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„Schafe“ Attacken Bauprojekt Gleueler Wiese: Schäfer zerpflückt den 1. FC Köln

Schäfer Ingolf Bollenbach

Schäfer Ingolf Bollenbach: Die Gleueler Wiese gehört zu den Wiesen, die seine Schafe nutzen.

Köln – Das also ist die Wiese, auf die der 1. FC Köln will. Das Erste, was auffällt: ganz viel Schafe. Und – sagen wir es offen – ganz viel Scheiße.

Hier darf man es gar nicht anders sagen. Denn wir sind auf der Gleueler Wiese; Kölns politisches Tretminenfeld Nummer 1.

Egal, in welche Richtung du dich bewegst, haftet dir am Ende je nach Sichtweise was Übles an: Entweder du zerstörst eine Naturlandschaft oder du zerstörst die Zukunftspläne des FC. EXPRESS hat das umkämpfte Areal besucht.

Eiin Schaf auf der Gleueler Wiese

„Shaun“ mer mal: Am 18. Juni entscheidet der  Stadtrat über die Zukunft der Gleueler Wiese. Der 1. FC Köln plant auf der derzeit von Schafen beweideten Fläche den Bau von Trainingsplätzen.

Alles zum Thema Konrad Adenauer

Bei Ankunft ist es 11.30 Uhr. Ein normaler Werktag. Auf dem Parkplatz steht gleich am Rand der Wiese ein kompakter Caravan. Hier wohnt jemand.

Es ist Ben (32), er ist Barmann, aber wegen der Corona-Krise gerade ohne Job. Keine Fotos bitte, sagt er. Die Freundin räkelt sich noch in den Federn. Aber wir können reden.

Barmann lebt im Caravan und blickt auf Kölns wilde Wiese

„Das ist in Köln die schönste Wiese überhaupt“, schwärmt Ben. Er spricht von Grashüpfern, Libellen, Käfern, Bienen und Hummeln. Über ihm schweben Greifvögel am Himmel. Der Blick ist weit und ungetrübt.

Die Pläne des 1. FC Köln: Ein Leistungszentrum und mehrere Trainingsplätze

Der 1. FC Köln, der an seine Kapazitätsgrenze stößt, will ein zweigeschossiges Nachwuchs-Leistungszentrum am Geißbockheim bauen, und hier auf der Gleueler Wiese außerdem drei Kunstrasenplätze und vier Kleinspielfelder. Die soll auch die Bevölkerung nutzen. Das Kostenvolumen des Projekts liegt bei 20 Millionen Euro.

Die Stadtverwaltung hat den Weg für die FC-Ausbaupläne frei gemacht. Der Stadtkonservator hält den Eingriff in den im Jahr 1980 in die Denkmalschutzliste aufgenommenen Äußeren Grüngürtel für verträglich.

Ein „Faunistisches Fachgutachten“ stellte 58 Vogelarten fest, davon 19 als „planungsrelevant“, davon besitzen neun Arten Fortpflanzungs- und Ruhestätten, wie Gimpel, Habicht, Kleinspecht, Waldkauz, Waldohreule, Grauschnäpper, Weidenmeise, Star und Mäusebussard.

Ein Käfer auf der Gleueler Wiese

Ein sogenannter Weichkäfer auf der Gleueler Wiese, eine weit verbreitete Art.

Vier Fledermausarten jagen hier. Igel, Maulwurf, Rotfuchs, Eichhörnchen und Kaninchen wurden registriert. „Ein Nachweis von Reptilien gelang nicht“, heißt es in der Beschlussvorlage für den Rat. Außerdem: Unter den Lebewesen hier am Militärring befinden sich keine gefährdeten Tierarten.

Eine breite Mehrheit aus CDU, SPD und FDP unterstützt das Bauprojekt des Bundesligaclubs, die Grünen stemmen sich dagegen. Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) ist mit Hinweis auf über 7000 in der Mehrheit ablehnende Eingaben aus der Bevölkerung (ein Rekordwert) gegen eine weitere Bebauung des Äußeren Grüngürtels.

Die Gleueler Wiese ist ein Startplatz für Heißluftballons.

Die Gleueler Wiese ist einer von mehreren Kölner Startplätzen für Heißluftballons.

Reker plädiert für die Suche nach einem alternativen Standort für das Trainingsareal. Doch mögliche Ausweichplätze wie die Äcker von Marsdorf erscheinen dem FC naturgemäß wie ferne Planeten.

Lesen Sie hier mehr: Vor der entscheidenden Ratssitzung zu den FC-Ausbauplänen – der Kommentar

Schäfer Ingolf Bollenbach (64) lässt seine Schafe schon seit 20 Jahren hier weiden. Es sind etwa hundert Tiere, die an diesem Donnerstag kauen, laufen, blöken und querfeldein Hinterlassenschaften schaffen. „Die Wiese ist sehr wertvoll für die Schafe.“, erklärt der Schäfer. Er könne zwar mit den Tieren ausweichen, dennoch zerpflückt er die Pläne des FC (sehen Sie dazu das Video).

Kaum hat er es gesagt, taucht wie verabredet Adenauer auf. Konrad Adenauer (75), Notar und Enkel des gleichnamigen Kölner Oberbürgermeisters und späteren ersten Bundeskanzlers, der den Sportpark Müngersdorf und den Grüngürtel als Naturraum für die Bevölkerung in den 1920er Jahren erst geschaffen hatte.

Adenauer, Gegner der Ausbaupläne, erklärt: „Mein Großvater hat den Grüngürtel quasi erfunden, das war eine Großtat, städteplanerisch eine der größten in Deutschland.“

Konrad Adenauer

Konrad Adenauer auf der Gleueler Wiese

Wenn jetzt noch FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle auftauchen würde, das gäbe einen munteren Schlagabtausch auf der Wiese: „Um es nochmal eindeutig zu sagen: Wir befinden uns im Sportband des Grüngürtels. Das ist seit 1920 dafür vorgesehen, dass hier Sport getrieben wird. Deswegen gibt es den 1. FC Köln an diesem Standort“, hatte Wehrle vor einiger Zeit erklärt.

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Das Geißbockheim im Äußeren Grüngürtel.

Auf der Wiese ist kaum ein Mensch: Einer ist FC-Fan

In den ca. 90 Minuten vor Ort an diesem Tag treffen wir noch zwei weitere Personen auf der Wiese, beide lassen hier ihre Hunde auslaufen. Einer ist FC-Fan, er sagt, er könne die Relevanz des Projekts nicht ganz nachvollziehen, versteht aber, dass der Club nicht beliebig ausweichen könne: „Ich kann das mit meinem Hund schon.“

Der andere fragt, warum sich die Stadt einerseits Mühe gebe, den Grüngürtel bis in die Südstadt zu verlängern, und hier das grüne Band aber zerschneide.

Schafe oder Geißbock? In rund vier Wochen, am 18. Juni, fällt der Stadtrat seine Entscheidung.

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