im Beisein des designierten Dreigestirns den Skandal-Rapper vor.

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Henriette Reker ist kein Freund von Kollegah – das machte sie mehr als deutlich.

Kollegah vor Auftritt im Kölner E-Werk

Dass der 35-Jährige am heutigen Dienstag im Kölner E-Werk auftritt, daran stört sich die Kölner OB gewaltig. Ohne seinen Namen zu erwähnen, sagte Reker im Beisein der Jecken: 

„Im leicht daher gesagten 'Jeder Jeck ist anders' steckt unsere DNA von Respekt, Offenheit und Vielfalt. Jedem Karnevalisten ist dies von jeher klar. Der Karneval ist daher nicht nur Botschafter des Brauchtums, sondern auch Botschafter der Andersdenkenden, Andersliebenden und Anderslebenden.

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Kölle ist bunt: Henriette Reker empfing im Rathaus das designierte Dreigestirn und Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn.

Und dies ist in Zeiten wie diesen, in denen unsere Werte und damit unsere vielfältige Gesellschaft unter Druck stehen, wichtiger denn je. Gemeinsam halten wir dagegen, wenn diese Werte in Frage gestellt werden. Als Oberbürgermeisterin von Köln fühle ich mich dazu besonders verpflichtet.

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Und was für uns Karnevalisten klar ist, muss auch jedem klar sein, der nach Köln kommt und meint, er könne hier bei seinen Konzerten intolerante Ideen und Parolen verbreiten. Jeder, der unsere Werte angreift, muss mit dem entschiedenen Widerstand der Kölnerinnen und Kölner rechnen. Wer die Toleranz zur Intoleranz missbraucht, ist kein Vertreter von Meinungs- und Kunstfreiheit, sondern von Dummheit. Wen ich damit aktuell meine, weiß jeder oder jede, die den EXPRESS liest.”

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„Emma“ erklärte Kollegah so zum größten Sexisten im Land.

E-Werk Köln: SPD fordert Absage von Kollegah-Konzert

Noch deutlicher äußerte sich die Kölner SPD: „Sagen Sie das Konzert ab“, appellierten Parteivorsitzende Christine Jäger und Geschäftsführer Frank Mederlet an die Betreiber des E-Werk.

„Leider ist er nicht irgendein Musiker, über dessen Musik man je nach Geschmack streiten kann. Seit Jahren ist Kollegah für seine antisemitischen, frauenverachtenden, homophoben und gewaltverherrlichenden Texte bekannt, daher sollte er aus unserer Sicht in unserer weltoffenen Stadt keine Bühne bekommen“, heißt es in einer Mitteilung. 

Alice Schwarzer und „Emma“ rufen zur Demo in Köln auf

Zuvor hatte die Redaktion der „Emma“ zu einer Demo gegen das Konzert des Deutsch-Rappers aufgerufen: „Sollte das Konzert aller Proteste zum Trotz dennoch stattfinden, darf das nicht einfach so durchgehen. Das finden auch diverse Gruppen und BürgerInnen der Stadt. Sie sind entschlossen, am Dienstagabend standfest vor dem Kölner E-Werk zu protestieren. Die Parole lautet: Treffen Dienstag, 12. November, 19 Uhr vor dem E-Werk, Schanzenstraße 36 in Köln.“

Unter anderem sollen Bürgermeister Andreas Wolter (Grüne) und Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes (SPD) ihr Kommen zugesagt haben.

Auf ihrer Homepage führt das Team um die „Emma“-Gründerin Alice Schwarzer prominente Befürworter der Anti-Kollegah-Kampagne an. Bürgermeister Andreas Wolter wird zitiert: „Das E-Werk sollte diesen Auftritt absagen. Es verdient mit dutzenden von multikulturellen Veranstaltungen viel Geld.“

Als erstes hatte die „Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit“ dazu aufgerufen, Kollegah wegen seiner „durchgängigen Propagierung von Antisemitismus, Homophobie, Gewalt gegen Frauen" zu boykottieren (der Aufruf gegen Kollegah: hier mehr lesen).

Kollegah im Kölner E-Werk: Keine Presse zugelassen

Am Montagabend hatte Kollegah einen Auftritt in Zürich. Nach Auskunft der Agentur „Suga Agency“ in Essen findet das Konzert im E-Werk statt. Pressevertreter sind nicht zugelassen, zu den Gründen wurden keine Angaben gemacht.

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