Corona-Lockerung für alle? „Keine Chance“: Kleine Kölsch-Kneipen bleiben trotzdem zu

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„Wie sollen wir so aufmachen?", fragen sich Wirtin Paskalina Mangiras und Sohn Zissis.

Köln/Bergisch Gladbach  – Endlich: Die Kölsch-Kneipen im Veedel dürfen wieder aufmachen. Aber stimmt das auch für alle? Keineswegs, wie das Beispiel einer kleinen Kneipe im Veedel zeigt. Denn dort ist „Social Distancing“ schlichtweg unmöglich.

Kölsch-Kneipe: Corona-Regeln können nicht eingehalten werden

Paskalina und Zissis Mangiras müssen tief durchatmen, wenn sie sich in ihrer Gaststätte Bützler in Bergisch Gladbach an der Grenze zu Köln umschauen.

45 Quadratmeter, ein kleines Räumchen und eine Kegelbahn sind die nackten Fakten für ihren Veedels-Treff, wo sonst die Nachbarschaft miteinander klönt, feiert und Kölsch trinkt. „Wie sollen wir hier aufmachen und die Auflagen erfüllen?“, fragen sich Mutter und Sohn.

Die Antwort geben sie sich selbst: „Gerade zum Schutz unserer Gäste bleiben die Türen zu“, sagen sie geknickt. „Ob unsere Knobel-Runde, die Männer beim Kartenspielen, das Kegeln oder der Stammtisch – es ist einfach alles zu eng, um genügend Abstand zu halten.“ Noch ein Beispiel: „Der Weg zum Klo ist ein Meter breit. Da geht es gar nicht, den Abstand einzuhalten. Auch, weil es nur einen Weg zum Klo gibt."

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Es ist einfach zu eng. Wirtin Paskalina und ihr Sohn Zissis im Speiseraum.

Gehe das so weiter, da sind sich Wirtsleute sicher, „dann ist im Juni Schluss.“ Dann wäre das 25-jährige Lebenswerk beendet. An diesem Lebenswerk nimmt das gesamte Veedel Anteil.

Wirtin Paskalina: „Wir haben so viele Nachrichten bekommen, so viel Zuspruch von den Gästen aus dem Ort – das hat so gut getan.“ Schließlich bot auch sie eine Essensausgabe an und das halbe Veedel machte mit.

Corona: Kleine Kölsch-Kneipen trotzdem vor dem Aus

„Aber das hilft gerade, die Kosten zu decken“, rechnet sie vor. Solange sie ihr Kölsch nicht verkaufen kann, wird sie und die Familie weiter um die Existenz bangen. „Ich sehe ja ein, dass die Ämter viel zu tun haben. Aber wir werden von der Stadt und vom Ordnungsamt nicht mit Infos versorgt.“

Veedelskneipe: Zu klein für Kölsch-Ausschank in Corona-Krise

Notlösungen gäbe es: „Nötigenfalls stelle ich ein paar Tische in meinen privaten Garten. Aber da muss das Amt ja flexibel für sein. Und ich befürchte, dass daraus nichts wird.“

So muss die Familie weiter hoffen und bangen. „Vielleicht gibt es ja doch noch eine Lösung. Aber solange es keinen Impfstoff gibt, wissen wir nicht, wie wir öffnen sollen.“

Ein Veedel leidet mit seinem beliebten Treffpunkt, der immer davon gelebt hat, dass auf engem Raum das Kölsch geflossen ist. Denn trotz Öffnung durch die Politik bleiben in dieser Kneipe vorerst die Stühle auf den Tischen. So wie diesen Wirten geht es aktuell vielen Gastronomen.

Das bestätigt auch Dehoga-Geschäftsführer Christoph Becker auf EXPRESS-Nachfrage: „Vor allem die kleinen Schankbetriebe leben vom sozialen Austausch. Das ist jetzt vielfach zweckentremdet. Die Menschen dürfen im Sitzen und nicht an der Theke ihr Kölsch trinken. Ob viele Gäste das so wollen, bleibt dahingestellt."

Die Hygiene-Maßnahmen zweifelt Becker nicht an. Er sagt aber auch: „In der Theorie ist alles machbar. Aber in der Praxis sieht das vielerorts anders aus." Der Gaststättenverband rechnet von daher auch mit Umsatzeinbußen von 50 Prozent für die kleineren Schankbetriebe.

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