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Waren wir alle brav?Krisenstab-Chefin mit klarer Note: Das Corona-Zeugnis für Köln

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Andrea Blome, hier am 14. April im Stadthaus, ist als Stadtdirektorin von Köln zugleich Leiterin des Krisenstabs.

von Jan Wördenweber (jan)

Köln – Es ist noch nichts gewonnen, sagen Experten einhellig. Auch Kölns designierte Stadtdirektorin (ab 24. Juni) Andrea Blome, die zugleich Leiterin des Krisenstabs ist, mahnt weiterhin zur Vorsicht. Aber: Köln wird wieder Köln – dank der niedrigen Inzidenzwerte blüht das öffentliche Leben wieder langsam auf. Und daran haben alle Kölnerinnen und Kölner auch ihren Anteil, sagt Blome. Hier kommt das Corona-Zeugnis für Köln.

  • Andrea Blome über die Corona-Pandemie in Köln
  • Leiterin des Krisenstabs dankt den Bürgern
  • Zukunft des Impfzentrums offen

EXPRESS: Frau Blome, Köln atmet auf. Die Inzidenzwerte sind endlich auf einem Niveau, dass erste Lockerungen, zum Beispiel bei Handel und Gastronomie, möglich waren. In der Hoffnung, das Schlimmste überstanden zu haben: Welches Zeugnis stellen sie den Kölnerinnen und Kölnern aus? Blome: Ein hervorragendes! Ich kann mich nur bedanken, dass fast alle die Regeln über einen so langen Zeitraum einhalten. Obwohl es ja eine harte Zeit war, wenn man nur an die Ausgangsbeschränkungen denkt. Alle haben gelitten, ich denke da vor allem an die Wirtschaft oder Eltern, die ihre Kinder nicht zur Schule schicken konnten. Sich dann trotzdem so an die Regeln zu halten, dass sich das Infektionsgeschehen tatsächlich abgebaut hat – das ist schon toll.

Stadt Köln: Vergleich der Inzidenzwerte mit anderen Metropolen wie Berlin und Hamburg

EXPRESS: Warum hatte Köln lange höhere Inzidenzwerte als es im Landesdurchschnitt NRW der Fall war? Mit der Größe allein ist es ja nicht erklärbar, da auch kleinere Städte zum Teil hohe Inzidenzen hatten. Blome: Das ist richtig. Wir haben uns mit anderen Millionenstädten verglichen, und da hatten Hamburg und Berlin schon früher bessere Werte als Köln. Eine mögliche Erklärung haben wir vom Robert Koch-Institut entliehen: Alter und Mobilität der Stadtbevölkerung spielen da eine Rolle. Wir haben in Köln eine junge Bevölkerung, dadurch eine höhere Mobilität, auch ein sehr hohes Pendleraufkommen in einer Metropolregion. Köln hat da eine andere Lage als Berlin, da ist das Umland ja nicht sehr stark besiedelt, ähnlich wie das in München der Fall ist. Köln liegt zudem in der Nähe von Belgien und den Niederlanden, die ein sehr hohes Infektionsaufkommen hatten. All das sind jedoch bislang eher Erklärungsversuche.

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Krisenstabs-Leiterin Andrea Blome (2.v.l.) informiert regelmäßig im Rathaus über die aktuellen Entwicklungen und Beschlüsse, wie hier am 28. Mai.

EXPRESS: Angesichts der erfreulichen Entwicklungen, die sich jedoch schnell wieder ändern können: Schauen Sie mit Sorge auf das gute Wetter und das lange Wochenende? Blome: So etwas besorgt uns immer. Deshalb mahnen wir vom Krisenstab auch immer, weiterhin die geltenden Regeln zu befolgen. Die Menschen sind jetzt natürlich geradezu euphorisch und freuen sich total. Ich habe auch gestern Abend draußen gesessen und ein Glas Wein in einem Restaurant getrunken. Etwas, das wir früher immer als normal empfunden haben, ist plötzlich zu einem Luxusgut geworden.

EXPRESSS: Köln ist bei den Corona-Regeln strenger als andere NRW-Kommunen… Blome: …weil wir vorsichtig sind. Wir haben die ganze Zeit immer über die Coronaschutzverordnung des Landes hinaus Verschärfungen per Allgemeinverfügung gemacht: Zum Beispiel, dass in Köln die Ausgangsbeschränkung schon eine Stunde vorher in Kraft trat. Es gibt Alkoholkonsumverbote, Verweilverbote für bestimmte Plätze, wir haben auch noch sehr viele Bereiche mit Maskenpflicht. Das sind zusätzliche Absicherungen über das hinaus, was vorgegeben wird.

EXPRESS: Warum? Blome: Es ist Ausdruck der Vorsicht und Sorge. Wer wie wir in einer Woche bei der Inzidenz von 100 auf unter 50 runtersaust, der kann auch in einer Woche wieder alles Erreichte verspielen. Unser besonderes Vorgehen ist eng mit der Landesregierung abgestimmt. Dem typisch städtischen Leben wird somit Rechnung getragen. Wir haben nun mal sehr viele junge Menschen in der Stadt, die aktiv und gerne draußen sind. Wir müssen alles daran setzen, dass wir keine vierte Welle bekommen.

EXPRESS: Was wären denn die nächsten Köln-spezifischen Lockerungen, unabhängig von denen, welche die Coronaschutzverordnung des Landes vorsieht? Blome: Unsere letzte Allgemeinverfügung ist für 14 Tage gültig. Ob wir etwas ändern, werden wir im Krisenstab besprechen. Da spielen mehrere Faktoren eine Rolle, unter anderem haben wir auch immer die Inzidenzen in den einzelnen Stadtteilen im Blick. Wenn wir in Köln bei einem Wert zwischen 35 und 50 stabil sind, und automatisch die Testpflicht in der Außengastronomie wegfällt, dann werden wir natürlich überlegen, wie es mit Alkoholkonsumverboten in der Öffentlichkeit ausschaut oder bestimmten Verweilverboten. Aber das machen wir nicht flächendeckend, sondern wir betrachten die einzelnen Bereiche im Stadtgebiet und diskutieren das dann im Krisenstab. Der Bereich am Aachener Weiher ist sicher anders zu beurteilen, als etwa der Brüsseler Platz.

Impfzentrum an der Kölnmesse: Neuer Ort vorstellbar

EXPRESS: Inzwischen wird auch in den Hausarztpraxen fleißig geimpft. Wie lange wird das Impfzentrum an der Messe noch in Betrieb bleiben? Blome: Definitiv wird es bis Ende September dort sein, wo es jetzt ist. Der Bedarf geht auf alle Fälle noch bis ins nächste Jahr hinein, zumal auch das Thema Auffrischungsimpfung noch kommt. Ob das Impfzentrum aber dann an dieser Stelle bleibt und in dieser Größe – das müssen wir schauen.

EXPRESS: Sie stehen seit Monaten in vorderster Front. Wie hoch war und ist ihr Stressfaktor? Blome: Ja, der ist schon sehr hoch. Ich konnte schon vorher in meinem Job als Verkehrsdezernentin ja nicht über Langeweile klagen. Wenn morgens der Wecker klingelt, dann geht der Blick erst mal auf die Inzidenz, dann schaue ich mir die Einsatzberichte des Ordnungsamtes aus der Nacht an, wo man dann etwa von illegalen Partys liest. Das Thema lässt einen ja nie los. Wenn man einschläft, ist es der letzte Gedanke, wenn man aufwacht, ist es der erste. Ich bin nur ein Teil eines großen Teams. All die Leute, die für den Krisenstab arbeiten, sind rund um die Uhr zum Wohle der Stadt einsatzbereit, ohne Rücksicht auf Feiertage. Das ist schon großartig, was die Kolleginnen und Kollegen da leisten.