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Weil ihm eine Sperre drohte: Triathlet verklagte Doping-Agentur

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Der Spitzensportler zog vor Gericht (Symbolfoto).

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picture alliance/dpa

Bonn -

Zehnmal war Triathlet Ben W. (Name geändert) in der Nacht zum 14. September 2016 von einer unbekannten Nummer angerufen worden. Aber der “deutsche Ironman“, der sich damals auf die Wettkämpfe auf Hawaii vorbereitete, war bereits früh zu Bett gegangen, hatte das Handy abgestellt und schlief tief und fest.

Sportler bekommt Abmahnung von NADA

Drei Wochen später dann der Schreck: Per Post erhielt der damals 33-Jährige, der als Spitzensportler Mitglied des nationalen Testpools der in Bonn sitzenden Antidoping-Agentur NADA ist, wegen eines Meldepflicht-Verstoßes (Strike) eine Abmahnung.

Der Sportler, der verpflichtet ist, jederzeit seinen Aufenthalt mitzuteilen, habe sich der Kontrollpflicht entzogen. Für den Kontrolleur auf Hawaii sei er unerreichbar gewesen.

Triathlet wehrte sich juristisch

Da es für den Spitzensportler bereits die zweite Abmahnung war und nach einem dritten Strike ihm eine zweijährige Sperre gedroht hätte, wehrte er sich juristisch gegen die Abmahnung.

Mit Hilfe des Sportrechtlers Dr. Paul Lambertz legte er Rechtsmittel gegen den mutmaßlichen Verstoß ein. Zunächst vor dem Sportgericht des Deutschen Olympischen Sportbundes, das ihm schließlich Recht gab: Die NADA musste den Strike annullieren.

Nach dem juristischen Sieg verklagte W. die Agentur schließlich noch vor dem Bonner Landgericht auf Erstattung der Anwaltskosten über 2875 Euro.

Bonner Richter beschuldigt Antidoping-Agentur

Nach Ansicht der Bonner Richter habe sich die Antidoping-Agentur mit dem zu Unrecht erteilten Strike einer Pflichtverletzung schuldig gemacht, da sie vor Ort nicht gewissenhaft gearbeitet habe.

Denn ihr Kontrolleur auf Hawaii hätte die Möglichkeit gehabt, den Sportler einer Dopingkontrolle zu unterziehen. Die Appartement-Anlage, in dem der deutsche Ironman damals mit Familie und Osteopath gewohnt habe, sei bekannt und keineswegs unerreichbar gewesen.

Schließlich dürfe ein Triathlet, so die Bonner Kammer, der sich in der heißen Trainings- oder Wettkampfphase befinde, durchaus das Handy nachts abstellen, um nicht gestört zu werden.

Urteil in zwei Wochen in Bonn

Und schließlich auch: Einen Anwalt einzuschalten sei geboten gewesen. Denn, so die Richter wörtlich: „Für den Sportler stand viel auf dem Spiel“.  Und die drohende Folge einer Sperre sei für den Spitzenmann existenziell.
In zwei Wochen will die Kammer ein Urteil sprechen.

(exfo)