„Suppe voller Fragezeichen“ Gastro bald auf: Kölner Wirte regt nicht nur eins auf

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Josef Rayes misst am 7. Mai 2020 die Abstände zwischen den Tischen in seinem Biergarten am Aachener Weiher.

Köln – Wenn es doch nur das Kölsch  wäre – aber Kölns Wirte wie Josef Rayes vom Biergarten am Aachener Weiher kommen aus dem Schäumen gar nicht mehr raus. Laut Stufen-Öffnungsplan des Bund-Länder-Gipfels sollen ab 22. März 2021 alle Außengastronomien mit Tests vor Ort öffnen dürfen. Doch wie soll das funktionieren? EXPRESS hörte sich um – und spürte ein großes Hoffen und Bangen.

  • Ab 22. März 2021 sollen die Biergärten öffnen
  • Die Auflagen machen den Wirten Schwierigkeiten
  • Viele wollen so nicht öffnen

Der vierte Schritt der bekannten Tabelle dokumentiert es: Ab 22. März bei einem Inzidenzwert von 50 bis 100 Öffnung der Außengastronomie mit vorheriger Terminbuchung. Jeweils mit tagesaktuellem Schnell- oder Selbsttest.

Kölner Wirte stehen vor Kontroll-Chaos

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Das heißt: Es gibt für jeden Wirt einen Hürdenlauf. Er muss zunächst ein System und einen Kontrolleur für Buchungen haben.

Dann fachkundige Mitarbeiter und einen Ort, etwa ein Zelt, um Schnelltests vor Ort durchführen zu können. Dann Platz für die wartende Kundschaft. Um diese dann auf Abstand platzieren zu können.

Kölner Biergarten-Chef: Das kann sich nicht lohnen

Für Josef Rayes, Chef des Biergartens am Aachener Weiher, scheint das unzumutbar: „Die Warteschlange meiner Gäste wird wohl rund um den See gehen. Die Auflagen für die Tests und Mitarbeiter sind nicht zu stemmen. Abgesehen davon müssen ja immer wieder Tische, Stühle, Toiletten desinfiziert werden.“

Rayes ist überzeugt: „So viel Geld kann kein Wirt verdienen, damit sich das lohnt.“

Südstadt-Gastronom Thies Bumann fragt sich, was da wieder auf ihn und seine Kollegen zukommt: „Für mich ist das eine Suppe voller Fragezeichen. Die Kosten für einen Pavillon vor der Tür, die Genehmigungskosten für dieses Zelt, die Kosten für Tests. Die Kontrollen, ob die Schnelltests auch wirklich echt und gültig sind. Wer soll das bezahlen? Zudem wird es Leute geben, wie bei Maskenverweigerern, die sich einfach hinsetzen. Dann haben wir den Ärger.“

Corona-Öffnungen: Kölner Wirte bangen um Existenz

Ein bekannter Gastronom, der aus Sorge vor Repressalien der Stadt anonym bleiben will, sagt: „Die ganze Lage ist absurd. Die Vorgaben der Politik sind unrealistisch. Wir bangen um Existenzen, niemand wird seine Mitarbeiter aus der Kurzarbeit holen, um sie diesem Test-Irrsinn vorm Lokal auszusetzen. Zudem ist das Wetter Ende März und im April unberechenbar.“

Bleiben also die meisten Läden in Köln dicht?
Auf EXPRESS-Anfrage sagte ein Sprecher der Stadt: „Momentan kann noch kein konkretes Datum zur Öffnung der Außengastronomie in Köln benannt werden. Die Stadt Köln wird zu gegebener Zeit über die weiteren Schritte informieren.“

Umfrage: Nur wenige Wirte wollen öffnen

Laut einer Umfrage des Dehoga NRW wollen nur gut 15 % der Befragten ihre Außengastronomie mit Sicherheit öffnen. Gut 34% werden nicht öffnen, 31,5% sind noch unsicher.

„Die Unsicherheit ist mit Händen zu greifen, wie Außengastronomie im wechselhaften Übergang von Winter zu Frühling funktionieren soll“, sagte der Präsident des Dehoga NRW, Bernd Niemeier.

Zudem bereite vielen Gastronomen die Wirtschaftlichkeit Kopfzerbrechen. Nur 3,3% hätten angegeben, dass mit der Außengastronomie allein ihr Betrieb wirtschaftlich geführt werden könne: „Wir fühlen uns von der Politik im Stich gelassen, weil die Voraussetzungen für eine verlässliche Öffnungsperspektive immer noch fehlen“, klagt Niemeier.

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