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Geißbockheim „Wenn wir das nicht ändern ...”: FC mit emotionalem Video-Statement

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Die Pläne rund um das Geißbockheim sind in Köln nach wie vor ein Streitthema.

Köln – Der Grüngürtel ist ideologisches Kampfgebiet. Seit Jahren wird um die Ausbaupläne des 1. FC Köln erbittert gerungen. Ist nun ein vorläufiges Ende in Sicht? Die Ratspolitiker sollen am 18. Juni entscheiden, ob der FC in dem Naturschutzgebiet sein Trainingsgelände erweitern darf oder nicht. Eine entsprechende Beschlussvorlage für die Politiker hat die Stadtverwaltung am Montag fertiggestellt und auf den Weg gebracht.

Geißbockheim-Ausbau: Erweiterung grundsätzlich möglich

Diese Vorlage zum FC-Anbau umfasst 116 Seiten plus ellenlange Anlagen. Die Deutsche Fußball Liga kommt mit ihrem Konzept zum Spielbetrieb in der Corona-Pandemie mit 51 Seiten aus. Das zeigt, welchen Stellenwert das Bauprojekt im Grüngürtel hat.

Nach rund sechs Jahren geht das Verfahren jetzt in die letzte, politische Phase. Die Stadtverwaltung schlägt den Politikern zwei Varianten zur Abstimmung vor:

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1. Der Rat beschließt, dass das Erweiterungsvorhaben des 1. FC Köln rechtlich zulässig ist und einen entsprechenden Bebauungsplan.
2. Die Alternative sieht vor, den Bebauungsplan nicht zu beschließen, sondern die Verwaltung zu beauftragen, in Gespräche mit dem FC Köln einzutreten und gemeinsam einen alternativen Standort – etwa für eine „Teilverlagerung“ entwickeln. Bei einer Teilverlagerung ließen sich etwa das geplante Leistungszentrum neben dem Geißbockheim realisieren und gleichzeitig die Gleueler Wiese für die Öffentlichkeit erhalten.

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Die Bürger konnten zum FC-Vorhaben bereits Stellung nehmen. 7145 Eingaben sind in kurzer Zeit eingegangen. Diese Einwendungen, eine Mehrheit ist gegen die FC-Pläne, wurden von der Verwaltung ausgewertet, abgewogen und auf weiteren 304 Seiten protokolliert.

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Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat die Beschlussvorlage zu den FC-Ausbauplänen vorgelegt.

Chefin der Verwaltung ist Henriette Reker. Die parteilose Oberbürgermeisterin ging im August plötzlich auf Distanz zu den FC-Ausbauplänen im Grüngürtel.

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Reker spricht sich dafür aus, dass der Bebauungsplan nicht beschlossen wird – also gegen den Wunsch des FC. Sie sagt: „Die über 7000 Anregungen und Bedenken sind die höchste Bürgerbeteiligung in der Geschichte der Stadt Köln und spiegeln das breite Interesse für dieses große Vorhaben wider. Nur die Alternative sichert eine Weiterentwicklung am Standort des Geißbockheims für den FC Köln und gleichzeitig auch den Schutz der Gleueler Wiese als öffentliches Erholungsgebiet. Außerdem ermöglicht diese Alternative voraussichtlich eine schnellere Verwirklichung und gleichzeitig eine langfristige Entwicklungsperspektive für den 1. FC Köln.“

Herausforderer Andreas Kossiski, OB-Kandidat der SPD, unterstützt die Pläne des FC und hat Reker „Wortbruch“ vor geworfen – wo immer er kann in diesem durch Corona besonderen Wahlkampf.

SPD, CDU und FDP haben die FC-Pläne stets unterstützt. Das wäre eine breite Mehrheit im Rat.

Kölner Geißbockheim: So äußeren sich die FC-Bosse

FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle hält offensichtlich wenig von der „Teilverlagerung, die Reker jetzt ins Spiel bringt. Wehrle: „Wir begrüßen es sehr, dass das Verfahren nun auf die Zielgerade einbiegt. Für den FC als nahbarer Club dieser Stadt ist es strategisch von enormer Bedeutung, Profis und Nachwuchs am traditionellen Standort zusammenhalten und sich zugleich für die Zukunft modern weiterentwickeln zu können.“

FC-Präsident Werner Wolf ergänzt: „Alle Argumente sind ausgetauscht, Kompromisse wurden gefunden, die Pläne sind durch alle Stufen eines transparenten Verfahrens gegangen. Jetzt muss die Kölner Politik entscheiden. Und jetzt heißt: Jetzt. Zeitspiel und taktische Verschiebungen ändern nichts mehr an den Fakten. Deshalb setzen wir darauf, dass die von den Bürgern gewählten Politiker verlässlich bleiben und vor der Sommerpause über die Beschlussvorlage entscheiden.“

Ausbaupläne des 1. FC Köln: Grüne dagegen

In den sozialen Medien hat sich der 1. FC Köln mit einem gut siebenminütigen Video („Für den FC am Geißbockheim: Fakten und Argumente) noch einmal deutlich für einen Ausbau des Geißbockheims positioniert. „Hier lebt die Faszination FC – familiär, nahbar, im Herzen unserer Stadt. Hier bildet der FC die Profis von morgen aus. Noch. Denn Geißbockheim 2020, das heißt: dunkle, muffige, viel zu kleine Räume für unsere Spieler. Von den Profis bis zur U8”, heißt es im Video.

Dazu wird mit altem Bildmaterial gezeigt, dass die Räumlichkeiten im Geißbockheim teilweise seit Jahrzehnten unberührt geblieben sind.

„Um uns herum haben die Vereine in den letzten Jahren natürlich schon Rahmenbedingungen geschaffen wie Trainingsplätze oder Kabinen, die zeitgemäß sind”, sagt FC-Geschäftsführer Horst Heldt im Video.

Hier das Video des 1. FC Köln ansehen:

„Und wenn wir das nicht verändern, werden wir das, was wir uns im Nachwuchs- und Jugendbereich erarbeitet haben, nicht mehr erhalten können. Wir werden gar keine Konkurrenzsituation mehr schaffen können”, so Heldt weiter.

Allen voran die Grünen im Rat stemmen sich gegen das Bauprojekt im Grüngürtel. In der Bezirksvertretung Lindenthal monierten Grüne und Linke zudem, dass sie die Beschlussvorlage unmöglich bis zur Abstimmung durcharbeiten könnten.

Dutzende Verbände und Naturschutz-Initiativen sind gegen das FC-Projekt. Sie haben mit Corona ein neues Argument entdeckt. In einer jüngst gestarteten Online-Petition heißt es: Gerade in Krisenzeiten von Corona-Pandemie und Klimaerhitzung „gewinnt das Kölner Grünsystem dramatisch an Bedeutung“. Unversiegelte Grünflächen sei unverzichtbar – auch als „freier Erholungsraum für alle Kölner“.

Der 1. FC Köln will ein zweigeschossiges Nachwuchs-Leistungszentrum am Geißbockheim bauen, auf der Gleueler Wiese nebenan sind zudem drei Kunstrasenplätze und vier Kleinspielfelder geplant. Mehr als 20 Millionen Euro soll das kosten.

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