„Unsozial“ Verdi schlägt Alarm: Flughafen Köln/Bonn zockt eigene Mitarbeiter ab

airport

Machen ihrer Wut Luft: Verdi-Gewerkschaftssekretär Özay Tarim (gelbe Weste) mit Betriebsräten der Sicherheitsunternehmen. Das Foto wurde im Januar aufgenommen.

Köln – Teure Luftnummern: Die Parkplatzgebühren am Airport Köln/Bonn ziehen extrem an. Den Wagen für eine Urlaubs- oder Geschäftsreise abzustellen, ist für gewöhnliche Fluggäste eh schon ein beträchtlicher Kostenfaktor.

Jetzt müssen aber auch noch Flughafenbeschäftigte tiefer in die Tasche greifen: Ihre Kosten steigern sich um bis zu 82 Prozent! Betroffen sind ausgerechnet Arbeitnehmer, die gehaltsmäßig nicht gerade Besserverdiener sind, Tag und Nacht einen extrem wichtigen und aufreibenden Job haben und oft lange Wege für ihren Arbeitsplatz in Kauf nehmen: Die Beschäftigten der Sicherheitsunternehmen Kötter Aviation Security, FraSec und Kötter-Airport.

Airport: Parkplatzgebühren steigen drastisch

EXPRESS erfuhr: Die Gebühren für sie erhöhen sich im Parkhaus P3 (nahe Kennedystraße, 2000 Stellplätze) von 365 Euro auf 660 Euro netto pro Jahr. Macht eine Steigerung von mehr als 82 Prozent. Auf dem weitläufigen Open-Air-Parkplatz P5 an der Heinrich-Steinmann-Straße, der wegen seiner kurzen Wege zum Terminal 1 von den Mitarbeitern natürlich favorisiert ist, klettern die Preise von 500 auf 660 Euro netto pro Jahr. Eine Erhöhung von immerhin noch satten 32 Prozent.

Da geht jetzt die Gewerkschaft Verdi auf die Barrikaden: „Diese Art von extrem überzogener Preiserhöhung ist einfach nur unverhältnismäßig, unsozial und mit nichts zu rechtfertigen“, so Gewerkschaftssekretär Özay Tarim zum EXPRESS. „Die Beschäftigten werden mit dieser Erhöhung finanziell massiv belastet. Sie fühlen sich abgezockt.“

Köln Bonner Flughafen: Sicherheitsleute sauer

Tarim rechnet vor, was auf jeden einzelnen der rund 600 Parkplatz-Nutzer zukommt: Statt wie in P3 vorher 36,20 Euro Endpreis zahlt nun jeder Kollege inklusive Steuern 65,45 Euro. Also mehr als 80 Prozent! „Wer einen Stundenlohn von 14 Euro brutto hat, muss also einen kompletten Tag nur dafür arbeiten, dass er sein Auto am Flughafen unter freiem Himmel abstellen darf. Und das nach oft langer Suche, denn es gibt ja für die Kollegen keine reservierten Flächen. Wie gesagt: Das alles halte ich für unsozial.“ Zum Vergleich: Frachtmitarbeiter, etwa von DHL, dürfen Parkplätze kostenlos nutzen. Sämtliche Gebühren, so bestätigt Sprecher Achim Gahr, übernimmt die DHL.

Köln Bonner Flughafen: Grund für neue Parkpreise

Warum zieht der Flughafen Köln/Bonn jetzt die Gebühren so stark an? Airport-Sprecher Alexander Weise erklärt: „Der Parkplatz P5 ist mit circa 2.200 Parkplätzen unser zentraler Mitarbeiterparkplatz. Die steigenden Mitarbeiterzahlen der vergangenen Jahre – inzwischen arbeiten fast 15.000 Menschen am Airport – führen hier immer wieder zu Kapazitätsengpässen. Sowohl in der Nacht als auch tagsüber.“

Weise weiter: „Aufgrund dieser Kapazitätsengpässe werden nun zum 1.4.2020 die Tarife angepasst.“ Im Klartext: Der Flughafen will Mitarbeiter durch die Erhöhung unter Druck setzen, nicht mehr auf P3 oder P5 zu parken. Was wäre die Alternative? Parkplätze in den Wohngebieten drumherum?  Fahrgemeinschaften? Umsteigen auf Bus und Bahn?

Kötter Airport Security: Kollegen auf Auto angewiesen

„Für viele Kollegen im Schichtdienst, darunter natürlich auch Frauen, ist es nicht möglich, früh morgens oder nachts mit der KVB nach Hause zu fahren“, so Tarim. „Viele wohnen auch weit entfernt im Umland, manche kommen sogar aus Duisburg. Sie alle sind individuell aufs Auto angewiesen und fühlen sich insofern erpresst.“

Nicht genug: Eigentlich wollte die Airport-Geschäftsführung um den Vorsitzenden Johan Vanneste die Parkplätze für die Sicherheitskollegen noch deutlich teurer machen als nun verlangt. Wie die Kötter Airport Security der Belegschaft mitteilte, sei es jedoch durch eine direkte Jahres-Vorauszahlung an den Flughafen gelungen, einen Park-Rabatt in Höhe von 16 Prozent zu erreichen. Sonst hätte die Monatsgebühr sogar bei 78,54 Euro gelegen.

Köln Bonner Flughafen: Verdi für Gratisplätze

Allein die Vorauszahlung von Kötter an den Airport dürfte bei weit über 100.000 Euro liegen. Für den Flughafen, der nach einem Passagier-Minus im vergangenen Jahr(lesen Sie hier mehr) und nach einem prognostizierten Verlust von knapp 20 Millionen Euro in 2019 die Erlösseite verbessern muss, ein lukratives Geschäft. Verdi will nun bei den Ende Januar 2020 beginnenden Tarifverhandlungen für das Sicherheitspersonal an Verkehrsflughäfen die Personal-Parkplatzkosten zum Thema und sogar zu einer Tarifforderung machen.

Tarim: „Die Unternehmen sind hier in der Verantwortung. Wer von seinen Beschäftigten Rund-um-die-Uhr-Einsatz erwartet, muss dafür auch gute Voraussetzungen schaffen!“

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.