Der Westdeutsche Rundfunk plant eine Radikalkur für sein Radio-Angebot und löst damit eine Welle der Empörung aus. Die geplanten Änderungen für den Kölner Sender treffen auf massiven Widerstand.
Protest gegen Kölner SenderpläneBöhmermann-Wut auf WDR: „Dümmste, was man machen kann“

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Der Kölner Sender WDR will seinen Radiosender Cosmo neu ausrichten – und erntet dafür scharfe Kritik. (Archivbild)
Beim WDR in Köln sorgt die angekündigte Umstrukturierung von Sendern für gewaltigen Wirbel. Der Sender hatte in der Vorwoche verkündet, dass die Jugendwellen Cosmo und 1Live Diggi ein neues Konzept bekommen sollen. Wie das Gremium in Köln bekannt gab, stimmte der WDR-Rundfunkrat dem Vorhaben nur mit einer knappen Mehrheit zu.
Das bedeutet konkret: Ab dem Frühjahr 2027 soll Cosmo als „1Live Street“ senden, während 1Live Diggi den neuen Namen „1Live Lounge“ erhält. Durch diesen Beschluss ebnete der Rundfunkrat den Weg für die strategische Umgestaltung der beiden Radioprogramme ab April 2027.
Zoff um Cosmo-Aus: Linke und Böhmermann auf den Barrikaden
Vor allem die Umgestaltung von Cosmo, dessen Schwerpunkt künftig von Weltmusik auf Hiphop verlagert werden soll, heizt die Gemüter an. Dies führt zu Wut und Anschuldigungen gegen die Senderleitung. Am Dienstag (9. Juni) protestierte die Linke NRW scharf gegen die beschlossene Veränderung.
Die Partei ließ verlauten: „Die Linke NRW verurteilt die Pläne von WDR und ARD, den Radiosender Cosmo in seiner bisherigen Form einzustellen und zahlreiche muttersprachliche Angebote – darunter die kurdischsprachigen Sendungen – ab 2027 zu streichen“.
„Gerade in einer Zeit, in der rechte und rechtsextreme Kräfte an Einfluss gewinnen, ist dieser Schritt ein fatales Signal für Medienvielfalt, gesellschaftliche Teilhabe und demokratische Öffentlichkeit.“ Darüber hinaus appellierte die Partei an den WDR-Rundfunkrat, den Beschluss zu revidieren und das komplette Programm von Cosmo auf Dauer zu sichern.
Als besonders fragwürdig wird die „geplante Prioritätensetzung“ bezeichnet. „Während türkischsprachige Angebote sowie digitale Formate von WDRforyou auf Arabisch und Persisch fortgeführt werden sollen, droht die kurdische Sprache vollständig aus dem öffentlich-rechtlichen Programm zu verschwinden.“ Die Partei rügt, der öffentlich-rechtliche Rundfunk trage jedoch die „besondere Verantwortung, Minderheiten sichtbar zu machen und Sprachvielfalt aktiv zu schützen“.
Alexandra Mehdi, die designierte Spitzenkandidatin der NRW-Linken, wird dazu wie folgt zitiert: „Wer die kurdische Sprache aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk verdrängt, sendet die Botschaft aus, dass die Identität von Millionen Menschen weniger wert ist als die anderer Gruppen. Gerade Minderheiten brauchen Sichtbarkeit und Räume in den Medien – nicht neue Ausschlüsse“.
Böhmermann attackiert WDR: „Das Allerletzte, das Allerdümmste“
Schon vorher hatte der Satiriker und Entertainer Jan Böhmermann die WDR-Vorhaben scharf kritisiert. In seinem Podcast „Fest & Flauschig“ sagte er am Sonntag (7. Juni), bei Cosmo hätten „die klügsten Menschen gearbeitet, die ich im öffentlich-rechtlichen Radio kennengelernt habe“.

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Jan Böhmermann. (Archivbild)
Der geplante Umbau sei „mega-schief“, führte er weiter aus: „Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten scheißen sich ein, öffentlich-rechtliche Managements lassen sich politisch unter Druck setzen – und machen Dinge, von denen ich glaube, dass sie sie in ein paar Jahren wieder bereuen werden.“
Petition #saveCOSMOradio knackt fast die 100.000er-Marke
Der Kern von Böhmermanns Kritik: Gespart wird ausgerechnet dort, wo der gesetzliche Auftrag und die Einzigartigkeit zu finden sind. „Dinge wegzustreichen, die zum Kern des öffentlich-rechtlichen Auftrags gehören, ist wirklich das Dümmste, was man machen kann.“
Gleichzeitig monierte Böhmermann die Fülle an austauschbaren Sendern: „Warum gibt es 80.000 verschiedene Popwellen? Alles der gleiche Bums, die gleichen Lieder, die gleichen austauschbaren Moderationen.“ Die WDR-Pläne seien „das Allerletzte, das Allerdümmste“, polterte der Satiriker. Er warnte, dass am Ende die Zuhörerschaft weglaufen werde, bis „das System einfach kaputtgeht“.
Noch vor der Entscheidung des WDR-Rundfunkrates hatten sich auch andere Prominente für Cosmo starkgemacht. Bereits zuvor hatte die Initiative #saveCOSMOradio eine Petition gegen das Projekt gestartet. Zur Unterstützung werden dort unter anderem der Musiker Herbert Grönemeyer sowie die Komikerin und Influencerin Gazelle aufgeführt. Inzwischen haben beinahe 100.000 Menschen diese Petition unterschrieben. (red)
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