„War anders angekündigt“ Impfengpass: Für viele Kölner wird es knapp

Menschen warten vor Kölner Impfzentrum in Schlange

So wird es erst einmal bleiben: Menschen warten am 4. April 2021 vor dem Kölner Impfzentrum an der Kölnmesse. Der Impfstoff ist nach wie vor knapp, eine Änderung ist auch kurz vor Pfingsten nicht in Sicht.

Köln – Es ist eine Mitteilung des NRW-Gesundheitsministeriums, die kaum deutlicher den Impf-Engpass beschreiben könnte: „Weiterhin wird begrenzt Impfstoff zur Verfügung stehen. Daraus folgt, dass auch nach dem 7. Juni nicht alle Impfwilligen, die noch keine Impfung erhalten haben, umgehend eine Impfung erhalten werden können.“

  • Stadt Köln: Impfstoff-Engpass
  • Nachricht aus NRW-Ministerium enttäuscht
  • Auch Düsseldorfs OB Keller übt Kritik

Noch vor drei Wochen hatte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann großspurig erklärt: „Das Impfgeschehen nimmt weiter Fahrt auf.“ Doch der Impfstoff bleibt weiterhin knapp. Statt volle Fahrt heißt es jetzt wieder Schrittgeschwindigkeit.

Impfengpass: Großer Unmut bei den Ärzten in Köln

Ein Grund dafür: Ab dem 7. Juni werden auch Betriebs- und Hausärzte neben den 53 Impfzentren in NRW mit Impfstoff beliefert. Die Priorisierung nach Altersgruppen wird dann komplett fallen. Klingt zunächst gut. Aber dabei muss soviel Impfstoff für die Zweitimpfungen zurückgehalten werden, dass Erst-Impflinge gar keine Chance auf den Pieks haben.

Steubesand_Zastrow

Dr. Jürgen Zastrow, hier impft er Patientin Elisabeth Steubesand am 8. März, kritisiert das Ende der Impfpriorisierung. 

Entsprechend groß ist der Unmut. EXPRESS erreichte Jürgen Zastrow, den leitenden Impfarzt in Köln. Er kritisiert das Vorgehen und ist wütend: „Was die Politik vorhat, weiß ich doch nicht. Die sprechen ja nicht mit uns. Wir Ärzte können immer nur reagieren. Wenn ich dann die Diskussionen über das Impfen von Kindern höre, kann ich nur den Kopf schütteln. Wir haben schlicht derzeit gar keinen Impfstoff, um uns über die Kinder Gedanken zu machen.“

Apothekerverband Köln warnt

Mit der Aufhebung der Priorisierung habe man nur einen taktisch-politischen Schachzug gemacht und den Druck von der Politik weg in die Arztpraxen verlagert, sagt Zastrow.

Auch Thomas Preis, Vorsitzender des Kölner Apothekerverbandes warnt: „Mehr Impfstoff und keine Priorisierung führt nicht automatisch zu mehr Impfterminen.“ Im Gegenteil, man müsse dann mehr Impfstoff zu Verfügung stellen, um einen Effekt zu erzielen.

Stadt Köln: Warten auf Zuteilung vom Land NRW

Aus dem Kölner Presseamt hieß es, man könne noch nicht vorhersagen, wie sich die Situation in Köln entwickelt. Man warte erst auf die Zuteilung des Impfstoffs durch das Land NRW und könne erst dann Termine anbieten. „Das geschieht immer sehr kurzfristig. Daher lassen sich derzeit noch keine Termine für Juni oder gar Juli buchen“, erklärt der Sprecher.

Rheinabwärts in Düsseldorf wurde Oberbürgermeister Stephan Keller direkter: „Es gibt deutliche Anzeichen, dass wir im Juni nur noch Zweitimpfungen verabreichen können. Impfstoff fehlt und das war eigentlich ganz anders angekündigt.“

Und weiter: „Die Verwaltungspraxis des Landes hinkt hinterher“, sagte Keller. „Wir sind skeptisch, dass wir den geschürten Erwartungen nachkommen können. Wir erwarten jetzt ganz klar, dass wir den Impfstoff bekommen. Wir sind darauf angewiesen.“

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