Kölner SPD-Mann 69 Anzeigen: Karl Lauterbach geht gegen Corona-Spinner vor

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Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (58) sieht sich immer wieder schlimmsten Anfeindungen ausgesetzt. Hier steht er am 1. Dezember 2020 vor dem Krankenhaus in Holweide.

Köln – Der Kölner SPD-Politiker Karl Lauterbach sieht sich immer wieder extremen Anfeindungen ausgesetzt. Nach einem Farbanschlag auf sein Auto, hat er am Dienstag (20. April) nun 69 Anzeigen unterschrieben. Dabei bringt er nach eigenen Angaben „nur das Nötigste“ zur Anzeige. Karl Lauterbach will sich nicht einschüchtern lassen und mahnt weiter. Dabei hat der Epidemiologe auch ganz aktuell die Kölner Schulen im Blick.

  • Karl Lauterbach hat 69 neue Anzeigen aufgegeben
  • Karl Lauterbach plädiert für Schulschließungen
  • Kölner Politiker sieht neue Gruppe im Corona-Fokus

Karl Lauterbach: „Bringe nur das Nötigste zur Anzeige“

Nach dem Farbanschlag auf sein Auto am Freitag (16. April) hat der SPD-Politiker nun insgesamt 69 Anzeigen unterschrieben.

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„Ich bringe nur das Nötigste zur Anzeige. Drohungen, Aufrufe zur Gewalt und Straftaten, menschenverachtende Beleidigungen der letzten Wochen. Trotzdem habe ich gerade wieder 69 Anzeigen unterschrieben. Ich weiß, dass es auch Wissenschaftlern so geht, die gegen die Pandemie kämpfen“, schreibt Karl Lauterbach auf Facebook.

Auf Twitter und Facebook hatte der 58-Jährige zunächst eine unterschiedliche Anzahl von Anzeigen gepostet. Der Grund: Im Laufe des Vormittags seien noch zehn weitere Anzeigen hinzugekommen. Auf EXPRESS-Nachfrage will sich der SPD-Politiker über den Post hinaus jedoch nicht weiter äußern.

Köln: Inzidenzwert für Nichtgeimpfte höher – Karl Lauterbach für Schulschließungen

Karl Lauterbach geht gegen die Anfeindungen vor, wird jedoch nicht müde zu warnen, wenn sich in seinen Augen eine schlimme Pandemie-Entwicklung anbahnt. So auch am Montag (19. April).

„Köln ist ein gutes Beispiel für das, was jetzt kommt: Kinder und Jugendliche und ihre Eltern werden zum Zentrum der Pandemie“, so hat sich der Kölner SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach vielsagend auf Twitter geäußert.

Vor diesem Hintergrund plädiert er für Schulschließungen. Die Inzidenz sei zu hoch, die Pandemie-Entwicklung für Wechselunterricht zu schlecht. EXPRESS hat daraufhin bei ihm nachgehakt. Im Interview schildert der Politiker, welche dramatischen Folgen geöffnete Schulen für Kölner Familien haben könnten.

Köln: Karl Lauterbach warnt vor schlimmer Pandemie-Entwicklung für Familien

„Wir wissen, dass ein immer größerer Anteil der Infektionen, die jetzt noch kommen werden, sich auf die Kinder und ihre Eltern konzentrieren wird. Die Älteren werden jetzt zwar zunehmend geimpft, doch dann verbreitet sich das Virus stärker in den Gruppen, die noch nicht geimpft sind – also bei den Kindern und ihren Eltern“, erklärt Karl Lauterbach im Interview. 

Gleichzeitig sei es vor diesem Hintergrund so, dass die Inzidenz niedriger erscheinen würde, als sie in Wirklichkeit ist.

Der Epidemiologe weiter: „Wenn man eine Inzidenz von 100 hat und etwa 30 Prozent der Bevölkerung bleiben übrig und sind nicht geimpft – dann würde das bedeuten, dass die Nichtgeimpften eine Inzidenz von sogar 300 haben können. Das ist das Problem, was zunehmend auf Eltern und Kinder zukommt, wenn wir jetzt nicht handeln.“

Karl Lauterbach sieht „Long Covid“ auch auf Kinder zukommen

Auch für Kinder sei in diesem Zusammenhang „Long Covid“ (Langzeitfolgen einer Corona-Infektion) ein nicht zu unterschätzendes Thema. „Schon jetzt haben sieben Prozent der an Covid-19 erkrankten Kinder mit Long Covid zu kämpfen. Das ergeben Studien aus England. Bei den Eltern haben 14 Prozent der Erkrankten mit Long Covid zu rechnen“, betont Lauterbach.

Gerade für Eltern mit Risikofaktoren ab Mitte 40 ergebe sich bei geöffneten Schulen ein nicht unerhebliches Erkrankungsrisiko. „Und das ist keine Kleinigkeit.“

Die jetzigen Testkonzepte der Schulen in Köln und Umgebung könnten diese Entwicklung nach Ansicht des Epidemiologen nicht ausreichend im Zaum halten. Die eigenen Kinder von Karl Lauterbach gehen nicht mehr in Köln zur Schule, denn sie sind zum Teil schon erwachsen. Doch die neuesten Zahlen zu Corona-Fällen bereiten Karl Lauterbach große Sorgen.

Köln: Schulschließungen jetzt unabdingbar? 

„Bei der Inzidenz, die wir derzeit haben, ist der Wechselunterricht mit der doppelten Testung nicht sicher zu betreiben. Wir sind jetzt an einem Punkt, wo die Schulschließung die einzige Möglichkeit ist“, erklärt Lauterbach.

Der SPD-Gesundheitsexperte plädiert daher für Schulschließungen spätestens ab einer Inzidenz von 165. „Besser wäre sogar ein Wert von 100“, wünscht sich Lauterbach. Einen entsprechenden Gesetzesentwurf dazu habe man am Dienstag (19. April) vorgelegt, am Mittwoch (21. April) soll dieser voraussichtlich im Bundesgesetz beschlossen werden.

Perspektivisch sagt Lauterbach: „Den Wert von 165 hat Köln schon weit überschritten. Wenn das Gesetz in Kraft tritt, rechne ich damit, dass die Schulen in Köln sowieso geschlossen werden müssen.“

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