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Pionier-Arbeit an der BasisKölner Firma macht die Kleinen zu Stars – mit einer Kamera

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Dr. Caroline Päffgen ist seit 2019 Director von sporttotal.tv.

von Niklas Brühl (nb)

Köln – Köln ist eine Sportstadt. Doch neben den großen Vereinen wie dem 1. FC Köln oder den Kölner Haien, gibt es tausende weitere Aktive und Funktionäre, die meist außerhalb der großen Öffentlichkeit arbeiten und wirken: die Amateursportler.

Das Kölner Unternehmen sporttotal, das am Coloneum in Ossendorf sitzt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem Amateursport eine Plattform zu bieten, auf der sie ihre Spiele, Tätigkeiten und ihren kuriosen Alltag präsentieren können – durch Streaming.

Auf einen Blick: Das Kölner Unternehmen sporttotal

Alles zum Thema Fußball-Bundesliga

Das Kölner Unternehmen sporttotal entstand aus der Wige Media GmbH und hat seinen Sitz am Coloneum in Ossendorf. Seit 2016 bietet die Plattform sporttotal.tv verschiedene Sportarten zum Livestreamen an, neben zahlreichen Amateurfußballspielen auch unter anderem Motorsport und die Volleyball-Bundesliga. Außerdem wird einmal pro Woche, pro Monat und pro Jahr das schönste Tor im Amateurbereich gekürt. Der Sieger erhält für seinen Vereinen einen zur Verfügung gestellten Mannschaftsbus. Insgesamt arbeitet das Unternehmen mit knapp 800 Vereinen zusammen, auch im Ausland, und beschäftigt knapp 200 Mitarbeiter (80 in Köln).

Im EXPRESS-Interview sprechen Director Dr. Caroline Päffgen und Head of Sports Alexander Neyer unter anderem über die Motivation des Unternehmens, die Besonderheiten des Standorts Köln, den letztjährigen Abstieg Fortuna Kölns und ob sie sich als Konkurrent der Fußballrecht-Giganten Sky oder DAZN sehen.

Sporttotal für Unwissende: Was zeichnet Sie als Unternehmen aus? Wofür stehen Sie?

Päffgen: Sporttotal ist eine Streaming-Plattform, die sich zur Aufgabe gemacht hat, untermedialisierten Sportarten ein Zuhause zu geben. Dadurch geben wir diesen eine Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit, die sie vorher nicht hatten. Mit dieser Grundidee sind wir 2016 gestartet.

Damals haben wir uns gefragt: Wie bekommen wir das hin? Der Lösungsansatz hierbei war die Arbeit mit einer automatisierten Kamera. Daraufhin haben wir den Markt sondiert und sind letztendlich auf einen Zulieferer aus Israel gestoßen, mit dem wir dann auch eine Partnerschaft eingegangen sind, um die Kameras auf die Plätze zu bringen. Die Kamera wird einmal installiert, meistens an der Mittellinie, und kann das Spielgeschehen durch einen Algorithmus automatisiert verfolgen. Außerdem nimmt die Kamera in 180 Grad auf, sodass dem Zuschauer vom Spiel nichts verborgen bleibt.

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Dr. Caroline Päffgen ist seit 2019 Director von sporttotal.tv.

Wie waren dann die Anfänge, was ist ihr größter Markt?

Päffgen: Der größte Markt in Deutschland ist Fußball, klar. Wir haben 2017 dann einen Rahmenvertrag mit dem DFB abgeschlossen. Dieser Vertrag hat uns dann erstmals die Möglichkeit gegeben, in Gespräche mit den Regional- und Landesverbänden zu treten, welche die Rechte an den einzelnen Ligen halten. Es war aber unser Ansatz, dass wir alle Sportarten übertragen wollen. Sporttotal eben.

Köln als wichtiger Medien-Standort: sporttotal seit 1979 in Köln beheimatet

Deshalb haben wir auch viele andere Sportarten sondiert und sind so dann auch an unser bisher höchstes Übertragungsrecht gekommen, nämlich die Volleyball-Bundesliga. Das Konzept ist aber immer dasselbe: Für die Kamera ist es egal, ob sich auf dem Spielfeld Volleyballer, Hockeyspieler oder Fußballer bewegen. Somit stellen wir dem Zuschauer Bilder zur Verfügung, die es vorher in der Form nicht gab und geben gleichzeitig den Vereinen und deren Sponsoren eine Sichtbarkeit, die sie so vorher nicht hatten.

Was bedeutet der Standort Köln für Sie?

Päffgen: Die sporttotal.tv GmbH ist aus der Wige Media GmbH entstanden. Diese gibt es seit 1979. Köln ist eine Medienstadt, da sind die Kontaktwege natürlich kurz, die Medialisierung in dem Bereich voranzutreiben. Es ist auch definitiv geplant, diesen Standort hier auch trotz unserer angeschobenen Internationalisierung weiterhin zu halten. Wir arbeiten mittlerweile auch mit Vereinen aus Belgien, Frankreich, Polen oder Tschechien zusammen, werden aber zentral aus Köln gesteuert.

Thema Amateurfußball: Bis zu welcher Liga können Vereine mit Ihnen zusammen arbeiten? Kann das beispielsweise auch der Dorfverein aus der Kreisliga oder gibt es irgendwo eine Grenze?

Päffgen: Wir wollen natürlich die höchstmöglichen Ligen in unserem Portfolio haben. Für uns ist die Regionalliga die Champions League. Wir gehen aber auch bis zur siebten Liga in Bayern und Niedersachsen runter. In den anderen Bundesländern operieren wir hauptsächlich in den vierten bis sechsten Ligen. Denn, je tiefer wir gehen, umso schwerer wird es, unser Modell umzusetzen. Wir sind ein werbefinanziertes Unternehmen und je tiefer man in den Ligen herunter geht, gibt es einfach immer weniger Zuschauer. Da muss man dann auch realistisch sein, dafür ist die Kostenbasis dann noch zu hoch ein Kreisliga-Spiel zu übertragen, bei dem dann vielleicht 100 Leute zuschauen.

Sie haben lange mit dem Kamera-Zulieferer aus Israel zusammengearbeitet, in dem Bereich gibt es nun aber Neuerungen.

Päffgen: Richtig, wir haben eine eigene Kamera entwickelt, um die Kosten komplett selber steuern zu können. Dieser Umstand hat uns nun die Möglichkeit gegeben, eine deutlich günstigere Kamera anzubieten. So werden wir nun auch gegen Ende des Jahres Kreisliga-Vereinen die Chance geben, die Kamera zu bekommen. Aber nicht für einen bestimmten Preis X, sondern mit einer Refinanzierung im Hintergrund. Diese Refinanzierung sieht dann folgendermaßen aus: Die lokalen Sponsoren haben die Möglichkeit, während des Spiels auf unserer Plattform zu werben. Das wird natürlich günstiger, je tiefer man die Ligen herunter geht. Also hat der lokale Handwerksbetrieb oder das Autohaus von nebenan, die Möglichkeit, ihr Sponsoring neben Banden- oder Trikotwerbung auch ins Digitale zu bringen. Die Hälfte der Einnahmen, die wir dann von den Sponsoren fordern würden, gehen an die betreffenden Vereine. Durch dieses Modell können wir also ganz Fußball-Deutschland mit unseren Kameras ausstatten.

Wie lange haben Sie an der eigenen Kamera gearbeitet, wie lange war die Entwicklungszeit?

Päffgen: Die Hardware-Entwicklung hat ungefähr sechs Monate gedauert. Die Software-Entwicklung läuft schon was länger im Hintergrund. Da kann man jetzt aber keine genaue Zeit beziffern, da das ein laufender Prozess war. Der Algorithmus verbessert sich in jedem Spiel, in dem er eingesetzt wird. Also kann man gar nicht sagen: Das Produkt ist heute fertig, denn es entwickelt sich quasi in jedem Spiel weiter.

Sporttotal finanziert sich hauptsächlich durch Werbeeinnahmen, Amateursport soll „sexy“ werden

Wie finanziert sich sporttotal?

Päffgen: Unser Haupteinkommen sind die Werbepartner. Der Endkonsument, also der Fan, muss selber nichts zahlen. Aber eben ähnlich wie bei YouTube beispielsweise, wird vor Übertragungen Werbung eingeblendet. Die Vereine bezahlen eine symbolische Summe von knapp 10 Euro im Monat, welche die operativen Kosten aber nicht deckt. Wir glauben, dass der Amateursport ein so großes Potential hat, dass wir ihn „sexy“ für den Werbemarkt oder für Wettanbieter machen wollen.

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Die Büroräume von sporttotal: Viele Vereine haben dem Kölner Unternehmen zum Dank für die Zusammenarbeit ein Trikot als Andenken zukommen lassen.

Wie meinen Sie das genau?

Päffgen: Es gibt mittlerweile so viele Entertainment-Angebote. Natürlich ist es schwierig, die sechste Fußballliga attraktiver zu gestalten als eine neue Blockbuster-Serie bei Netflix. In dem Fall begeistert man die Leute dann aber über das lokale Interesse. Wir wollen die lokale Berichterstattung als Produkt neben den ganzen anderen Angeboten auf das Papier bringen. Jeder interessiert sich für die Menschen, die er kennt. Man möchte wissen, was hat mein Nachbar in seinem letzten Spiel gemacht? Wer hat im letzten Spiel eine schöne Bude geschossen? Das ist ein Modell, welches sich über eine längere Zeit entwickelt.

Vielleicht ist die Corona-Zeit dafür gar nicht so schlecht oder?

Päffgen: Definitiv, man merkt deutlich, dass die Leute sich so ein bisschen auf das Lokale zurückbesinnen. Große Reisen sind nicht einfach umzusetzen, also ist es interessanter, was um mich und mein Umfeld herum passiert. In diese Stimmung passt unser Konzept gut rein.

Kommentator Tom Bartels: „Fußballprofis leben in einer Wolke“ 

Mal weg vom Amateursport, folgt bald der Angriff auf andere Sport-Anbieter wie Sky oder DAZN?

Päffgen: Nein, da die ein ganz anderes Modell verfolgen als wir. Die kaufen sich Rechte für viel Geld ein und vermarkten es dann. Die Vereine und die Spieler sind da ja gar nicht involviert. Unser Modell sieht dagegen vor, dass die Vereine selbst den Content kreieren. Neben den gestreamten Spielen können die Amateurvereine beispielsweise auch Interviews oder Szenen aus dem Training bei uns hochladen, mit denen sie dann Geld verdienen.

Wie ist das Feedback der Vereine?

Neyer: Eigentlich durchweg positiv. Wir setzen viel auf den Austausch mit den Vereinen, sodass im Vergleich zu den Anfangsjahren jetzt schon eine enorme Steigerung in allen Bereichen zu beobachten ist. Wir sind ja erst drei Jahre auf dem Markt, aber ist ganz klar eine Entwicklung zu sehen, die sowohl uns, als auch die Vereine glücklich macht und da wollen wir natürlich weiter anknüpfen.

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Seit 2016 bei sporttotal: Head of Sports Alexander Neyer

Päffgen: Wir sind in der Hinsicht immer noch digitale Überzeugungstäter. Es gibt natürlich immer noch viele Vereine, die sagen: ‚Wenn das Spiel im Internet zu sehen ist, kommt ja keiner mehr ins Stadion und kauft eine Wurst oder ein Bier.‘ Wir können aber in Zahlen belegen, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Durch die Streams wecken die Vereine mehr Aufmerksamkeit, sodass bei den nächsten Spielen auch mehr Zuschauer kommen und so mehr Würste und mehr Bier kaufen. Da sind Vereine, die unser Konzept schon verstanden haben und damit sehr zufrieden sind natürlich unsere größten Fürsprecher.

Welche Vereine wären das zum Beispiel?

Neyer: Ein sehr gutes Beispiel dafür ist Fortuna Köln, die sich nach dem Abstieg aus der 3. Liga natürlich gefragt haben: Wo finden wir jetzt statt? Sie haben unser Modell auf Anhieb verstanden und sich direkt darauf eingelassen.

So erging es Kölns Amateurclubs in der in der Corona-Krise 

Jetzt haben Sie schon die Rechte für die Volleyball-Bundesliga, soll es in den nächsten Jahren jetzt noch weiter in den professionellen Sport gehen?

Päffgen: Ja, wir schauen uns immer alle verfügbaren Rechte an. Denn natürlich sind da auch für uns sehr attraktive Rechte am Markt, wie beispielsweise Hockey, Eishockey oder Handball. Da arbeiten wir teilweise auch schon mit anderen Anbietern zusammen.

Unser Ansatz wird immer bleiben: Wir kaufen nicht blind irgendwelche Rechte, sondern investieren mit unserer Hardware, den Kameras, um die Vereine, und dadurch gleichzeitig die Fans, auf unsere Plattform zu ziehen und auch langfristig zu binden.