Schnee, Hagel, Kälte „Wetterfrosch“ Plöger: Jet-Stream sorgt für kölschen Bibber-April

Wetter Köln Aprilwetter

Am Mittwoch (6. April 2021) geht über dem Deutzer Ring einer der zahlreichen Schneeschauer nieder. 

Köln – Ein Tag – vier Jahreszeiten. Atmosphärisches Chaos in Köln: Schneesturm, Sonnenschein, Graupelschauer im Zehn-Minuten-Takt und das seit Ostermontag (5. April 2021). Ist das noch Aprilwetter oder schon Klimawandel? EXPRESS hat einen Experten um Rat gebeten.

  • Star-Meteorologe Sven Plöger erklärt das Wetter-Chaos in Köln
  • Wechselhaftes Wetter im April durchaus normal
  • Aber: Klimawandel ist dennoch deutlich spürbar

Die gute Nachricht vorab: Das, was wir in den vergangenen drei Tagen in Köln und ganz Deutschland erlebt haben, ist kein Vorbote der nahenden Klima-Katastrophe. „Das ist schlicht und einfach Aprilwetter der kalten Sorte. Wie es auch in früheren Jahren immer mal wieder vorkam“, erklärt der rheinische Wetterfrosch Sven Plöger (53).

Klimawandel? Meteorologe erklärt Kölner Schneetreiben

Es ist das Ergebnis der aktuellen Wetterlage: Ein Hochdruckgebiet (dreht sich im Uhrzeigersinn) über der Nordsee und ein Tiefdruckgebiet (dreht sich gegen den Uhrzeigersinn) über Skandinavien vermischen nasse Seeluft mit kalter arktischer Luft und transportieren dieses Gemisch nach Deutschland.

Sven Plöger Dach_Bildnachweis Sebastian Knoth (002)

Der Bonner Star-Meteorologe Sven Plöger steht im Jahr 2019 vor den Dächern der Kölner Südstadt.

So weit so normal. Aber: „Was nicht typisch ist, sind diese krassen Wechsel von sehr warm auf sehr kalt innerhalb weniger Tage“, so der ARD-Meteorologe.

Rheinischer Klima-Experte analysiert Wetter in Köln

Wir erinnern uns: Ende März stiegen die Thermometer plötzlich auf neue Rekord-Werte mit bis zu 27,1 Grad in Köln-Porz. „Es war noch nie so warm im März“, sagt Plöger. „Und jetzt ist es für Anfang April wirklich extrem kalt.“

Besonders heftig schlugen die Wetterwechsel im Februar zu: Erst Schnee-Chaos, dann Mega-Frühsommer mit Temperaturschwankungen von mehr als 40 Grad innerhalb kürzester Zeit.

Sven Plöger erklärt paradoxen Klima-Effekt

„Das hat, wenn man es über einen längeren Zeitraum betrachtet, mit Klimaveränderungen zu tun“, betont der Diplom-Meteorologe.

Die Erklärung dahinter klingt zunächst mal paradox: „Unsere Hochs und Tiefs bewegen sich langsamer. Und wenn sie sich langsamer bewegen, dann wird eine Strömung aus einer Richtung länger aufrechterhalten.“

Ab Donnerstag ist Schluss mit Wetter-Wirrwarr

Also: Je länger entweder die kalte Luft aus der Arktis oder die heiße Luft aus Afrika nach Europa geblasen wird, desto extremer die Temperaturen. Ursache für diese Verlangsamung der Hoch- und Tiefdruckgebiete sind Veränderungen in den Höhenwinden, dem sogenannten Jet-Stream.

„Der ist gestört, weil sich das Eis an den Polkappen im Mittel schnell zurückzieht. Das verändert die Abläufe in unserem Wettersystem und ist dann ein Ausdruck des Klimawandels“, erklärt Sven Plöger.

Für die nächsten Tage gibt der Fachmann übrigens Entwarnung: Ab morgen ist Schluss mit dem Wetterwirrwarr.

Experte: Aprilwetter geht, Klimawandel bleibt!

„Das Hoch beginnt jetzt, sich zu verschieben. Das wird dazu beitragen, dass morgen kaum noch Niederschlag fällt“, so die Plöger-Prognose am Mittwoch (7. April 2021). „Die Strömung dreht auf Südwest und dann haben wir am Freitag so 10 bis 15 Grad am Nachmittag. Eigentlich normal für die Jahreszeit, aber fühlt sich jetzt nach der großen Kälte natürlich für viele überraschend warm an.“

Das Aprilwetter haben wir dann erst mal hinter uns. Der Klimawandel aber wird uns noch eine Weile beschäftigen.

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