Nach A3-Horror in Köln ADAC empört: Jetzt startet „Operation Hosenträger”

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Schreckliche Szenen auf der A3 in Köln: Die Bilder vom Unfallort zeigen, wie das Auto unter einer metergroßen Platte zerstört wurde. Die Fahrerin hat den Unfall nicht überlebt.

Köln – Es war ein unfassbares Unglück am 13. November 2020: Anne M. (66) aus Nippes wurde von einer Betonwand auf der A3 in Dellbrück getötet. Ursache: Pfusch am Bau.

Zwei Spuren sind nun gesperrt, erste Sicherungsmaßnahmen unternommen, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Jetzt warnt der ADAC vor einem jahrelangen Stau-Chaos mit Auswirkungen auf ganz Nordrhein-Westfalen – inklusive erhöhtem Unfallrisiko.

A3 in Köln: „Die Autobahn” startet neues Projekt

Fakt ist: Die A3 zwischen Leverkusener Kreuz und Köln-Ost ist eine der meistbefahrenen Autobahnen Deutschlands. Bis zu 170.000 Autos und 30.000 Lkw rollen über den Abschnitt – täglich.

Der Sog und die Vibrationen, wenn 40-Tonner mit 80 bis 100 Stundenkilometern an der eine Armlänge entfernten Lärmschutzwand vorbeidonnern, sind enorm. Zu stark waren sie offensichtlich für die improvisierten Verankerungen der fünf Tonnen schwere Lärmschutzwand, die nach vorn kippte – und den Polo der Kölnerin erwischte. Sie hatte keine Chance.

A3 in Köln: Nach Unfall sollen Schutzwände gesichert werden

Die neu gegründete und seit 2021 zuständige Bundesgesellschaft „Die Autobahn“ will jetzt im Sinne der Sicherheit aller Kraftfahrer nicht kleckern, sondern klotzen: Statt lediglich die sieben fehlerhaft montierten Elemente auszubessern, sollen alle 200 Schallschutze (je 2,50 Meter mal 5,30 Meter) entlang der Unfallstelle in beiden Fahrtrichtungen optimal fixiert werden.

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Die Traueranzeige für die verstorbene Anne M. erschien am Samstag (21. November) im Kölner Stadt-Anzeiger.

Nach dem Motto „Operation Hosenträger“ sollen dabei jeweils zwei parallele, verankerte Stahlplanken, also 400 Stück, die Platten daran hindern, nach vorne zu fallen.

ADAC kritisiert neues Vorgehen bei der A3 in Köln

Das Problem: Jeder „Hosenträger“ muss, wie bei Menschen, individuell angepasst werden, da die Wände verschiedene Maßen und Standorte mit unterschiedlichen Winkeln zu den Fahrbahnen hätten. Laut „Autobahn GmbH“ sollen die Arbeiten mit den jetzt schon resultierenden Staus bis etwa Juni andauern.

Doch das schätzt Prof. Dr. Roman Suthold, Verkehrsexperte des ADAC Nordrhein, als „äußerst fraglich“ ein. „Im Zweifel kann der Prozess bei so einem Ausmaß mehrere Jahre dauern. Das wäre ein Desaster mit negativen Auswirkungen auf das gesamte Autobahnnetz in Nordrhein-Westfalen.“

ADAC erklärt: Höheres Staurisiko bedeutet höheres Unfallrisiko

Und weiter: „Solange die Anzahl der Fahrstreifen reduziert ist, brauchen Autofahrer auf diesem ohnehin stauanfälligen Abschnitt noch mehr Geduld. Und mit dem höheren Staurisiko steigt das Unfallrisiko.“

Für den ADAC ist klar, dass die Erbauer des kritischen Abschnitts schon 2007 wussten, welche Belastungen der Lkw-Verkehr für die Schallschutzelemente mit sich ziehen würde. Jetzt an diesem neuralgischen Knotenpunkt solch eine Mammutaktion zu starten, sei nicht im Sinn der Kraftfahrer.

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