Kommentar der Lanxess-Arena Immer noch Regelchaos, keine Planungen möglich

Die Lanxess-Arena in Köln (Nordrhein-Westfalen), aufgenommen am 03.05.2017. Hier findet am 05.05.2017 das Eröffnungsspiel der Eishockey-WM statt. Die WM wird in Köln und Paris ausgetragen. Foto: Marius Becker/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Eishockey WM - Lanxess-Arena

Viele Länder in Europa beenden nach und nach die strengen Regelungen zur Eindämmung der Coronapandemie. Auch in Deutschland ist der Ruf nach sinnvollen und angemessenen Öffnungsschritten laut. Die Politik reagiert zwar auf die Forderungen, jedoch lassen sie dabei in vielerlei Hinsicht Verhältnismäßigkeit und logisch begründbare Ansätze vermissen. Die Lanxess-Arena in Köln, Deutschlands größte und bestbesuchte Multifunktionsarena mit bis zu 20.000 Besuchern, betont folgend die Unabdingbarkeit eines schnellstmöglichen Kurswechsels.

Pauschalgrenze von 750 Gästen

In den vergangenen Tagen wurde klar: Der Karneval darf stattfinden – unter besonderen Bedingungen, aber er darf stattfinden. In Deutschlands Karnevalshochburg Köln wurde dies natürlich mit äußerstem Wohlwollen aufgenommen. Kneipen und Bars dürfen unter „2G++“-Bedingungen befüllen, auf den Straßen wird im „2G+“-Modell gefeiert. Dies befürwortet das Team der Lanxess-Arena und Geschäftsführer Stefan Löcher ausdrücklich, denn die Menschen brauchen auch wieder Selbstbestimmung und Selbstverantwortung. Der einzige Haken: Aus Sicht der politischen Entscheidungsträger scheint das Virus erst ab dem 751. Gast zu wirken. Ist die Pauschal-Grenze von 750 zugelassenen Karnevals-Jecken für kleinere Locations und Gastronomiebetriebe zwar irrelevant, so kommt sie für große Eventlocations und multifunktionale Arenen wie der Lanxess-Arena einer Geschäftsschließung gleich.

„Wir empfinden dies als Ungleichbehandlung“

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Die Suche nach Argumenten, wieso in einer 100 Personen fassenden Bar ebenjene 100 Personen eng an eng feiern dürfen und zeitgleich ein großer lokaler Wirtschaftsfaktor wie die Lanxess-Arena lediglich dabei zuschauen darf, bleibt erfolglos. „Sind 25 kleine Events mit 750 Personen virologisch anders zu bewerten als eine Großveranstaltung mit 10.000 bzw. 20.000 Personen unter denselben „2G++“-Bedingungen? Randfaktoren, wie zum Beispiel das deutlich leistungsstärkere Durchlüftungssystem einer Eventarena, bleiben ohnehin gänzlich unbeachtet. Wir empfinden dies als Ungleichbehandlung“, kommentiert Stefan Löcher.

Symbolpolitische Elemente verstärkt

Zur Klarstellung: Selbstverständlich gönnt die Lanxess-Arena jedem einzelnen Gastronomie- und Kulturbetrieb jeden einzelnen Gast, der empfangen werden darf. Dies ist richtig und wichtig! Es fehlt jedoch bereits seit geraumer Zeit eine Linie, eine Verhältnis- und Sinnhaftigkeit in den politischen Entscheidungen, die immer mehr von symbolpolitischen Elementen geprägt sind.

Dramatische Auswirkungen zu befürchten

Offensichtlich sind nicht nur die Karnevalsfeiertage relevant: 4.000 Zuschauer indoor, 10.000 Zuschauer outdoor: So lauten die Maximalkapazitäten für Großveranstaltungen in NRW. Während ganz Europa schon wieder Großveranstaltungen erlaubt, hinkt Deutschland in dieser Hinsicht weit hinterher. Die Hospitalisierung steigt insgesamt nicht und die Auslastung der Intensivbetten ebenfalls nicht. Die Folgen werden spürbar: Die ersten internationalen Künstler signalisieren, ihre für den Frühling geplanten Tourneen stattfinden zu lassen – ob nun mit oder ohne Tourhalt hierzulande. Der sechstgrößte Wirtschaftszweig Deutschlands wird also von Seiten der Politik zu wahrhaftigen ökonomischen Wettbewerbsnachteilen gedrängt, die schon kurzfristig dramatische Auswirkungen haben könnten.

Nur drei Prozent der Gesamtkapazität

Eine schöne Veranschaulichung der Absurdität der zurzeit geltenden Regelungen liefert auch ein Blick auf den Eventkalender der Deutzer Arena: Am 22. Februar absolvieren die Kölner Haie ihr Heimspiel in der Deutschen Eishockey Liga gegen die Eisbären Berlin. Zugelassene Zuschauer: 4000. Nur zwei Tage später, am Karnevalsdonnerstag, dürften theoretisch lediglich 750 Zuschauer in die Arena, rund drei Prozent der Gesamtkapazität. In Großbritannien gelten an beiden Tagen keinerlei Einschränkungen, trotz einer vergleichbaren Impfquote und Inzidenz.

Integration der Durchlüftungsbedingungen

Man kommt also nicht umhin, sich folgende Fragen zu stellen: Warum sind so viele andere Länder bedeutend besser und schneller damit, zu lernen mit dem Virus zu leben? Wieso fällt es den politischen Entscheidungsträgern so schwer, im Zuge der Öffnungsstrategie auf Logik, anstatt auf augenscheinliche Symbolpolitik zu setzen? Wieso findet nach zwei Jahren Pandemie immer noch keine ganzheitliche Betrachtungsweise von Eventlocations, mit Integration der Durchlüftungsbedingungen, der Größe, Infrastruktur sowie sitzplatzgenaue Nachverfolgung statt?

Anfahrt kein Argument

Das einzig valide Argument der Untersagung von großen Indoor-Veranstaltungen mit nachweislich sicheren Corona-Konzepten, wäre die An- und Abreisebedingungen der vielen Besucher mit Bus, Bahn oder zu Fuß. Da dieses Argument bei Outdoor-Events aber ebenso wiegt und hier 10.000 Zuschauer erlaubt sind, konterkariert die Politik mit dieser Begründung ihre eigenen Entscheidungen einmal mehr.

Veranstaltungsbetriebe als Teil der Lösung

Ein erstes Startsignal für einen Kurswechsel kommt aus Bayern: Hier sollen zeitnah 75 Prozent der Maximalkapazitäten im „2G“-Modell inkl. FFP2-Maske möglich sein. Um jedoch nicht ein desolates Wettbewerbsungleichgewicht zu generieren, bedarf es einer deutschlandweit einheitlichen Lösung. Eins wird mit Nachdruck klargestellt: Die Lanxess-Arena sieht sich und die Veranstaltungsbetriebe Deutschlands als Teil der Lösung, nicht als Teil des Problems. Seit März 2020 entwickelten sie Konzepte, setzten diese um und hielten sich dabei strickt an politische Vorgaben. Dies werden wir auch weiterhin tun. Nicht erst jetzt ist es daher an der Zeit, dass dies von der Politik berücksichtigt und versucht wird, Großveranstaltungen sicher und argumentativ logisch zu gestatten, bevor es für eine gesamte Branche zu spät ist.

Nicht nachvollziehbar

Arena-Geschäftsführer Stefan Löcher verdeutlicht: „Die aktuelle Corona-Politik halten wir für nicht abschließend nachvollziehbar und verhältnismäßig. Wir gehen davon aus, dass die symbolpolitischen Maßnahmen nun deutlich nachlassen und spätestens ab dem ersten März deutlich geöffnet wird, sprich zum Beispiel 75 Prozent der möglichen Maximalkapazität sollten erlaubt sein. Es lässt einen verzweifeln, wenn man sieht wie unsere Nachbarländer es schaffen sinnvoll zu öffnen. Dies wird uns wirtschaftlich und kulturell hart treffen und wenn wir nicht ganz schnell Gegenlenken, wird das kulturelle Leben in unserem Land sich verändern. Menschen brauchen wieder Selbstbestimmung, Selbstverantwortung und für ihre Emotionen Musik und Entertainment. Deutschland sollte schnell aufschließen, damit internationale Künstler dieses im Rahmen ihrer Tour Planung berücksichtigen können. Ich würde mir auch für die Generation der Kinder und Jugendlichen, die unter Corona sehr sehr stark leiden, endlich etwas mehr Freiheit für ihre Entwicklung wünschen.“

Beispiel an den Nachbarnationen nehmen

Das politisch übergeordnete und von der Lanxess-Arena ausdrücklich unterstützte Ziel, den Betrieb des Gesundheitswesens und jeglicher kritischen Infrastruktur sicherzustellen und eine Überlastung zu verhindern, ist beim Heranziehen aller genannten Argumente durch die überlegte Durchführung von Großevents keinesfalls gefährdet. Daher fordert die Lanxess-Arena im Namen der gesamten Veranstaltungsbranche ein schnellstmögliches Umdenken der politischen Entscheidungsträger am Beispiel zahlreicher europäischer Nachbarnationen wie Dänemark oder Frankreich.

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