Mobbing über das Internet wird immer schlimmer. „Was normalerweise auf dem Schulhof stattfindet, wird im Netz weitergeführt“, sagt Stephanie Pieschl, Psychologie-Dozentin an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
Jugendliche beleidigen sich in Chats, StudiVZ, MySpace oder Facebook - seitenweise Hass. Die X-Scouts berichten über schlimme Fälle im Rheinland.
Für Cyber-Mobbing gibt es viele Gründe: Ethnische Herkunft, Hobbys, der Beruf der Eltern. Oder eben Körperfülle. Wie bei dem 14-jährigen Timo S. Bei StudiVz stellte er eines seiner schönsten Fotos ein.
Doch schon nach kurzer Zeit wurde er massiv gehänselt. „Dein Körper nimmt den ganzen Platz auf dem Foto weg.“ Bei weitem kein Einzelfall. Laut einer aktuellen Studie wurde schon jeder Dritte zwischen 12 und 19 Jahren Opfer des sogenannten Cyber-Bulling.
Auch Hannes war in der Schule immer Außenseiter, wurde gemobbt. Zu Hause gingen die Angriffe durch E-mails weiter. Beschimpfungen, Beleidigungen und kein Ende. Bis hin zu Kampfaufforderungen. „Ich sollte auf dem Schulhof beweisen, das ich keine Heulsuse bin.“
Außerdem trugen Unbekannte ihren Hass auf Hannes‘ Pinnwand im StudiVZ. „Mir blieb irgendwann nichts anderes übrig, als mich dort abzumelden.“
Nadine W. (16, Name geändert) aus Köln hat dies nicht eingesehen. Sie wurde sogar schon von ihrer „Freundin“ Jenny im Internet gemobbt. Ein Mitschüler hatte eine SchülerVZ-Gruppe gegen die heute 16-Jährige gegründet.
Schnell fanden sich sechs Mitglieder (darunter Jenny) - vier davon kannten Nadine nicht einmal, hetzten aber trotzdem. Nadines türkische Freundin Dilan wurde im Internet sogar rassistisch bedroht.
Psychologin Pieschl: „Durch die Anonymität des Internets sind Mobbing-Attacken für die Täter einfacher geworden. Es lässt sich sehr selten nachweisen. Die Hemmschwelle, aktiv zu werden, ist daher geringer.“
Auch die heute 17-jährige Judith W. kannte die Verfasser der üblen Netz-Beschimpfungen nicht. Heute weiß sie, das sie damals von Mitschülern gehänselt wurde: „Da ich in der Schule wenige Freunde hatte und auch in keinem Sportverein Mitglied war, fing ich an, in Chat-Communities neue Leute kennenzulernen.“
Schnell bekamen ihre Klassenkameraden Wind davon, begannen ihr fiese Nachrichten zu schicken und sie wegen ihres Übergewichtes zu hänseln. „Manchmal habe ich mich gar nicht getraut, zur Schule zu gehen - letztlich wechselte ich sogar wegen dieser Sache auf ein anderes Gymnasium.“
Aber warum wehren sich die Opfer nicht, warum berichten sie Vertrauten nicht von ihrem Problem. „Viele haben Angst, dass die Eltern ihnen dann das Internet verbieten“, so die Psychologin. Was aber ihrer Meinung nach der völlig falsche Weg wäre…
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