Empfehlen | Drucken | Kontakt12.07.2010 - 10:56 Uhr

Zukunft unklar: Löw lässt alle weiter zappeln

Wie es weitergeht mit dem Bundestrainer, dass würde auch Theo Zwanziger gerne wissen.
Wie es weitergeht mit dem Bundestrainer, dass würde auch Theo Zwanziger gerne wissen.
Foto: dpa
Erasmia –  

Joachim Löw hatte tiefe Ränder unter seinen Augen. Sein Blick war leer. Er lächelte nicht. Noch nicht einmal, als Bundespräsident Christian Wulff verkündete, er erhalte bald das Bundesverdienstkreuz. Löw war einfach nur fertig.

Dann sagte der 50-Jährige einen Satz, der die deutsche Fußball-Welt in Alarmstimmung versetzte: „Ich frage mich: Habe ich weiterhin die Kraft, die Mannschaft nach vorne zu bringen?“
Jogi wackelt!

Ein enger Mitarbeiter des Bundestrainers sagte dem EXPRESS: „Joachim Löw ist sehr nachdenklich. Die Chancen, dass er weiter macht, stehen bei 50 zu 50. Es ist nicht auszuschließen, dass er aufhört.“

Was ist mit Löw passiert in den letzten Tagen? EXPRESS verkündete vor einigen Tagen, dass er seinen Vertrag wohl verlängern wird. Plötzlich ist wieder alles offen.

In den neun Wochen im Kreis der Mannschaft lebte er auf. Er war der Fußball-Lehrer, der Taktiker, der Psychologe, der Motivator. Er war Löw. Und er war erfolgreich. Wunderbarer Fußball, über den die Welt staunte. „Ich bin stolz auf die Mannschaft.“

Jetzt aber, wo der unmenschliche Druck weg ist, kommt er ins Grübeln.

Er fragt sich: Kann ich meine Visionen realisieren?

Jetzt ist er kein Fußball-Lehrer mehr. Jetzt muss er Politiker sein. Und das missfällt ihm.

Bleibt Oliver Bierhoff Manager der Nationalelf? Das Interview:

Herr Bierhoff, wann werden Sie sich entscheiden?

Nach der Ankunft in Deutschlands werde ich erst drei, vier Tage ausspannen. Danach werde ich mit Joachim Löw telefonieren, um über die Zukunft zu sprechen.

Hängt Ihre Zukunft an der von Löw?

Ich sehe uns als Team. Wenn ich weitermache, dann nur mit einem Bundestrainer Löw.

Macht Löw weiter?

Ich weiß nicht, was er denkt.

Könnten Sie sich vorstellen, dass er aufhört?

Man müsste auch respektieren, wenn jemand eine persönliche Entscheidung trifft, wenn er das Gefühl hat, dass er die Mannschaft nicht mehr weiterführen kann.

Wann fällt die Entscheidung?

Ende des Monats müssen wir Klarheit haben.

Die ständigen Querschüsse aus der Liga, zuletzt hatte DFL-Boss Reinhard Rauball seinen Weggefährten Oliver Bierhoff kritisiert, zermürben Löw. Dazu registriert er, dass ihm auch im Verband ständig Steine in den Weg gelegt werden.

Es geht um strukturelle Dinge. Die Dissonanzen mit Matthias Sammer müssen ausgeräumt werden. Löw beansprucht die Verantwortlichkeit für die U21 und U19 – der ehrgeizige Sportdirektor Sammer tut das ebenfalls. Löw besteht zudem auf die Weiterbeschäftigung seines engsten Mitarbeiterstabes.

Dazu gehören nicht nur Hansi Flick, Andreas Köpke und vor allem auch Oliver Bierhoff, sondern auch der Betreuerstab und die Mediendirektion. Pressechef Harald Stenger wurde die Verlängerung seines am Ende des Jahres auslaufenden Vertrages verweigert – durch Zwanziger, der die Entscheidung mit dem Hinweis auf frische Kräfte begründete. In Wahrheit will der DFB wieder mehr Einfluss haben bei der Nationalmannschaft. Und das missfällt Löw.

„Ich muss jetzt ein paar Tage zur Ruhe kommen“, erklärte Löw, „ich brauche Zeit, um meine Gedanken zu ordnen. Unter diesen Eindrücken bin ich nicht in der Lage vernünftige Gedanken zu fassen, was die Zukunft betrifft.“

Am Geld wird es nicht scheitern. Bislang verdient Löw 2,5 Millionen € pro Jahr. Die Einnahmen aus den Werbetätigkeiten fließen ebenfalls auf sein Konto. Natürlich wird er fordern, dass seine Bezüge angehoben werden. Für einen neuen Zweijahresvertrag müsste der Verband bis zu sieben Millionen Euro hinblättern.

Aber: Das wird nur einen Nebenrolle spielen. Wenn es nur um die Arbeit mit der Mannschaft ginge, hätte Löw seinen Vertrag längst verlängert. Doch der Job des Bundestrainers ist mehr – es geht auch um

Verbandsmeierei, um Erbhöfe, um Bürokratie und Eitelkeiten. Auch daran wir Löw in dieser Woche denken, wenn er daheim in Freiburg die Entscheidung über seine eigene Zukunft
reifen lassen wird.

In den kommenden zwei Tagen wird er sein Handy ausschalten. Er wird „alles sacken lassen“. Er wird sich mit seinen Beratern zusammen setzen. Er wird mit Bierhoff sprechen. Und dann wird er bis spätestens Ende der Woche eine Entscheidung treffen. Es kann alles passieren.

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