Masken-Zoff um blinden Kölner Ikea pocht auf die Pflicht, im Sinne der Sicherheit

IKEA_Koeln_Symbol

Im Ikea am Butzweilerhof (Ossendorf) kam es zum Eklat, als ein blinder Mann des Geschäfts verwiesen wurde. Das Symbolfoto wurde im April 2020 aufgenommen.

Köln – Der Fall hat in Köln für mächtig Wirbel gesorgt: Im EXPRESS hatte der blinde Kölner Georg S. geschildert, Anfang September aus der Ikea-Filiale am Butzweilerhof (Ossendorf) „geworfen” worden zu sein. Der Grund: S. trug keine Maske – konnte aber ein Attest seines Arztes vorlegen, das ihn von der Corona-konformen Pflicht befreit.

Ikea aber pocht auf die Pflicht, im Sinne der Sicherheit – auch bei vorliegendem Attest. Wer ist hier im Recht? Auf der Facebook-Seite des EXPRESS ist unter dem Artikel eine Diskussion entstanden: Es geht hin und her! Und auch die Redaktion ist gespalten. Hier kommentieren EXPRESS-Redakteurin Madeline Jäger und EXPRESS-Redakteur Thomas Werner.

Kommentar 1: Im Namen der Sicherheit – Ikea hat eine gesellschaftliche Verantwortung

Klar ist: Gerade für behinderte Menschen, bringt das Coronavirus noch mehr Nachteile mit sich, als sie sie im Alltag ohnehin schon haben. Doch gerade erleben wir alle keinen Alltag, sondern eine absolute Ausnahmesituation.

So schlimm es ist: Einzelne Personen ohne Maske stellen für sich und andere ein Infektionsrisiko dar – mit oder ohne Attest. Deswegen kann Ikea hier keine Ausnahme machen. Wir alle können gerade offline kein normales Einkaufserlebnis genießen – nirgendwo.

Ikea-Fall in Köln: Unternehmen müssen Kunden und Mitarbeiter schützen

Auch wenn uns dieses Stück Stoff einschränkt und Behinderten den Alltag noch weiter erschwert, ist sie leider zusammen mit dem Abstand, der größte Schutz, den wir in der Pandemie haben. Unternehmen wie Ikea haben eine gesellschaftliche Verantwortung: ihre Kunden und auch ihre Mitarbeiter in diesen schwierigen Zeiten bestmöglich zu schützen.

Bestimmte Gruppen, wie im Ikea-Fall auch behinderte Menschen, trifft diese Pandemie daher besonders hart. Doch die Schuld dafür trägt kein Unternehmen, sondern niemand anderes als dieses Virus, das uns allen seit Monaten das Leben schwer macht. 

von Madeline Jäger

Kommentar 2: Noch mehr „Experten” – das macht alles schlimmer

Normalerweise kennen wir Corona-Pseudo-Experten ja nur als „Verweigerer” aus Foren und Social Media. Da ist es weit weniger schlimm, wenn ein Unternehmen einfach nur seine eigenen Regeln macht – sogar, zugegeben, im Sinne der guten Sache.

Trotzdem: Mit der Maskenpflicht ohne Kompromisse und dem Ignorieren von Attests steht Ikea an der Stelle vor allem für etwas, was wir in der Pandemie nicht gebrauchen können: für den Teil der Gesellschaft, der lieber seinem Bauchgefühl als den Experten vertraut.

Ikea-Fall in Köln: Wofür brauchen wir Ärzte, wenn wir nicht vertrauen?

Wofür brauchen wir Ärzte, Virologen und Gesundheits-Experten, wenn wir ihrem Urteil nicht mehr trauen? Damit erfüllt man keine gute Sache, sondern befeuert die „Argumente” derer, die eh schon kein Vertrauen in Staat, Experten, Presse etc. haben. Dass dieser Effekt eintritt, sollten wir dringend verhindern.

Also: Der Gedanke von Ikea ist okay. Noch besser wäre es allerdings, sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren und die Entscheidungen in Gesundheits-Fragen denen zu überlassen, die sich damit auskennen. Wenn ich Tipps für eine neue Küche will, frage ich ja auch nicht meinen Hausarzt.

von Thomas Werner

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