Traurige Trennung Kölnerin Angelika bereitet sich auf einsame Ostern vor

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Angelika Feld feiert Ostern erstmals nicht mit der Familie, zeigt aber Galgenhumor, mit FC-Gesichtsmaske, Häschen und Corona-Eiern.

Köln – Wo der Feld-Clan aufschlägt, ist Party angesagt. Karneval mit Fässchen und Frikadellchen am Zug, bei schönem Wetter am Wochenende mit Grillwürstchen und Kartoffelsalat im Park. Die Felds feiern gern und viel, am liebsten mit der ganzen „Famillich“.

Jetzt ist alles anders. Ostern allein zu Haus. Ein Drama? Nö! Porträt einer Familie, der in Corona-Zeiten trotz so vieler Widrigkeiten nicht der Mut abhanden kommt.

Familie sitzt wegen Corona in der Schweiz fest

In der ganzen Wohnung hängen Fotos und Collagen von ihren Liebsten, die sie Ostern nicht sehen wird. „Mein Mann, mein Bruder und eine meiner Töchter kommen seit einem Monat nicht aus der Schweiz heraus, meine Tochter hat sich freiwillig in Quarantäne begeben, meinen Enkel kann ich nicht sehen, weil die Familie sich wegen der Atemwegserkrankung meines Schwiegersohns komplett abschottet“, sagt Angelika Feld (57).

Angelika Feld lernt jetzt eben fleißig

Aber so habe sie zumindest Zeit, für ihre Prüfung zu lernen. Die Kölnerin macht eine Weiterbildung als Pflegekraft.

Den ersten Prüfungstermin musste sie schon verschieben, weil ihr an Karneval ein Mann in die Rippen getreten hatte, als sie bei einem Streit dazwischen ging. So viel zum Thema Zivilcourage. Und jetzt auch noch das ganze Corona-Chaos.

Kölnerin will Ostereier an Obdachlose verteilen

Doch sie lässt sich nicht beirren. Angelika malt jetzt Eier an, die sie Ostern an Obdachlose in Köln verteilen will. Natürlich mit Handschuhen, Mundschutz und Abstand.

Sie entwirft außerdem zusammen mit Tochter Marie (24) Einladungen für den 80. Geburtstag ihrer Mutter. „Die gehen nächste Woche raus, dann haben Christas Freundinnen zu Ostern etwas, worauf sie sich freuen können – ob im Juni nun gefeiert werden kann – oder nicht.“

Ihre Mutter Christa sieht’s ebenfalls pragmatisch: „Et kütt, wie et kütt. Darüber zerbreche ich mir jetzt nicht den Kopf.“

Kaffee trinken - aber nur mit ganz großem Abstand

Was die Uroma, die noch in ihrer eigenen Wohnung leben kann, zu Ostern macht? Vermutlich mit Angelika ein Stückchen Kuchen essen – mit riesigem Abstand und am besten im Garten unter freiem Himmel.

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„Ich stell’ mir dann vor, dass mein verstorbener Mann Hans zufrieden auf Wolke sieben sitzt, links eine Zigarette, rechts ein Kölsch, auf uns herunterschaut und sich fragt: Was ist denn bloß los bei Euch?“

Angelikas Tochter arbeitet auf der Frühchenstation

Auch Tochter Jenny (Mitte) und ihren Mann Eike (beide 37) hat’s in die Schweiz verschlagen. Jenny arbeitet als Intensivkrankenschwester auf einer Frühchenstation – auch an Ostern. „Dieses Jahr wird es besonders hart. Diese Eltern machen sich ja sowieso große Sorgen um ihre Babys, jetzt dürfen sie nicht mal gemeinsam auf die Station.“

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Angelikas Tochter Jenny (Mitte) mit Ehemann Eike und den Mitbewohnerinnen Angie Oberholzer (l.) undt Marie-Sophie Esche.

Ostern bekocht ihr Mann Eike, der normalerweise in der Gastronomie tätig ist, sie und ihre gemeinsamen WG-Mitbewohnerinnen. „Und dann wird jeder aus der Familie einzeln abtelefoniert.“

Tochter Franziska als Erntehelfer im Einsatz

Nein, es ist kein Witz, in Witzenhausen unter Quarantäne zu stehen. Aber Angelikas Tochter Franziska (26) hat’s erlebt. Sie zeigte nach einem Skiurlaub in Tirol Symptome, der Corona-Test ließ lange auf sich warten, war dann aber doch negativ.

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Franziska Feld will jetzt als Erntehelferin arbeiten.

Dennoch will sie Ostern nicht nach Köln kommen. Das Risiko sei ihr einfach zu groß, sagt sie. Die Semesterferien will die Studentin der Ökologischen Agrarwissenschaften deshalb nutzen, um in der Landwirtschaft mit anzupacken. „Mein Ausbildungsbetrieb hat schon gefragt. Ich arbeite auch als Erntehelfer – das Zeug muss ja raus.“

Gruß aus der Ferne von Angelikas Mann

Angelikas Mann Beat (61) ist Schweizer. Der IT-Spezialist verbringt die Wochenenden gern in Köln. Jetzt sitzt er in seinem kleinen Dorf fest. „Das geht schon aufs Gemüt.“ Er telefoniere häufig mit seiner Frau.

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Beat sitzt in der Schweiz fest und wird Ostern durch die Weinberge radeln.

„Manchmal skypen wir auch, damit sie sieht, dass ich mich noch rasiere.“ Ostern feiert Beat mit seinem Nachbarn – Angelikas Bruder Mike, natürlich mit Abstand, obwohl es in dem Dorf noch keinen Corona-Fall gibt. Mike lacht: „Leider gibt’s keinen Kölsch-Nachschub, wir kommen ja nicht über die Grenze.“

Der Enkelsohn muss alleine auf Eiersuche gehen

Ben (8) ist Angelikas einziger Enkelsohn, lebt mit seinen Eltern derzeit ohne jeglichen Außenkontakt. „Mein Mann leidet an einer chronischen Atemwegsentzündung, wir wollen kein Risiko eingehen“, sagt Nicole (38).

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Angelikas Enkel Ben bemalt Ostereier.

Deshalb fallen die Besuche bei den Großeltern flach. Sie kann der selbst auferlegten Quarantäne aber Positives abgewinnen: „Wir erleben jetzt ganz bewusst, wie gut wir als Paar, als Familie funktionieren und merken, wie gerne wir Zeit miteinander verbringen – ganz entschleunigt.“

Schwester Gabi arbeitet als Ärztin an vorderster Front

Gabi (56) arbeitet als Oberärztin in Darwin (Australien) an vorderster Front: „Wir haben unseren ersten Corona-Patienten auf der Intensivstation“, sagt sie. Auch Ostern wird sie im Dienst sein, Ostereier gibt’s nur von den eigenen Hühnern im Garten.

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„Was mich am meisten stresst ist, dass ich in diesen Zeiten nicht bei meiner Familie sein kann. Alle Flüge wurden gecancelt, ich kann noch nicht einmal zum 80. Geburtstag meiner Mutter kommen.“ Sie sei deshalb dankbar für Internet, Skype und Telefon.

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